Archiv für August 2010

Ad Sarrazin et. al.

„Ein Nazi ist Kanzler, der sagt, die Nazis sind keine Nationalsozialisten, weil er hofft, daß die Nazis nicht sagen, daß er ein Nazi ist. Die Sozialisten sagen nichts, weil sie hoffen, daß der Kanzler nicht sagt, wer von den Sozis Nazi ist. Die FDP sagt nichts, weil sie hofft, daß die Nazis der CDU oder der SPD sich eher noch mit ihr vereinigen als mit den Nazis einer Partei, der zur NSDAP nur SA fehlt.“ (Hubert Fichte)

Thilo Sarrazin ist kein Nazi. Das wissen alle. Er ist genausowenig ein Nazi wie Helmut Schmidt.

„Wenn er sich ein bisschen tischfeiner ausgedrückt hätte, hätte ich ihm in weiten Teilen seines Interviews zustimmen können.“

Helmut Schmidt ist kein Nazi. Das wissen alle. Er ist genausowenig ein Nazi wie Peter Sloterdijk.

„Man möchte meinen, die deutsche Meinungs-Besitzer-Szene habe sich in einen Käfig voller Feiglinge verwandelt, die gegen jede Abweichung von den Käfigstandards keifen und hetzen.“

Es gibt keine Nazis.

kippberg

Martin Kippenberger, “Ich kann beim besten Willen kein Hakenkreuz erkennen”, 1984

Nebenbei IV

„Ich würde Herrn Sarrazin den Eintritt in die NPD empfehlen, das macht die Gefechtslage wenigstens klarer und befreit die SPD.“ (Stephan Kramer)

Als wäre die Lage unklar, als wäre die SPD noch zu retten.

Zombie IX: Onken & Haderthauer

„Immer wieder kommt es vor, dass Kinder und Jugendliche von Langzeitarbeitslosen „Hartz IV“ als Berufswunsch angeben. Damit soll künftig Schluss sein, fordert Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer. […] Kinder sollten erleben, dass ihre Eltern einen geregelten Tagesablauf haben, dass sie gebraucht würden und ihr Leben in die Hand nehmen, anstatt es passiv zu erdulden, sagte Haderthauer SPIEGEL ONLINE. „Wir dürfen nicht zulassen, dass Hartz IV ein Lebensstil wird und in die nächste Generation vererbt wird.“" (Anne Onken)

Zombie VIII: Wiktor Jerofejew

„Wenn Stalin ein Jahr länger gelebt hätte, hätte er auch meinen Vater [Wladimir Jerofejew] ins Lager geschickt. Er hasste und misstraute den Menschen, vor allem denen in seinem engsten Umfeld. Sein Tod bewahrte mich vor dem Waisenhaus.“

„Die Hälfte der Russen denkt, Stalin sei ein guter Führer und der Gründer des starken Staates gewesen. Der Titel meines Buches [“Der gute Stalin“; S. Hirschfeld] entlarvt das. Es ist ein Bestseller und die Menschen stehen dafür Schlange. Die meisten glauben tatsächlich, dass sie ein Buch über den guten Stalin in die Hand bekommen.“

„Er war sehr bestürzt darüber und hat eineinhalb Jahre lang kein Wort mit mir gesprochen. Doch das war mir vorher klar. Ich begehe mit diesem Buch einen doppelten Vatermord – an meinem eigenen und an dem Vater der Nation, an Stalin.“

Die Rote

„Pop gehört aufs Majorlabel, Erfolg ist mir definitiv wichtig.“ (Eleanor Jackson)

Zum Irrsinn des Jetzt gehört die Idealisierung des Scheiterns oder gar völlige Anspruchslosigkeit wie Unfalltote zum Straßenverkehr, daher ist es umso angenehmer, wenn eine Künstlerin wie Elly Jackson, die mit Ben Langmaid La Roux bildet, sich dem Terror der untalentierten Unterdurchschnittspenner nicht anpaßt, sondern sagt, worum es zu gehen hat: Große Hallen füllen, abertausende Platten verkaufen und dem menschenunwürdigen Pseudoleben im Siff, das der ganz zu recht ewig unbekannte Antialleswasgutistpöbel als höchstes Gut anpreist, entgehen, sobald es denn möglich ist. Was Ms. Jackson als relevantes Kriterium für Pop angibt, ist etwas, das auch und gerade für alles Politische angestrebt werden muß, damit es real politisch und damit ökonomisch etc. wirksam wird. Erfolg will der vernünftige Kommunist haben, weil er sich und seine Interessen ernst nimmt, zu seinen Mitteln gehört Realpolitik, die das Gegenteil von Kritik darstellt. Nicht von ungefähr wird von Seiten des Debattier(anti)kommunismus gerne rumgeflennt, das sogenannte „Erfolgsargument“ gehöre sich nicht, denn wer etwas tut, macht sich schmutzig statt reine Kritik zu pflegen. Vor solchen Leuten müssen Revolutionäre sich hüten, denn die sind imstande, eine Revolution lieber zu verhindern und Marxisten-Leninisten-Stalinisten in den Rücken zu schießen, falls diese unaufmerksam sind, als sich der Gefahr auszusetzen, ausnahmsweise mal was erreicht zu sehen, das ihren hirngefickten Idealen natürlich nicht entspricht, da jeder im Aufbau begriffene Sozialismus notwendig nichtidentisch mit Kommunismus sein muß und wird. Diesen Deppen sei der sexuell offensichtlich schwer verwirrte Rocko Schamoni nahegelegt, der dieselbe bekloppte Haltung an den Tag legt wie sie:

„Ich fand Erfolg immer unsexy.“

laroux

Antikommunistischer Labersack

„SPIEGEL: Im Grunde schwebt Ihnen für Ihren Idealstaat die Verbindung von Kant und Marx vor: Kategorischer Imperativ plus Sozialismus?

Negt: Ich habe bei meiner Emeritierung im Juli 2002 meine Abschiedsvorlesung über Kant und Marx gehalten.

SPIEGEL: Bundeskanzler Gerhard Schröder saß unter den Zuhörern.“

„SPIEGEL: Die linke Perspektive ist nicht die marxsche Revolution, sondern mit Max Weber das Bohren von harten Brettern?

Negt: Die Zeit der Barrikaden ist vorbei, Revolution ist ein Prozess, der nicht abschließbar ist. Was bloße Reform ist und was revolutionäre Veränderung, ist so einfach nicht zu unterscheiden. Ich verbinde den Revolutionsbegriff mit Strukturreformen des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Ohne kleine Schritte, ohne Veränderung im Alltag, ob in der Schule oder in der Familie, gibt es gar keine nachhaltige Entwicklung. Jeder ist aufgefordert, Risse und Widersprüche wahrzunehmen und sie auf ihre Veränderungsmöglichkeiten hin zu untersuchen, um sich dann für Alternativen stark zu machen. Das verstehe ich als Beitrag zur Verbesserung der Welt.“

Nuff said. Next stop: Siberia.

Let’s become friends!

Ab jetzt funktioniert das Kontaktformular…

Nebenbei III

„Es mag sein, bzw. ist es mit Sicherheit so, dass 99 % der Anwesenden die Urteile über die Geschlechter kennen und praktizieren. Bloß: Das ist diesem Verhalten nicht zu entnehmen.“ (Blogger Granit)

Wenn Nazischläger auf Ausländerjagd gehen, ist das klarerweise erst dann rassistisch, wenn dabei Flugblätter verteilt werden, die das lang und breit für totalverblödete Argumentnutten ausführen. Ansonsten ist das dem Verhalten natürlich nicht zu entnehmen. Wenn diese irren Feinde jeder Vernunft dann auch noch über Sex und Begriffe reden, kommt’s mir hoch.

Es gibt da eine grundsätzliche Widerlichkeit: Anstatt darüber nachzudenken, wie das Elend zurückgeschlagen und wie Lebensfreude zum gesellschaftlichen Prinzip erhoben werden könnte, denken sich die argumentierenden Kritiker immer neue Ekelhaftigkeiten aus, die sie scheinbar (und nur scheinbar!) von den ausbeutenden und zerstörenden Ungeheuern unterscheiden. Dabei verdoppeln und verewigen sie das vorhandene Elend, das sie ja nur kritisieren, aber in Wahrheit nicht abschaffen möchten, da das ihre Existenzgrundlage vernichten würde, und wollen sich dabei auch noch als Kommunisten verstanden wissen – so nennen würden sie sich nie, weil Ehrentitel und so… In einer vernünftiger eingerichteten Welt würde man ihnen kollektiv auf ihre dämliche Fresse hauen, vermute ich. Heutzutage muß man nicht nur besitzende Klasse und faschistoid bis faschistisches Kleinbürgertum (zu diesem gehören diejenigen, denen nichts einfällt außer aufdringlichem „Aufklären“, das völlige Verdunkelung bewirkt) aushalten, es will ja noch genossen und gelitten, geliebt und gehasst, gedacht und empfunden werden, was Lebendige unterscheidet von Zombies, die nur Gedanken und Gefühle simulieren, weil sie weder diese noch jene hervorbringen können. Das ist anstrengend, aber alle Mühe wert.

Zombie VII

„Auf Ermittlungen gegen die belgische Bischofskonferenz reagiert der Vatikan empört. Im Kampf um den Umgang mit Missbrauchsfällen haben sich die Konservativen durchgesetzt. […] Und Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, nach dem Papst der zweitmächtigste Mann im Vatikan, empörte sich darüber, wie es denn möglich sei, dass ehrenwerte Bischöfe neun Stunden lang ohne Essen und Trinken festgehalten wurden, „als wären sie Kinder“. Nicht mal unter Kommunisten seien Kirchenleute so verfolgt worden.“ (Ehlers & Schlamp)

Zombie VI

„Als Orthopäde in Lichtenberg kann ich unter dieser URL hier natürlich schön über den täglichen Wahnsinn des Orthopäden berichten…“ (Ein Lichtenberger Orthopäde)