Archiv für April 2010

Viel zu oft und immer wieder: Religion und die damit verbundene Hirngrütze

Als im marxistisch-leninistischen Geheimversteck (Spiegelstraße 14, Zürich) die Nachricht von Bischof Mixas Rücktrittsgesuch eintraf, freuten wir uns keineswegs. Die katholische Kirche wird sich ein weiteres Mal restaurieren, einer Hydra wachsen bekanntlich für jeden abgeschlagenen Kopf zwei neue nach. Schadenfreude ist fehl am Platze, wo es keinerlei Schaden gibt. Die endgültige Vernichtung des Katholizismus, die nur Teil eines erfolgreichen Feldzuges gegen die Religion als solche sein kann, welcher ohne bolschewistische Revolution nicht zu haben ist, bleibt vorerst Zukunftsmusik, wenn auch wohlklingende. Ersten leisen Tönen war in der als Zeitalter verleumdeten und verharmlosten Aufklärung zu lauschen, sie wurden an der Guillotine gespielt. In diesem Zusammenhang darf an den Glockeneinschmelzer Fouché erinnert sein, der aufgrund seines Machthungers jedem Kommunisten, der es ernst meint (von dieser Sorte soll es tatsächlich noch 8 Stück geben, wenn’s hoch kommt), als Vorbild dienlich sein kann. Doch zurück zum gewohnten Alltag der gesellschaftlichen Kakophonie. Die einflußreiche Rolle, die der Kirche und ihren ungeheuerlichen Geschwistern zukommt, lässt sich leicht erkennen an ach so ausgewogenen und gar kritischen Geistern, die sich nicht entblöden, sich selbst als Agnostiker zu verhöhnen, weil man schließlich nicht mit letzter Sicherheit wissen könne, ob nicht doch irgendwo im hinterletzten Flecken des Multiversums ganz vielleicht Jehovah, der liebe Gott und Allah mit ihren Kumpel Buddha und Vishnu Karten kloppen. Ein Wunder, dass solche Armleuchter nicht rund um die Uhr die nicht auszuschließende Existenz sämtlicher Wahnvorstellungen einräumen, die sich die Halluzinierenden dieser Welt im Laufe der Jahrhunderte haben einbilden können. Dabei ist doch schon die Betonung, man pflege atheistische Ansichten, nichts als widersinnig. Nicht die vernunftbegabten Wesen, die ihr Talent nicht verkommen lassen (von dieser Sorte soll es, wie bereits erwähnt, tatsächlich noch ganze 8 Exemplare geben), haben sich zu rechtfertigen für ihre Vernunft. Und die, denen Vernunft bestenfalls vom Hörensagen geläufig ist, haben sowieso das Maul zu halten. Ist besser so.

kirche

Von diesem und jenem Horror

A

1. Längst ist alles Nötige gesagt. Der Rest ist Kür.

2. Satire ist Ernst. Daher ist jedes Wort, das nicht zum Kuscheln aufruft, sondern den Feind attackiert und trifft, notwendig satirisch. Wieland, Heine, Kraus und Poth betätigten sich als Satiriker nicht mit harmlosen Possen oder versöhnender Pöbelbespaßung, sondern standen als Vertreter „stalinophiler“ Vernunft (als gäbe es eine andere!) für Fortschritt, was ihnen bis in absehbare Zeit nicht verziehen werden wird. Die Folge ist die mutwillige Verwechslung von Satire mit Firlefanz.

3. Ernsthaftigkeit und Konsequenz sind weithin verhasst. Wer nicht sofort jede seiner Äußerungen untertänigst einschränkt, relativiert, zurückzieht, also entwertet, wird damit rechnen müssen, sich in Windeseile von den Subjektivisten aller Couleur alle Verachtung, zu der sie fähig sind, zuzuziehen. Das ist gewiss kein Schaden. Das Wahre verträgt sich nunmal schlecht mit dem Beliebigen, Zufälligen, Wirren. So verhält es sich auch mit Materialisten und Idealisten.

B

Es existieren zwei unterschiedliche, geradezu entgegengesetzte Arten des fiktionalen Horrors im Film. Die eine zeigt den Schrecken in Form von Zombies und verwandten untoten Fleischfressern, Werwölfen, sadistischen Hinterwäldlern mit Kettensägen oder anderen Totfolterern. Der Schrecken ist stets körperlich manifest und materiell. Bis zum Letzten, bis zum Äußersten reicht der scharfe Blick, der somit nicht anders denn aufklärerisch genannt werden kann. Die Gesellschaft erscheint als das sinnlose Schlachthaus, das sie ist. Die andere Art des Horrorfilms betreibt das Geschäft der Gegenseite. Unsichtbare Geisterwesen, unerklärliche übersinnliche Phänomene und hochemotionale Blutsauger sind das Personal, das regelmäßig Verwendung findet. Nicht zufällig gipfelte die Entwicklung dieser Filme in teenagerbeglückendem Unsinn wie „Twilight“, der so glattpoliert, umnachtet und hochromantisch ist, als hätte ein postmoderner Novalis Regie geführt.
Die Innenwelt der subjektivistischen Individualisten gleicht nun den Erscheinungen, die man zu Genüge aus den zahllosen in einer verlassenen Geistervilla oder an ähnlichen verhexten Orten spielenden Filmen kennt, ihre objektive Rolle besteht im Verschleiern all dessen, was über das sogenannte Individuelle, das der Fetisch des selbstbegrenzten und zu Erkenntnis ebenso wenig wie zu Erfahrung oder wenigstens ungetrübter Wahrnehmung befähigten (Nicht-, weil bis zur Unkenntlichkeit verstümmelten) Subjektes ist, hinausreicht und erfahrbar ist in klassischen Werken der Aufklärung wie etwa „The Texas Chainsaw Massacre“ oder „Paura nella città dei morti viventi“.

ghostbusters

Liebe zur Blödheit

„[Philosophie] ist die leere Packung Cornflakes, vor der sicher jedes Individuum einmal stehen geblieben, dann aber auch wieder schweigend gegangen ist.“

Derartige Philosophie tiefgründig-deutschen Geistes darf gerne weiterhin in den Regalen der Superdeppenmärkte verstauben.

Hände oben – Kopf (leider nicht) leer

„Wie kommt die Scheiße in die Köpfe?“

(Schernikau)

Das Elend hat viele Gesichter und dreimal soviele Blogs.

Weil Erfurter Nazis sich zusammenrotten wollen um deutsche Arbeit zu feiern, statt sie zu verrichten, überlegen sich Erfurter Antinazis, den traurigen Marsch „mit allen dafür notwendigen Mitteln zu verhindern“. Von mir aus kann sich jeder seine Freizeitaktivitäten aussuchen, wie er lustig ist, wir haben schließlich Kapitalismus. In Erfurt scheint die Auswahl allerdings nicht allzu üppig auszufallen, was unsere unterbeschäftigten Antifas folgenden Satz in die Tastatur hacken lässt: „Gleichzeitig sind wir uns darüber im Klaren, dass das Verhindern von Naziaufmärschen nur ein kleiner Teil dessen ist, was einem erstarkenden Rechtsextremismus, Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus entgegen gesetzt werden muss“. Wenn mit „ein kleiner Teil“ nichts anderes gemeint sein sollte als „von Nichts ununterscheidbar“, dann stimmt das sogar beinahe. Aber was fehlt in den Köpfen unserer selbstkritischen Gegendemonstranten eigentlich noch zum völligen Antifaglück? Man mag’s kaum zitieren, so bekloppt ist das, aber da muß man durch: „Mindestens genauso wichtig ist eine alternative und antifaschistische Alltags- und Jugendkultur.“ Das ist kaum fassbar, aber die meinen’s wirklich ernst mit ihrem „Raven gegen Deutschland“. Wie wird man so, und vor allem, wie hält man das dann aus, wenn man so ist?

Man verstehe mich recht: Wer in abbruchreifen Häusern leben will, der soll das gerne tun. Er bekommt von mir jederzeit ein aufmunterndes „Nur zu!“ zugerufen, keine Frage. Wer sich Zusammenrottungen von Führerfreunden ansehen will, kann sich meiner wohlwollenden Gleichgültigkeit sicher sein. Andere Leute gehen ja auch in den Zoo, warum soll man also keine Nazis angucken? Und wer selbstgekochtes Voküessen vertilgen will, dem sei das freigestellt. Kein Problem. Aber wer seinen politischen bzw. „politischen“ Größenwahn derart unbedarft und anerkennungsheischend in die eh schon miserabel eingerichtete Welt trägt, der soll wissen, dass er damit nicht ungestraft dem Weltgeist unterkommen sollte, falls dieser in seiner nächsten Verkörperung mit dem Panzer wider Erwarten ausgerechnet durch Erfurt fährt.

panzer

Junge Linke auf Opium

Nichts gegen eine gründliche Schulung, denn ein nicht geringer Teil der Arbeit der Kommunistischen Partei besteht darin, die „Arbeiter (wie auch die Studenten und Gymnasiasten) so [zu] schulen, daß man mit ihnen über diese Fragen [gemeint sind „die Fragen der „Politik“ und der „Organisation““; S. Hirschfeld] reden kann“, wie Lenin in „Was tun?“, einer Schrift, von der für gewöhnlich nur mehr ihr Titel bekannt ist, treffend bemerkte, doch wenn die bibeltreue Teenagerlinke aus den 10 Geboten zitierend (für die Doofen: siehe rechtes Transparent) Schulen fordert, wird sie solche im Sinn haben, die nichts lehren, sondern „das volksverdummende Opium Religion“ (wieder Lenin) gleich kübelweise an ihre Insassen verteilen. Derartiges ließe sich verhindern, indem Stanislaw Hirschfeld, ergo „der Mensch also nicht mehr bloß denkt, sondern auch lenkt“, denn „dann erst verschwindet die letzte fremde Macht, die sich jetzt noch in der Religion widerspiegelt, und damit verschwindet auch die religiöse Widerspiegelung selbst, aus dem einfachen Grunde, weil es dann nichts mehr widerzuspiegeln gibt“ (Engels). Bis dahin erfreuen sich die religiösen Drogendealer vorerst beachtlicher Beliebtheit, während sie sich einen guten, komfortabel lünettengestützten Platz unter dem Fallbeil sichern.

bibeltreue linke

Nachtrag:

Die Guillotine, „eine Maschine, die den Kopf im Handumdrehen entfernt und das Opfer nichts anderes spüren lässt als ein Gefühl erfrischender Kühle“ (Joseph-Ignace Guillotin), wird oben selbstredend nicht zufällig erwähnt, ist sie doch ein ganz und gar revolutionäres Gerät, das wie kaum ein anderer Gebrauchsgegenstand für égalité steht. Somit ist sie auch in kommenden Zeiten geeignet, das Objekt der Wahl zu sein, sich konterrevolutionärer Elemente zu entledigen.

two or more

Gefangen in der Hölle des Subjektiven

Vechta – eine verhinderte Weltmetropole, die ausser Rolf Dieter Brinkmann nichts von Bedeutung hervorgebracht hat, gibt es auch auf links und nennt sich in dieser Form folgerichtig „Linkes Vechta“ („Nicht die Linkspartei ;)“). Man ist selbstverständlich „emanzipatorisch, antiautoritär, antirassistisch, antifaschistisch, antisexistisch, anti-antisemitisch, nicht-kommerziell“ und, wie könnte es anders sein, obendrein noch antilookistisch:

„Gutes Aussehen“ ist ein Marktwert innerhalb der konkurrierenden, kapitalistischen Gesellschaft, und der positive Bezug auf „Schönheit“ führt gleichzeitig zur Diskriminierung von anderen, die von dieser konstruierten körperlichen Norm abweichen.

Auch wenn die kapitalistische Gesellschaft mit nichts mehr konkurriert, weil es keine von ihr unterschiedliche mehr gibt, verblüfft doch, was den Antis speziell an Schönheit auffällt: Es lässt sich Geld mit ihr machen. So wie mit Bananen, Giftgas, Schulden, Blogs, Musik, Crack und allem anderen, das es gibt. Offensichtlich ist das Problem der Antis also Schönheit selbst. Wie kann man etwas an Schönheit auszusetzen haben, wenn man nicht gerade ein abgrundtief hässlicher Psychopath ist, der von Rachegelüsten getrieben wird (vgl. unzählige Horrorfilme), fragt sich der Freund des Schönen. Da erinnert er sich, bei Hegel (wo sonst?) etwas gelesen zu haben, das das Rätsel lösen kann. Ihm zufolge ist „das Gebiet des Schönen der Relativität endlicher Verhältnisse entrissen und in das absolute Reich der Idee und ihrer Wahrheit emporgetragen“ (Vorlesungen über die Ästhetik). Das muss den Zorn derer erregen, denen „subjektive Betrachtung“ (ebd.) alles ist, die demzufolge nichts Objektives kennen und für möglich halten. Schönheit und Wahrheit halten sie für subjektiv, sofern sie sie nicht grundsätzlich leugnen. Anmaßend finden sie es, wenn jemand „weiß, was die ‚Wahrheit‘“ ist oder sich zumindest für sie interessiert. Das ganze Ziel ihrer Existenz besteht darin, bloß undogmatisch zu meinen; so können sie natürlich weder etwas lernen noch sich ernsthaft bilden (das hielten sie ohnehin für „deutschernst“), denn sie „entstehen immer wieder neu“ und sind daher auf ewig dazu verdammt, immer wieder vergessen zu müssen (vgl. „Memento“). Auch hier denkt man unweigerlich an die klassischen wandelnden Leichen, die nichts mehr wissen und nichts mehr wollen als Gehirne zu fressen. Jedoch sind die, wie sich nach und nach zeigte (zuletzt in „Survival Of The Dead“), erstaunlich lernfähig und daher Anarchos, Antis und all den anderen in ihrer subjektiven Hölle Gefangenen um Längen voraus.


Survival of the Dead Teaser Trailer

George A. Romero’s Survival of the Dead | MySpace Video

Nachtrag zu „Memento“:

Was für ein grundlegend verkehrtes Leben das ist, wenn man ständig „immer wieder neu“ wie aus dem Nichts auftauchen muss, zeigt „Memento“ und stellt dadurch einen wertvollen Beitrag dar im Kampf gegen die postmoderne Beliebigkeit; keinesfalls jedoch ist dieser Film ein „postmoderner Mythos“, wie Andreas Busche in der taz fälschlich behauptete. Schließlich zeigen Shelbys Tätowierungen eben nicht „Fakten und Erinnerungsfragmente“, sondern ungeordnete, weitgehend zufällige, unwahre Schnipsel, die sich von geordnetem Wissen also maßgeblich unterscheiden, die, weil Shelby an sie glaubt und sich nach ihnen richtet, tödliche Irrtümer ermöglichen. Das Fazit ist somit offensichtlich: Wer nichts Objektives mehr erkennen kann, der wird am Ende noch das Schlimmste tun, sogar ohne das selbst zu merken. Wo alles subjektiv ist, regiert objektiv der Wahnsinn.

Methicillin-resistant Staphylococcus aureus is out there to get you

Heute schalten Sie um 20:15 den Fernseher ein und schauen das Abendprogramm von arte an.

Jährlich sterben mehr Menschen an Krankenhauskeimen als an der Immunschwäche Aids. Die Infektionen mit dem gegen Antibiotika resistenten Bakterium MRSA bereiten Medizinern große Sorgen. Einige Patienten verlieren Arme und Beine, weil sich die Infektion so rasant ausbreitet, dass nur noch eine Amputation ihr Leben retten kann. Greifen besonders aggressive Keime auf innere Organe über, können die Ärzte das Leben des Patienten oft nicht mehr retten. Während die WHO lautstark vor der Schweinegrippe warnt, breitet sich mit MRSA eine Seuche aus, von der nur wenige Notiz nehmen.
Allein an deutschen Kliniken infizieren sich Jahr für Jahr schätzungsweise 160.000 Menschen. Meist sind es harmlose Eingriffe, bei denen die MRSA-Keime in den Körper eindringen.

Zwischen 20:15 und 22:00 brechen Sie dann in Panik aus, versiegeln Fenster und Türen und betreten unter keinen Umständen jemals wieder die Todesfalle Krankenhaus. Mißtrauen Sie jedem. Er könnte bereits infiziert sein.

mrsa

Käpt‘n Kulla und die Zauberpulver

Ok, an Kulla herumzunörgeln ist nicht gerade das, was uns edle Matadores herausfordert, aber hier schreit einer geradezu nach dem erlösenden Stich mit dem Espada:

Ja, ist bloß Parlamentarismus, fällt aber vielleicht gerade deshalb durch den für dieses Thema ungewöhnlich vernünftigen und entspannten Tonfall auf.

Klingt schon blöd, wenn man noch kaum weiß, worum es geht, nicht wahr? Thema ist jedenfalls ein Rülpser der Piratenpartei, Drogen zu legalisieren, weil blablablablablabla… Was für eine Überraschung, die Trottelpartei für Computerbewohner versucht, die Drogengroupies als Wähler zu gewinnen, die überhaupt noch wählen können bzw. dürfen, super, klasse, wie vernünftig und vor allem: Wie entspannt! Trotzdem, Kritik muß sein! (Natürlich keine an der irrsinnigen Idee, dass es gerade Rauschmittel wären, die in der vernunftlosesten aller denkbaren Welten fehlen würden.) Ob Kulla demnächst als Entschwörungspirat den kritisch-bedröhnten Papageienflügel der „Partei der Informationsgesellschaft“ geben wird? Freuen Sie sich auf den kommenden Drogenfilm in Ihrem kaputten Kopfkino!

Das Grauen mit Namen che.blogger.de

Es gehört so sehr zum guten Ton der Linken in Deutschland, von der Linken in Deutschland wenig bis nichts zu halten, wie es in der Punkerszene vom Bahnhofsvorplatz bis zum die Besucher mit Green Day und Foo Fighters beschallenden Club etabliert ist, sich selbst nicht als Punk zu bezeichnen. Beides hat eigentlich gute Gründe und ist dennoch strunzdumm, da es nur der Absicherung dient, sich ohne Bruch mit der eigenen Identität früher oder später aus seinem Milieu entfernen zu können, um sagen zu können, man sei sich selbst doch immer weitgehend treu geblieben (was auch stimmt: kaum ein Linker will die oft eingeforderte Revolution wirklich werden sehen, kaum ein Punk will es sich je ernsthaft mit seinem Kleinbürgernest verscherzen).

Nun gibt es dennoch Linke, die links bleiben. Die bloggen manchmal und zeigen der Welt, warum man kein Linker sein wollen kann. Wenn zum Beispiel ein Flugzeug vollgepackt mit der herrschenden Klasse eines osteuropäischen Landes abstürzt, empfinden sie „[e]infach nur totales Entsetzen, jenseits des weiter Kommentierbaren“, denn so erleidet die Aufarbeitung der „stalinistischen Verbrechen“ einen herben Rückschlag, ein „Ereignis“, „so epochal wie Brandts Kniefall in Warschau“ findet erstmal nicht statt. Was für eine bemerkenswerte Reaktion! Statt den Ausgebeuteten und Beherrschten in Polen zu wünschen, dass die Passagiere des fulminant beendeten Fluges niemals ersetzt werden, bedauert man den ziemlich irrelevanten Tod einiger Arschlöcher, wohl vor allem, weil der Sozialismus nun nicht noch ein bißchen tiefer begraben werden kann unter kapitalistischem Dreck. Aber was soll man schon erwarten von jemandem, der besagten Kniefall spitze fand, der an Idiotie kaum zu überbieten war, denn was hatte Brandt eigentlich am Hut mit den Nationalsozialisten, dass er sich für ihre Untaten hätte entschuldigen können, außer einer Liebe zum Deutschtum freilich und einer grundsätzlichen Gegnerschaft zu real existierenden Versuchen, eine Gesellschaft aufzubauen jenseits von Ausbeutung?

Konsequent küren solche Linken dann auch eine „Bloggerin des Monats“, weil diese einen Stuß daherschreibt, der soviel Wahrheitsgehalt hat wie etwa eine Kirchenpredigt oder eine Führerrede, so dass es Kommunisten ganz anders wird angesichts einer derartigen Menge an Lügen und Dummheiten. Die Chose geht so: Man nehme Marx in Schutz vor Lenin und Stalin, damit bloß niemand je wieder auf die Idee kommt, Marxismus könnte mit etwas anderem zu tun haben als mit ungelesenen Büchern und dämlichen Blogs. Revolution? Egal, solange der gealterte Linke noch „von einigen flotten Studentinnen angebaggert, angebalzt und angeflirtet“ wird, während er sich wohlig daran zurückerinnert, „Fleisch in der veganen Volxküche“ aufgetischt zu haben!

Der Horror geht weiter. So erzählt eine Bande jugendlicher Anarcho-Knalltüten unter dem eiskalt gelogenen Titel „wir denken“:

wir wollen durch bildung, informationen und kulturelle intervention einen analytischen raum für begegnungen schaffen. die analyse ist herbei ein zusammentreffen verschiedener perspektiven im dialog. der diskurs schärft den blick. die diskussion emanzipiert von dogmen.

Es braucht wenig Mühe, um zu verstehen, was das zu bedeuten hat: „Wir sind doof und stolz darauf!“ Undogmatisch sein heißt nichts anderes als nicht wissen zu wollen, verliebt in Diskurse sind die, die sich nichts genau ansehen wollen, Dialog heißt Gelaber, Analyse als Zusammentreffen heißt jede Analyse tunlichst zu vermeiden, kulturelle Intervention heißt häßliche Aufkleber malen und Schönheit hassen und so weiter. So wird Eyjafjallajökull ausgerechnet dafür geschätzt, weil „er_sie“ für die „stillstehende Wirtschaft“ verantwortlich ist. 2010, und die Maschinenstürmer im Bunde mit der Natur gibt es immernoch.

Nun genug mit dem realen Horror, zur Entspannung und Erbauung hin zum fiktionalen Horror. Den hervorragenden Film „Night Of The Living Dead“, in dem es nach Aussage George A. Romeros tatsächlich um Revolution ging, kennt sicher nahezu jeder oder lädt ihn sich mal eben runter. Bei youtube findet sich nun ein Track, der, unterlegt mit Bildschnipseln, aus nichts anderem besteht als aus Originaltönen des Films und die vom Klassiker des Zombiefilms erzeugte Atmosphäre erstaunlich gut transportiert. Eventuell könnte das Cut-Up oder ähnlichem postmodernen Bösen gleichen, Vorsicht ist also geboten!

Neues von einer christlichen Zombietante

Was wird man, wenn man ein rechtsradikales Monster wie Wolf Biermann zum Stiefvater hat? Man wird ein geistesgestörtes Monster wie Catharina „Nina“ Hagen.

Bekanntlich ist „Nina“ Hagen mittlerweile getaufte, leider noch nicht ertränkte Christin, die zwar weiterhin an Ufos glaubt, sie aber fürchtet, da irgendwelche ähnlich Bekloppte wie Hagen von irgendwelchen womöglich im Drogenrausch halluzinierten Ufo-Besatzungen sich „gegen ihren Willen gefoltert“ wähnen. (Gegen ihren Willen? Dann war das ja gar kein einvernehmlicher, interstellarer SM-Sex!) Doch es gibt Schlimmeres, und es hat einen Namen: Lady Gaga. Während die einen sie zurecht für eine überdurchschnittlich talentierte Pop-Sängerin (demnächst: POP!-IKONE!!!) halten und die anderen im antikonsumistischen Verblendungszustand alles ablehnen, was professionell inszeniert und produziert ist, oder durchschnittlich umnachtet nicht begreifen, aber kaufen, weiß unsere Vernunftlose Überraschendes zu berichten:

Sie ist eine satanistische Schlampe, mit ihren faschistischen und dämonisch-angehauchten Geheimzeichen. Ihre Pop-Prostitution hat mehr mit Bikini-Werbung als mit Wärme zu tun. Ich habe immer die Liebe verspritzen lassen, aber bei ihr verspritzt bloß der Luxus.

So keifen alte Weiber, die auch gerne mal wild mit Katzen um sich werfen, kurz bevor sie in die Geschlossene einfahren, denkt man sich spontan. Hagen wird natürlich nicht verhaftet, sondern immerhin soweit hofiert, um als eigenartiger Klecks Farbe (schleimgrün) mit ihrem reaktionären Wahnsinn die Presse zu beschäftigen – die „deutsche Punk-Sängerin“(Wikipedia) ist eine Künstlerin, von der erwartet wird, ordentlich kreativ und übergeschnappt zu sein und tatsächlich genau das zu machen, was normalen Gesellschaftsmitgliedern im Sinne der geregelten Lohnarbeit untersagt ist (vgl. Jonathan Meese, Christoph Schlingensief, Helge Schneider). Widerspruch hat sie nicht zu erwarten, wozu auch, das weiß noch jeder, der es wissen will, daß „die Diva“ (Gala) kein vernünftiges Wort wert ist. Und überhaupt will ihr neues Buch schließlich auch verkauft werden.
Wieso also diese Zeilen? Weil es wehmütig stimmt, wenn man daran denkt, was aus einer Catharina Hagen ohne den bis heute, immernoch schwer gesellschaftskritisch, vor sich hin grunzenden Nazi Biermann hätte werden können.

post scriptum: Sowas sagt die allen Ernstes:

Ich bin auf der Welt, um die Wahrheit zu checken und den Frieden auf Erden zu verwirklichen. Deshalb missioniere ich wie verrückt.

Man müsste Wahrheit und Frieden vor dieser „wie“ Verrückten direkt in Schutz nehmen, damit niemand auf den Gedanken käme, die Trulla, die übrigens wie eine blöde 5Jährige im Körper einer geschmacklosen 80Jährigen aussieht, die besessen ist von einem zeitlosen Unterteufel, der nicht mehr ganz rund läuft, hätte am Ende noch recht und Wahrheit und Frieden wären etwas, vor dem man sich hüten müsse, wenn man nicht um den armseligen Bewußtseinszustand der ca. 6 Milliarden Zombifizierten um einen herum wüsste. Ist nämlich eh schon egal.

zombietante