Sowas kommt von sowas

Die gewählten Formulierungen können so einfach und frei von allen mots d‘emprunt oder Termini sein, wie es überhaupt nur möglich ist, Verständnis darf nicht erwartet werden. Hat man zehn Leser beisammen, die nicht nur lesen, sondern auch begreifen können, so ist bereits überraschend viel erreicht. Für diese zehn darf man sich dann auch Mühe geben. Für den Rest, die deutschen Massen, die immer mitreden wollen, erst recht, wenn sie nicht wissen, worum es geht, ist der Autor nicht verantwortlich, ihr sowohl geistiges als auch materielles Elend ist von ihnen selbst gewollt. Gibt man denen von ihnen, die Die Linke wählen, eine Ausgabe von Mein Kampf zu lesen und sagt ihnen, das sei das neue Programm ihrer Partei, so werden sie allerhöchstens Einzelheiten debattieren wollen. Wissen sie aber, wer das Buch geschrieben hat, so werden sie furchtbar empört sein, weil sie von Nationalsozialismus offiziell so wenig wie von „Fremdarbeitern“ (Lafontaine) halten. Jubelt man den Wählern der NPD wiederum das Programm der Linkspartei als verlorene Schrift Adolf Hitlers unter, so werden sie hoch erfreut reagieren. Gemeinsam halten sie Lenin und Stalin für Verbrecher.
Wenn nun die Regierung dieser Leute ankündigt, die Hartz IV-Sätze nur um popelige fünf Euro zu erhöhen, nachdem davor ausschließlich höhere Beträge im Gespräch waren, demonstrieren sie mit um Mitleid heischenden Parolen wie etwa „Wir kämpfen um unsre Zukunft“, die auf Papierrollen stehen, die – wie putzig! – von Grundschülern getragen werden, und fragen sich, was falsch gelaufen ist. Nichts ist falsch gelaufen, so gar nichts. Wer unbedingt Ausbeutung will, soll seine Fresse halten, wenn er sie auch kriegt. Wer sich ohnehin nicht von der Diktatur des Kapitals befreien will, der soll nicht dumm jammern, wenn er sie auch zu spüren kriegt. Sollen sie doch obdachlos werden und im Park erfrieren, sollen sie sich doch bis dahin mit drei Jobs und schweren Gesundheitsschäden plagen, sollen sie doch am Ende im nächsten Weltkrieg an der Front im Kugelhagel fallen. Das ist dann genau das, was sie sich ausgesucht haben. Es wurde ihnen oft genug gesagt: Sozialismus oder Barbarei. Sie entschieden sich für die Barbarei, sie bekamen die Barbarei. Jetzt gibt es keine Ausreden der Art mehr, man habe von nichts gewußt, man habe das ja nicht absehen können. Diese Ausflüchte waren immer schon gelogen. Ratten verlassen sinkende Schiffe, Deutsche bleiben treu auch im Untergang. Wenn sie wenigstens das Maul halten könnten während sie absaufen, wäre denen, die nicht auf der Seite des barbarischen Kapitalismus stehen, immerhin ein wenig geholfen.

bismarck


5 Antworten auf „Sowas kommt von sowas“


  1. 1 LW 27. September 2010 um 23:16 Uhr

    „Ratten verlassen sinkende Schiffe, Deutsche bleiben treu auch im Untergang.“

    A propos Deutsche:

    Letztens ein Diskussionslinker auf einer dieser schlimmen commünistischen Elends-“Aufklärungs“-Veranstaltungen:

    „DA MUSS MAN DER KRITIK SCHON TREU BLEIBEN!“

    Ihre Ehre heisst Treue, in der Tat. Treue zur Kritik, und wenn diese auch schon lange untergegangen ist und im tiefozeanischen Schlamm, irgendwo zwischen grünliberalem Protestgewichse, bürgerlich-akademischer Konsens-Theorie und ins Allgemeine gewendeter adornitischer Negativitäts-Barbarei rumpestet.

  2. 2 bitte 28. September 2010 um 19:23 Uhr

    Hallo und guten Tag, für die Zerschlagung der barbarischen Verhältnisse, braucht es aber leider aufgeklärte Massen. Zumindest sollte diese verständnisvoll akzeptieren, wenn eine „Partei neuen Types“ die Massen bewegen will zum Sozialismus. Da ist ja leider nur DIE LINKE, der aufgeklärte Rest, im Alter von fast 70 Jahren mit dem Grad an Bildung und Verständnis. Wenn man das Alter von den Mitglieder der LINKEN von unter Dreizig betrachtet, da kann es sicher zu solcher Einschätzung kommen, wie oben angeführt. Den Massen es damit trotzdem nicht geholfen. Und wenn diese ignorante Masse trotz allem krepiert, erfriert, verhungert ändert sich erstmal trotzdem nichts, sie wurden eher Parier werden und gegen den sich entwickelnden aufgeklärten Rest vorgehen und diesen Tod schlagen, als erkennen wer sein Freund ist. Also Schuldzuweisungen sind berechtigt, nur die Aufklärung ist höherwertig anzusehen, auch wenn es Verluste geben wird, nicht nur der Parier wegen. Der Klassenfeind nutzt ebenso gut bezahlte und zufriedene MitbürgerInnen für seine elenden Taten zur Barbarei.

  3. 3 Eric 29. September 2010 um 13:50 Uhr

    Würde die Revolution aufgeklärte Massen benötigen – wir lebten noch immer in der Steinzeit…
    Onkel Lenin hat es jedenfalls ohne geschafft.
    Die Massen sind gut im Wählen von Nazies und Umstürzen von Mauern, doch progressiv waren sie nie.

  4. 4 Stanislaw Hirschfeld 02. Oktober 2010 um 20:27 Uhr

    In meiner Welt gelang es 1917, die Bewegung der Massen so zu lenken, daß der Sieg der Bolschewiki herauskam. In Deiner soll Lenin also wirklich „Hoppla, da bin ich!“ gesagt haben und das war alles, was nötig war? Interessant. Grüße nach drüben, Ihr habt es beneidenswert leicht!

  5. 5 Genosse Geldsack 04. Oktober 2010 um 14:25 Uhr

    Erics Devise frei nach Mao: Der Revolutionär muss blubbern wie der Fisch im Wasser.

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