Archiv für Oktober 2010

Schrecklicher Verdacht: Sind die Deutschen etwa ekelerregendes Schweinepack?

Sehr geehrte UZ,

kaum hat man’s dank einer Umfrage mal wieder schriftlich, was in den Köpfen der Deutschen so vorgeht, denkst Du Dir sowas:

„Von einer Links-Entwicklung im Land sind wir weit entfernt.“

Huch, welch‘ Überraschung! Fällt Dir in der Wüste auch spontan ein, daß „wir“ „uns“ gerade nicht direkt in der Nähe fruchtbaren Ackerlandes befinden? Und was treibt Dich eigentlich dazu, der Studie eine weite Verbreitung zu wünschen? Willst Du etwa den Millionen Nazis die Sorge um etwaige Isolation nehmen? Keine Angst, die wissen nur zu gut um ihre Hegemonie, das haben Kanaillen wie Seehofer, Sarrazin oder Westerwelle denen doch schon ohne Ende verdeutlicht, indem sie bekanntgaben, wen man in seiner Freizeit mit einem Pogrom überraschen darf: Antideutsche Kanacken und asoziale Arbeitsverweigerer immer gerne, Juden erstmal besser nicht, denn die gehören aus Gründen der Imagepflege zum Abendland, jedenfalls solange, bis die Sache mit den ehemaligen Alliierten und diesem einen Staat im Nahen Osten zur Zufriedenheit der Volksgemeinschaft geklärt ist.

Sei mal realistisch,
Dein Genosse Hirschfeld

PS: Hast Du Dich wirklich erschreckt, als Du die Zahlen gelesen hast? Wovor denn? Das hier ansässige Volk könntest Du besser kennen.

Wenn Du glaubst, das geht nicht mehr, kommt sofort ein noch Dümmerer daher

Während die deutschen Liberalen, deren traditionelle Nähe zum Nationalsozialismus ausreichend bekannt sein sollte, jedem Bürger per PID die Freiheit lassen wollen, selbst zu entscheiden, welches Leben unwert ist, finden die deutschen Konservativen, damit Moslems garantiert nicht dazugehören können, einen Staat ohne christlichen Anstrich tatsächlich zu „wolkig“. Der vom Weltgeist Erfüllte lacht und wartet auf die nächsten Blamagen des in jeder Hinsicht bescheuerten Politikerpacks. Schön wäre etwa:

EUGENIK IST BEHINDERT

manfred weber

LEBANON

Justus Wertmüller wartet gespannt auf das Spiel zum Film.

Zombie XV

„Wenn ich die Demokratie beurteilen will, dann befasse ich mich mit der Demokratie, in der ich lebe. Womit sonst?“ (Apple)

Das Allgemeine erkennt der ignorante Vollpfosten am Besonderen – an genau einem Besonderen. Der Apfel ist faulig? Alle Äpfel sind faulig.

Zombie XIV: Politische Theorie

„Ich hab‘ mal nen Seminar zu Demokratietheorien gemacht. Bei Rousseau geht es z.B. um die ‚radikale Volkssouveränität‘ bei der Entscheidungen die Alle betreffen auch von Allen gefällt werden. Ich glaube praktisch wäre das in einem Rätemodell möglich…“ (KayOhKayn)

Zur Verfilmung von McCarthys Straße

„Therefore behold, the days come, saith the LORD, that this place shall no more be called Tophet, nor The valley of the son of Hinnom, but The valley of slaughter.“ (Jeremiah 19:6)

Ein Mann und sein nach dem atomaren Holocaust (oder einem Meteoriteneinschlag? – egal!) geborener Sohn gehen gen Süden zur Küste, um überhaupt ein Ziel zu haben, der Vater trägt einen Colt mit zwei Patronen mit sich, um im Notfall ihr Leben beenden zu können, statt etwa qualvoll verhungern zu müssen. Die Mutter ist aller Wahrscheinlichkeit nach bereits seit mehreren Jahren tot, genauso wie die gesamte Pflanzen- und Tierwelt. Lebensmittel sind also rar, besonders deswegen, weil die beiden zu den „Guten“ gehören und das „Feuer bewahren“ wollen, im Gegensatz zu den allermeisten übrigen Überlebenden, die längst zum Kannibalismus übergegangen sind und/oder bewaffnete Räuberbanden gebildet haben. Extremer Mangel und absolut berechtigtes Mißtrauen bestimmen das Handeln der letzten Menschen, beim Vater kommt noch eine gehörige Portion religiöser Irrsinn mit dazugehörigem Moraldreck hinzu, den er an seinen Sohn, den er für das „Wort Gottes“ halten will, weitergibt. Dazwischen wird ab und an eine Rückblende eingestreut, die Kleinfamilie wird komplett gezeigt. Die Mutter wollte sich am liebsten mit dem Kind umbringen, um ihm das Elend postzivilisatorischer Zeiten zu ersparen, sie wollte „nicht nur überleben“. Anders der Vater, der sich im Laufe des Films immer weiter von seiner rudimentären Moral entfernt und nicht nur in bedrohlichen Situationen tötet, sondern einen Wehrlosen dem sicheren Kälte- und Hungertod überlässt, indem er ihn noch seines letzten Besitzes beraubt. Bevor die Entfremdung zwischen dem Sohn, der sich gebärdet wie das Gute in Person, und ihm unüberbrückbar wird, stirbt er gerade noch rechtzeitig. Das Kind trifft augenblicklich auf eine neue, gute Familie (Vater, Mutter, Sohn, Tochter, Hund, was sonst?), man hat vorher noch das erste wildlebende Tier, einen Käfer, also neues Leben gesehen, die Zukunft schaut gar nicht mehr so schrecklich aus. Der Film ist vorbei.

Was The Road zu einem schwer erträglichen Film macht, ist mitnichten die (wie aufgezeigt nur scheinbare) Hoffnungslosigkeit, sondern im Gegenteil der Mangel an Welt- sowie Religionsuntergang. Die Botschaft des Films wird raunend deutlich gemacht im Gespräch mit einem alten Mann, der nicht zufällig den Namen genau jenes Propheten verpaßt bekommen hat, der vor dem Erscheinen des Messias wieder auftreten soll. Sei brav, sei gut, dann wirst du Gott. So wie der Junge eben. Wären da nicht die postapokalyptischen Zuständen angemessenen trostlosen Landschaftsaufnahmen inklusive verfallender Reste der Errungenschaften vergangener menschlicher Kultur mit zwei kleinen verlorenen Männchen mittendrin, man könnte sich den Film ganz sparen und den behämmerten Christenscheiß gleich im Original lesen (also die Bibel, 1. Teil, dort nach der Geschichte mit Elija suchen, Fortsetzung dann im Neuen Testament).

Lobenswert wäre der Film gewesen, würde er konsequent eine zerstörte Welt zeigen, in der die Letzten ohne Sinn weitermachen, nur um eben weiterzumachen, weil sie ansonsten auch bloß noch sterben könnten. Wollte man unbedingt Moralisten zeigen, wäre es nur richtig, auch deren Scheitern schonungslos zu zeigen. Moral hilft eben nicht gegen Hunger, Verletzungen und Krankheiten. Alle wären gleich am Ende, im Grunde sogar nach dem Ende. The Road ist also nichts als katholizistischer Düsterkitsch, der in Krisenzeiten eine gegen Zivilisation, also kollektiv organisiertes Leben, gerichtete Botschaft verbreitet. Moralisch einwandfreies Überleben als Weg zur Erlösung wird gepredigt, somit also mal wieder nichts anderes als Antikommunismus. Emmerichs 2012 war zwar ähnlich bescheuert, aber da hat’s wenigstens leinwandtauglich gerummst und gekracht. Melancholische Träumer mögen sowas natürlich nicht, für die ist The Road denn auch gedreht worden.

road

Groening x Banksy

Al Jean is talking.

Nebenbei V

Liebe Bürger,

paar aufs Maul, das steht Euch ziemlich gut. Weiter so.
„Wir sind friedlich, was seid ihr?“, „Wir sind das Volk, wer seid ihr?“, „Sieg Heil“, blabla, soundso,

Euer Stanislaw H.

PS: Und das alles wegen Bäumen, ihr Blut-und-Boden-“Parkschützer“? Ihr seid noch blöder, als ich jemals gedacht hätte. Ehrlich.

PPS: Sieht doch deutlich besser aus als Eure Plakate:

sg21

#2

Zu Besuch in Bamberg

Zombie XIII: Gott schütze uns vor der Ausbeutung des Menschen durch den Arbeitslosen

„Im Übrigen gibt es auch Konservative mit einem Herz für Schwache. So sie denn unverschuldet in Not geraten sind. Es gibt allerdings Leute, die kein schlechtes Gewissen dabei haben, andere für den eigenen Lebensunterhalt aufkommen zu lassen.“ (Claudio, Spiritist)