Hände oben – Kopf (leider nicht) leer

„Wie kommt die Scheiße in die Köpfe?“

(Schernikau)

Das Elend hat viele Gesichter und dreimal soviele Blogs.

Weil Erfurter Nazis sich zusammenrotten wollen um deutsche Arbeit zu feiern, statt sie zu verrichten, überlegen sich Erfurter Antinazis, den traurigen Marsch „mit allen dafür notwendigen Mitteln zu verhindern“. Von mir aus kann sich jeder seine Freizeitaktivitäten aussuchen, wie er lustig ist, wir haben schließlich Kapitalismus. In Erfurt scheint die Auswahl allerdings nicht allzu üppig auszufallen, was unsere unterbeschäftigten Antifas folgenden Satz in die Tastatur hacken lässt: „Gleichzeitig sind wir uns darüber im Klaren, dass das Verhindern von Naziaufmärschen nur ein kleiner Teil dessen ist, was einem erstarkenden Rechtsextremismus, Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus entgegen gesetzt werden muss“. Wenn mit „ein kleiner Teil“ nichts anderes gemeint sein sollte als „von Nichts ununterscheidbar“, dann stimmt das sogar beinahe. Aber was fehlt in den Köpfen unserer selbstkritischen Gegendemonstranten eigentlich noch zum völligen Antifaglück? Man mag’s kaum zitieren, so bekloppt ist das, aber da muß man durch: „Mindestens genauso wichtig ist eine alternative und antifaschistische Alltags- und Jugendkultur.“ Das ist kaum fassbar, aber die meinen’s wirklich ernst mit ihrem „Raven gegen Deutschland“. Wie wird man so, und vor allem, wie hält man das dann aus, wenn man so ist?

Man verstehe mich recht: Wer in abbruchreifen Häusern leben will, der soll das gerne tun. Er bekommt von mir jederzeit ein aufmunterndes „Nur zu!“ zugerufen, keine Frage. Wer sich Zusammenrottungen von Führerfreunden ansehen will, kann sich meiner wohlwollenden Gleichgültigkeit sicher sein. Andere Leute gehen ja auch in den Zoo, warum soll man also keine Nazis angucken? Und wer selbstgekochtes Voküessen vertilgen will, dem sei das freigestellt. Kein Problem. Aber wer seinen politischen bzw. „politischen“ Größenwahn derart unbedarft und anerkennungsheischend in die eh schon miserabel eingerichtete Welt trägt, der soll wissen, dass er damit nicht ungestraft dem Weltgeist unterkommen sollte, falls dieser in seiner nächsten Verkörperung mit dem Panzer wider Erwarten ausgerechnet durch Erfurt fährt.

panzer


3 Antworten auf „Hände oben – Kopf (leider nicht) leer“


  1. 1 xXaftershowXx 21. April 2010 um 9:23 Uhr

    *hach* sowas am frühen Morgen zu lesen! Da geht mir glatt das Herz auf. :)

  2. 2 LW 24. April 2010 um 15:09 Uhr

    „Das ist kaum fassbar, aber die meinen’s wirklich ernst mit ihrem „Raven gegen Deutschland“. Wie wird man so, und vor allem, wie hält man das dann aus, wenn man so ist?“

    Die Kategorie des Seins ist ja hier unangebracht. Da WIRD nichts, da IST nichts, die Partizipation am pubertären „Anti“– Kult ist Konsumenten- (also: Analphabeten-, Studenten-, Zombie-) Pflicht, vollkommen kapitalismuskonformes Entäußerungsbedürfnis derer, die nichts zu entäußern haben, weil sie nichts drin haben, was raus könnte und nichts drauf haben, was erheben würde. Die entsprechenden Konsumenten-Berichterstattungs-Blogs (rhizom/neoprene/wendy/mädchenblog etc. sind da bloß die etwas älteren, investigativeren Semester desselben Scheißdreckverbreitungssystems) passen dazu wie Arsch auf Eimer, bzw. Trotzkist auf Schafott.

  3. 3 Stanislaw Hirschfeld 24. April 2010 um 20:42 Uhr

    Wir sind hier ja unter uns, nämlich in der Blogosphäre, daher erlaube ich mir, bereits zu anworten, bevor ich eine abschließende Antwort zu geben vermag.

    Ich bin ganz der Ansicht, dass es sich bei denen, über die wir reden, um nichts handelt. Daher stimme ich einerseits zu, da wird nichts werden, denn da ist nichts als nichts. Andererseits tritt das Nichts nie ohne Sein auf, auch bei den besagten Zombies handelt es sich um Daseiendes. Was aber macht das Sein in diesem Fall aus? Zum Sein gehört nicht allein das, was ist, sondern auch die Negation dessen, was ist. Die Antis sind demzufolge gerade das, was nicht ist, sie sind die geistlose Verkörperung geistloser Zustände, wenn man so will. Sie sind, und das berechtigt erst dazu, sie mit Fug und Recht Zombies zu nennen, gerade dadurch etwas, dass sie nichts sind.

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