Rätsel

„Die Deutschen sind nicht nur dem Rest der Welt ein Rätsel, sondern auch sich selbst.“ (Greg Nees)

Ein Rätsel kann man lösen oder an ihm verzweifeln. Vergessen läßt sich dieses nicht, dafür sind die Deutschen zu penetrant. Verzweifeln ist keine schöne Alternative, es bleibt nur die Suche nach der Lösung. Bevor man sich auf jene macht, sollte man wissen, was man zu enträtseln gedenkt. Als Rätsel gelten die Deutschen meist, weil sie ohne jede Not das Schlimmste, den Nationalsozialismus wählten. Als man ihnen den wegnahm und stattdessen hier bürgerliche Demokratie, dort Sozialismus schenkte, wollten sie das Präsent am liebsten ablehnen, was aus Anstandsgründen nicht gestattet wurde. Als das Verbot teilweise nicht mehr aufrechterhalten wurde, gaben sie den Sozialismus eilig wieder zurück. Mit der Demokratie imperialistischer Machart arrangieren sie sich einstweilen, Pogrome verhindert sie ja nicht immer und der ein oder andere Angriffskrieg ist auch drin. Die Rätselfrage lautet also: Wieso wählen die Deutschen bei freier Wahl immer das Verkehrte? Um der Antwort näher zu kommen, muß man sich, wie Schernikau, dafür interessieren, wie die Scheiße in die Köpfe kommt. Mit Leichtigkeit, könnte man mit einiger Berechtigung einwerfen, doch wir wollen nicht flapsig sein, denn der Gegenstand erfordert Ernst. Zuerst muß geklärt werden, wer diese Deutschen sind, nämlich ein Volk. Das sind sie, weil sie sich als solches begreifen und dementsprechend auftreten. Sie sind es nicht etwa, weil der bürgerliche Staat dazu zwingt, das kann er gar nicht. Sie sind es aus freien Stücken. Als es vorübergehend zwei deutsche Staaten gab, reagierten sie verwirrt. Sind wir jetzt zwei deutsche Völker oder zwei halbe oder doch ein ganzes?, fragten sie sich. Als der eine, irritierende Staat, der das mit dem Volk so undeutsch sah, wegfiel, beschlossen sie zufrieden: Wir sind nicht nur eins, sondern das, und zündeten zur Feier der neuen Einheit ihnen unpassend erscheinende Gebäude sowie deren Bewohner an. Würstchenstände gab es auch, habe ich gehört, Pogrom und Volksfest ähneln sich ohnehin weitgehend. Jetzt sind sie also ein Volk, das unterscheidet sie von den anderen Völkern nicht. Es hat seine eigene Geschichte, die anderen aber jeweils auch. Stolz ist es mittlerweile genauso wie die übrigen, die dauerhaft empfundene Kränkung ließ sich durch Fußball aufheben. Wo ist nun das Besondere, welche spezielle Qualität hat das Deutschtum? Das Spezifische scheint wirklich darin zu bestehen, stets die falsche Entscheidung zu treffen. Können sie aussuchen zwischen Sozialismus oder einheitlicher Barbarei, zwischen Frieden ohne Autobahn und Vernichtungskrieg inklusive freier Fahrt für freie Bürger, zwischen Kurt Weill und „Wind Of Change“, zwischen dem Schönen, Wahren und Guten und dem Häßlichen, Falschen und Schlechten, weiß man schon vorher, was sie wählen werden. Dürfen sie mal wieder die regierenden Parteien bestimmen, dann nehmen sie immer diejenigen, die die Sache noch ein Stückchen schlechter anstellen. Das Seltsame ist nun: Der Erfolg gibt ihnen recht. Das bemerken sie selbstverständlich nicht, denn es liegt, wie gesagt, in ihrer Natur, immer das Falsche, also auch immer die falsche Sicht der Dinge zu nehmen. Wo sie antreiben, fühlen sie sich genötigt, wo sie herrschen, unterdrückt und wo sie rauben, da wähnen sie sich beklaut. Helmut Kohl las Tucholsky lieber als Martin Walser. Tucholsky sagte: „Die Grausamkeit der meisten Menschen ist Phantasielosigkeit und ihre Brutalität Ignoranz.“ Darauf sagte Helmut Kohl: „Entscheidend ist, was hinten rauskommt.“ Deutschlands Paris Hilton heißt Nina Kristin, die deutsche Britney Spears Jeanette Biedermann. Wird in der Schule Goethe gelesen, was noch sein muß, dann „Die Leiden des jungen Werther“. So sind die Deutschen also. Aber wieso sind sie so?

Wichtig ist zu wissen, wie sich Scheiße zu Köpfen verhält, und wen Ohnmacht dumm macht. Die Dummen haben viel Scheiße in ihren Köpfen und sind nicht ohnmächtig. Sie tun höchstens so. Diejenigen, die ihre Köpfe möglichst sauber und rein gehalten haben, haben keine Macht. Daher tendieren sie zur Verblödung. Je machtloser der Deutsche sich fühlt, desto bekloppter will er sein. Sobald er genug Scheiße sich in den Kopf geschaufelt hat, steigt die Wahrscheinlichkeit, einer der Mächtigen zu werden. Wird er trotz aller Bemühungen keiner, so steht er wenigstens auf der Seite der Macht, das ist fast genauso gut und sehr gesellig bzw. gemeinschaftlich bzw. volksverbunden bzw. völkisch, deutsch halt. Die Scheiße kommt also in die Köpfe, damit das unangenehme Gefühl, das Machtlosigkeit verursacht, aus dem Bauch verschwindet. Es ist ein freiwilliger Tausch, der seine Bedingung in den ökonomischen Verhältnissen hat. Diese verändern sich ohne Sozialismus nicht wesentlich, die jetzige Macht hält also etwas Überlebtes in der Welt und durch die Konservierung ändert sich nichts, schlimmer wird’s mit Fortdauer trotzdem. Wenn man keine Scheiße in seinen Kopf lassen möchte, sondern Diamanten bevorzugt, wird man fröhlich abwarten, bis sich ein günstiger Moment bietet, der den Kommunisten die Übernahme der Macht gestattet. Erst dann wird es wieder so sein, daß man klug sein muß, um Politik betreiben zu können und erst dann stehen den Klugen die nötigen Mittel zu Verfügung, den Deutschen ihr Deutschtum kleinzuhalten und am besten absterben zu lassen. Das erste, wichtigste Mittel, das für den Zwang zum Richtigen, für den „völligen Bruch mit der barbarischen Politik der bürgerlichen Zivilisation“ (Lenin) und ihren Begleiterscheinungen unbedingt notwendig ist, ist die sozialistische Staatsmacht.

mauer


1 Antwort auf „Rätsel“


  1. 1 Hier gibts was in die Ohren (42): Icke und Er – Wie Watt Berlin? | Das rote Blog Pingback am 04. August 2010 um 15:47 Uhr
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