The Talking Dead V

„Das ist eine politische Entscheidung, ob man ein Lager zurückbaut, was sehr viel Aufwand verlangt, oder ob man ein Signal setzt, indem man es den Afghanen übergibt. Dann muss es aber auch betrieben werden können und nachhaltig sein.“ (General Markus Kneip, Regionalkommandeur der Isaf in Nordafghanistan)

Selbstverständlich ist dieses Zitat aus dem Kontext gerissen und bestimmt völlig anders gemeint, als man meinen könnte. Aber trotzdem…

The Talking Dead IV

„Die Kritiker, die meinen, man müsse eine Kongruenz zwischen allen Politikbereichen haben, die gehen ja in Wahrheit von dem Regelungsmonopol des Nationalstaates aus. Das war die alte Rechtsordnung, die dem Völkerrecht noch zugrunde liegt mit dem Begriff der Souveränität, die in Europa längst ad absurdum geführt worden ist, spätestens in den zwei Weltkriegen der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. Und wir in Deutschland sind seit dem 8. Mai 1945 zu keinem Zeitpunkt mehr voll souverän gewesen.“ (Wolfgang Schäuble, Infokrieger)

Ob der Bundesminister sich insgeheim als Hochverräter empfindet?

The Talking Dead III

„Der Kommunist ist, wie wir wissen, ein Dogmatiker, autoritätshörig und buchstabengläubig. Aber ihn entschuldigt ein wenig, dass er gewöhnt ist, dass es seinen Gegner in solchem Maße an Gründen gegen die Marxisten fehlt, dass es höchst selten vorkommt, dass sie etwas anfechten, das die Marxisten tatsächlich gedacht oder gesagt haben. Viel lieber widerlegen sie am Marxismus, was kein Marxist je vertrat.“ (Peter Hacks)

Etwa hier. Oder auch in dieser Vorführung geistiger Verwahrlosung und Niedertracht. Das einzig Gute daran sind die Marx-Zitate. Die kann man, sie sind schließlich wahr, immer wieder lesen. Kommunist sollte man aber schon sein, das Wahre will ja doch begriffen sein.

Claus Peymann redet Unsinn und geht mir auf die Nerven

„Was vernünftig ist, das ist wirklich; und was wirklich ist, das ist vernünftig.“1 (G.W.F. Hegel2)

„Daß sich die Theoriebildung des wissenschaftlichen Sozialismus oft und an entscheidenden Punkten in groß angelegten Polemiken vollzog, hängt aufs engste damit zusammen, daß Theorie hier eben nicht einfach Erkenntnis um der Erkenntnis willen, sondern Handlungsdirektive ist.“ (H.H. Holz3)

Die öde Juli Zeh sieht sich in „einer leistungsorientierten Welt“, wo es sich doch, wie LW unlängst bemerkte, bei der sogenannten Leistungsgesellschaft um eine dreiste Lüge der Zombiepropaganda handelt. Leistung wird nicht gefördert und bewundert, sondern be- und verhindert, geleugnet, versteckt, beschimpft, beneidet, bekämpft. Deswegen ist es möglich, daß einer wie Hans Heinz Holz beinahe unbemerkt sterben kann, während jemand wie Christa Wolf Anerkennung erhält für ihren Niedergang bis zur Kollaborateurin des westdeutschen Imperialismus, während elende Schwätzer wie Peter Sloterdijk und Jürgen Habermas mit bedeutenden Denkern verwechselt werden, während Rolf Hochhuth als ernstzunehmender Dramatiker gilt und Claus Peymann für Kunstbeschädigung und Schändung des Berliner Ensembles nicht eingesperrt oder verjagt, sondern bezahlt wird. Das ehemalige Zentralorgan der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) heißt jetzt „neues deutschland“ und druckt Peymanns Selbstentblößungen. Im Folgenden werden einige der dämlichsten dokumentiert und in Stichworten kommentiert, zur Aufbewahrung und als Vorarbeit für spätere revolutionäre Verwendungszwecke.

„Zur Geburtsstunde der russischen Revolution – nicht erst unter Stalin, schon unter Lenin – gehörte der Terror, gehörte die Diktatur einer Kaderpartei. Im Westen sahen wir schaudernd die Moskauhörigkeit des Ostens. Und bereits die Französische Revolution lehrte, dass die ersehnten Umstürzler von heute die Diktatoren von morgen sind.“

Antikommunismus von links. Anarchistische Lobpreisung des Imperialismus. Allgemeine Herrschafts-, mithin Gesellschaftsfeindlichkeit.

„Der – hoffentlich nur zeitweilige – Ausfall der sozialistischen Utopie jedenfalls macht allen, die eine bessere Welt wollen, arg zu schaffen.“

Sagt einer, der „[u]m Himmels Willen!“ kein Marxist sein möchte. Typische Feigenblattäußerung zur Verhinderung der Denunziation und Behandlung als stinknormal reaktionär. Selbstverständlich leichter durchschaubar als frisch geputzte Fensterscheiben.

„Früher hieß es, nur die Idioten gehen zum Militär, längst scheinen auch in die Politik einzig nur die Idioten hineinzustapfen. Das kann nicht endlos gutgehen.“

Das kann wirklich nicht gutgehen, wo die Idioten doch auch ins Theater marschiert sind.

„Ein wirtschaftlicher Zusammenbruch, gepaart mit vollständiger Inkompetenz der Verantwortlichen, das vermag ein friedliches Westeuropa sehr schnell in ein Pulverfass zu verwandeln.“

Heuchlerisches Herbeifürchten des ersehnten feuchten Traums aller Anarchofaschisten. Apokalypse als Utopieersatz.

„Jede Revolution muss das Alte vernichten, das Privilegierte, die ungerechte Verteilung. Aber sie zerstört damit stets auch Kultur, Erhabenheit, Ästhetik, das Schöne. Proletarische Grobheit war in der Geschichte des 20. Jahrhunderts nicht zu vermeiden, aber sie beflügelte Intelligenzfeindlichkeit, Rohheit gegenüber der Poesie und einen kulturlosen Pragmatismus. Da liegt eine schreckliche Dialektik vor, die vielleicht nie zu einer Lösung kommen kann.“

Undialektisches, fortschrittsfeindliches Geraune. Unverständnis wichtigster Begriffe wie etwa Aufhebung, Dialektik, Revolution usw.

„Wir sind Gebrochene.“

„Ich geh mit keinem dieser Polit-Kasper an irgendein Büffet. Ich streite mich und bin mit allen verfeindet.“

„Ich bin stolz, Linker zu sein. Links ist da, wo das Herz schlägt – und weh tut.“

Identitäres, selbstgefälliges, armseliges Geflenne eines Intendanten-Kaspers mit Faible für Lafontaines Wort“witz“. Läßt all die an seiner Hirngeringschätzung leiden, die sich mit seinem Weltschmerz befassen.

Kleiner Zusatz: Der Tibet-Kasper Dalai Lama hält sich selber zwar nicht für einen Leninisten, aber im Gegensatz zum gleich blöden Peymann “as far as socio-political beliefs are concerned, I consider myself a Marxist”.

Zusammenfassung: Alles steht mal wieder Kopf. Solange jedenfalls, bis die sozialistischen Kräfte sich ausreichend reorganisiert haben werden, um die notwendigen Richtigstellungen durchzuführen. Hans Heinz Holz hat dafür außerordentlich Nützliches hinterlassen. Vernünftige Menschen eignen sich das an, um’s weiterzuentwickeln und zu verwirklichen.

Kanonade von Valmy

  1. Heinrich Heine berichtete, daß Hegel über diesen Satz zu ihm sagte: „Es könnte auch heißen: Alles, was vernünftig ist, muß sein.“ [zurück]
  2. Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Grundlinien der Philosophie des Rechts [zurück]
  3. Hans Heinz Holz: Die Algebra der Revolution – Von Hegel zu Marx – Aufhebung und Verwirklichung der Philosophie I [zurück]

The Talking Dead II

zschäpe

„Frau Zschäpe macht auf mich einen sympathischen, intelligenten und gebildeten Eindruck.“ (Wolfgang Heer, Rechtsanwalt)

The Talking Dead I

„das ist die frage, ob ein bekenntnis zu israel einen rechten rand abschreckt oder anzieht.“ (g.scheit, gescheitert und links)

Arische Wissenschaft

„So ist das in der Wissenschaft. Jeder zieht seine eigenen Schlussfolgerungen.“ (Kristina Schröder)

NACH NEONAZI-TERROR: DEUTSCHLAND ENTRÜSTET

„UNTERM FÜHRER HÄTT‘S DAS NICHT GEGEBEN!“

occupy berlin

Schlimm, aber alternativlos: Hungernde Kinder

Experte Wolfram Hartmann ist Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte. In dieser nicht sonderlich alarmierend klingenden Funktion teilte er mit, „dass etwa 500.000 Kinder in Deutschland regelmäßig nicht ausreichend ernährt werden und immer wieder Hunger leiden“. Das dürfe seiner Meinung nach, er ist ja immerhin ein guter Mensch, nicht sein. Um das, was ist, zu dem machen zu können, was sein soll, wenn’s mal nach Hartmann geht, betrieb er Ursachenforschung und fand etwas heraus. Nicht bloß der Wahnsinn, Menschen mitsamt ihren Kindern in Armut zu zwingen und zu halten, nein! auch die Armen selber seien verantwortlich zu machen, denn sie beharrten widerborstig und dekadent auf dem Erwerb von Luxusgütern wie ausgerechnet Limonade, auf die sie nun wirklich keinen Anspruch hätten, worin sich „die Inkompetenz etlicher Familien, mit Geld zu haushalten und Kinder adäquat zu ernähren“, äußere, die leider viel zu oft verschwiegen würde, gäbe es den tapferen Hartmann nicht.
Diese Aussage muß mehrfach bedacht werden, bis ihre ganze Scheußlichkeit klar wird: Gerade die Familien, die bekanntermaßen kaum mehr als gar kein Geld haben, werden für ihr angebliches Unvermögen gescholten, mit dem Geld, von dem sie beinahe nichts besitzen, umgehen zu können! Als gäbe es nicht so etwas wie verbindliche und im Steigen begriffene Preise, die selbst Meisterrhetoriker nicht klein oder wenigstens kleiner quasseln könnten! Als hieße Existenzminimum etwas anderes als es nunmal heißt: gerade so noch so tun können dürfen als gehöre man trotz allem, was fehlt, und das ist beinahe alles, und dem anhaltenden Magenknurren, das beim Einschlafen auf der acht Jahre alten zerlegenen Matratze stört, noch zu der Gesellschaft, die sich einen wie Hartmann herangezogen hat, wenn’s auch längst schon nicht mehr stimmt.
Und mal die unterstellte Inkompetenz für existent halten, worin unterschiede sich das dann noch davon, entweder die mit unfassbarer Blödheit wohl identische Fahrlässigkeit (ergo: sträflichste Inkompetenz) oder die Bösartigkeit einer Gesellschaft anzuerkennen, die „bildungsferne Familien“ mit genau so viel Geld ausstattet, daß es denen partout nicht reichen kann, weil sie eben bildungsfern = INKOMPETENT sind. Es kommt also zweimal das selbe heraus:
Die Armen sind arm, weil sie’s sein sollen, denn die arbeitenden Klassen sind umso erpressbarer, desto miserabler die Lage der drangsalierten und gedemütigten, im Elend gehaltenen Reservearmee. Wenn das hungernde Kinder bedeutet, dann muß das so sein, dann ist das alternativlos, denn Kapital will akkumulieren, Punkt. Und daraus folgt zweierlei: Die Bestie ist die Klassengesellschaft, der Kreidefresser Hartmann gibt der Bestie Stimme. Und Experten sind das speichelleckende Gekreuch am fauligen Maulwinkel des verwesenden Kapitalismus.

Gut Ding hat Dauer: Die Simpsons machen weiter

the simpsons logo

Nachdem Fox den Lohn der Simpsons-Sprecher um 45% kürzen wollte, um die Serie fortzusetzen, einigte man sich nun auf eine Senkung auf 70% des bisherigen Gehalts. Die Staffeln 24 und 25 können also freudig erwartet werden. Daß aber überhaupt eine Kürzung dieser Größenordnung erduldet werden musste, ist Folge einer Unverfrorenheit, die nur auf Fox‘ grundsätzliche Abneigung Wahrheit gegenüber rückführbar ist, handelt es sich bei „The Simpsons“ doch um das Projekt zur genauesten Erfassung der gegenwärtigen Gesellschaft mit all ihren Widersprüchen in feindlicher, fortschrittlicher Absicht, aus jener objektiven Perspektive unternommen, die nie aus Distanz, immer nur teilnehmend möglich ist, das sich nie in bloßer Negation und damit bloßer, auf rebellisch zurechtgemachter Affirmation erschöpfte wie die ach so ähnlichen, angeblich witzigeren, bissigeren, den Zeitgeist verkörpernden (und damit in Wirklichkeit halt nur: witzlosen, klamaukigen, reaktionären, bewußtlosen) Serien „Family Dad“ oder „American Guy“. Trennen mag man sich bei Fox vom gelben1 Goldesel natürlich nicht, das wäre nicht im Interesse des Geschäfts. Den mit der Herstellung großartiger Unterhaltung Beschäftigten, Unterhaltung verstanden nicht als das Bewußtsein einschläfernd, sondern im Gegenteil erfrischend, das Leben ein wenig schwerer zu machen, zeigen, wie wenig Wert ihre Arbeit hat, wie gering die Anerkennung ihrer einzigartigen Leistung, sie von ihrer Tätigkeit ablenken mit beschämenden Manövern, das kann Fox dennoch und tut es. So lassen sich ein paar Dollar sparen, ein paar Angestellte erniedrigen, ohne das Feigenblatt der ordinären Sozialkritik zu verlieren, als das die Simpsons wenigstens hierzulande in der Regel fehlinterpretiert werden. Dementsprechend freut man sich im SPIEGEL ONLINE Forum nicht über zwei weitere Staffeln, man zeigt sich nicht empört über die Maßnahmen von Fox, nein, man prügelt stattdessen auf das Beste, vielleicht sogar einzig dauerhaft Gute ein, das je fürs Fernsehen gemacht wurde. Weitgehend einig ist sich der Kommentatorenpöbel in der Feststellung, die Simpsons hätten ihre besten Tage lange hinter sich, denn sie seien mittlerweile zu freundlich, zu idiotisch, zu öde, zu kommerziell, Mainstream, würden zu häufig gesendet, es fehlten Biss, Subtilität und Authentizität, wohingegen die sogenannten Werke eines Seth MacFarlane reichlich Lob verdienten und Groening wohl als Maßstab zu gelten hätten. Die Begeisterung über geistlose Plagiate führt schließlich zur Forderung, die geldgierigen Stimmgeber der Charaktere zu ersetzen durch günstige Imitatoren, die im Falle steigender Ansprüche vermutlich ebenfalls im Sinne der als typisch amerikanisch geltenden Parole „hire and fire“ entsorgt werden könnten. Mißachtung außergewöhnlicher Leistung paart sich mit neoliberaler Asozialität und gebiert ein monströses Kind: den Fan des Zeitgeists, der, talentlos, wie er eben ist, lieber das Kapital in Form einer Corporation Geld sparen sieht als vom Kapital bezahlte Besondere überdurchschnittlich entlohnt. Er sehnt sich zurück nach dem Charme der unbeholfenen, detailarmen Zeichnungen, wie sie die Serie anfangs noch prägten, und gibt sich damit zu erkennen als Verächter von jeglicher Professionalität und Qualität, zunehmender vor allem, allgemein: von menschlichem Können. Damit: von Individuen. Wer was kann, soll sich bloß nix drauf einbilden. Jeder gilt als ersetzbar, was selbstverständlich als Drohung zu verstehen ist. Jeder hat gleich zu sein, nämlich gleich schlecht, gleich zwecklos, gleich verwendbar für den einzig gültigen Zweck, dern der Kapitalakkumulation. Sein Vorwurf, nach soundsovielen Staffeln sei alles erzählt, gezeigt, ausgedacht, weitere seien damit überflüssig, ist dementsprechend eigentlich ein sich gemein machen mit dem Status Quo, der sich nicht ändern darf, daher einerseits immer wieder aufs Neue wiederholt werden, andererseits im immer neuen Gewand erscheinen muß. Dauerhaftes2 ist ihm unerträglich, zerstört es doch die Illusion der Bewegung, die hervorgerufen wird durch ständiges Ersetzen von Gleichem durch Gleiches; wirkliche, nicht scheinbare Veränderung, Entwicklung darf nicht geschehen, muß aber simuliert werden, wie das Leben selbst. Gäbe es die Simpsons nicht, sie würden dringend benötigt, um den Zeitgeist und diese seine Anhänger zu schlagen. Es gibt sie, der Mob fühlt sich zu recht getroffen und heult. Die Leistung der Simpsons geht allerdings weit darüber hinaus, die Tölpelhaftigkeit der Masse der Zeitgenossen aufzuzeigen. Die Dumm- und Gemeinheiten, die den Spätkapitalismus im Großen wie im Kleinen kennzeichnen, machen nicht verdrießlich, wenn sie im Rahmen der Simpsons vorgeführt werden, ohne zu versöhnen stimmen sie heiter. So ergibt sich aus dem fortschreitenden Studium der Simpsons zweierlei: Die Zunahme der Kenntnis der Realität genauso wie der Bereitschaft, im Dienste der Vernunft innerhalb der Realität und auf diese zu wirken – vorausgesetzt, beides war schon vorher vorhanden, kommt von nichts bekanntlich nichts. Die Simpsons beugen damit ebenso der innerhalb des Irrsinns stets drohenden Verblödung und Erstarrung aufs Trefflichste vor. Das ist der wertvolle Beitrag dieser Fernsehserie, den sie seit 1987 zur kommunistischen Revolution leistet. Und glücklicherweise für mindestens zwei weitere, gewohnt ausgezeichnete Staffeln.

  1. Bitte nehmen Sie das Wortspiel auf dem Niveau des Spiegels freundlich zur Kenntnis.[zurück]
  2. Dauerhaftes verändert sich fortwährend, paßt sich an, reagiert, ist lebendig. Was unveränderlich ist, ist tot. [zurück]


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