Archiv für Dezember 2010

Endzeit

Wenn der Kapitalismus sich seinem Zusammenbruch nähert, kehren überwunden geglaubte Arten der Überlebenssicherung in neuer Form zurück. Die ärmsten Opfer der Herrschaft der Bourgeoisie durchstöbern Mülltonnen auf der Suche nach Nahrung, die produziert wurde, aber nicht mehr nützlich ist für die Vermehrung des Geldes und so durch seine Existenz hinderlich ist für das Geschäft. Die Arbeiterklasse wird zur Horde der Sammler. Postmoderne ist dann, wenn der Kapitalismus sich seinem Zusammenbruch nähert und das Durchwühlen von Mülltonnen auf der Suche nach Nahrung, die produziert wurde, aber nicht mehr nützlich ist für die Vermehrung des Geldes und so durch seine Existenz hinderlich ist für das Geschäft, zum Lifestyle und Containern genannt wird.

82°06′S 54°58′E

Lenin Southern Pole Of Inaccessibility

#4

Im Spiegelkabinett.

Nebenbei IX

„Kommunistische Kritik muss also zwangsläufig in Verhältnisse wie die DDR und die Sowjet-Union führen. Wieder was gelernt.“ (Wayne)

Das ist völlig falsch. Das, was als „kommunistische Kritik“ viel zu viele Gehirne verstopft, führt zu nichts, das sich qualitativ vom Ist-Zustand der Gesellschaft unterscheiden ließe. Der Marxismus, gesäubert von allem, das zum letzten Ziel, dem Kommunismus hinführt, also von allem Positivem, ist, seiner Dialektik beraubt, nicht mehr als eine pseudorebellische Geste, die nur noch ein machtloses „Nein“ artikuliert, und somit kein Marxismus mehr. Dieses „Nein“, das sich ebenso gegen jeden ernstzunehmenden Versuch, der Barbarei ein Ende zu setzen und Vernunft in die Gesellschaftsordnung zu bringen, richtet, wird in seiner Ablehnung des Sozialismus vollends und offen zur Bestätigung des Monopolkapitalismus. Die ungeschickteren Vertreter dieser rein negativen Kritikscheiße geben das zu – kommunistisch nur in ihrem Selbstbild, antikommunistisch in allem anderen.

„Ernsthaft, Honnecker, Stalin und Konsorten ist sogar das Bestehende noch vorzuziehen. Aber für solche Idioten konnte Marx ja nix.“ (Wayne)

Auch das ist völliger Unsinn. Honecker war kein Stalinist, Stalin jedoch Marxist, und wenn jemand für jemand anderen nichts konnte, dann Marx und Stalin für Honecker, sehr wohl aber für Ulbricht. Doch was interessiert einen aufrechten Kritiker schon die Realität?

Nebenbei VIII

Was macht ein Antideutscher, wenn er Mitglied der besitzenden Klasse geworden ist?

„Das was die meisten Menschen tun, die zu Reichtum kommen. Mir eine Insel in der Südsee kaufen und die Sonne genießen. Die Welt ist kein James-Bond-Film, bei dem Superreiche die Weltherrschaft an sich reissen wollen; so funktionieren kapitalistische Gesellschaften einfach nicht.“ ( Blogger Reflexion)

Achso.

james bond island

Dialektik der Aufklärung

„Sehen Sie sich den Widerstand gegen Hitler an – in dieser Gruppe gab es natürlich auch viele sogenannte Bürgerliche, aber eben doch überproportional viele Adlige. Und das hat nichts damit zu tun, dass Adlige per se anständig wären, sondern dass sie einfach wissen, wie sie geprägt wurden, welche Werte und Maßstäbe in ihren Familien seit Generationen gelten. Es gibt bestimmte Dinge, die niemand aus meiner Familie je tun oder unterstützen würde.“ (Florian Maria Georg Christian Graf Henckel von Donnersmarck, Antifaschist, denn Adel verpflichtet)

Die im Zeichen der Aufklärung vollbrachten Klassenkämpfe entzogen im Ergebnis dem Adel sein Privileg auf Herrschaft. Die bürgerliche Gesellschaft rutschte nach Donnersmarck mangels seit Generationen geltender Werte und Maßstäbe in den Faschismus ab, vor allem die Adligen waren nun dank des Bewußtseins ihrer Prägung bestimmt, Widerstand zu leisten. Für die Ehrenrettung des Adels ist sich Donnersmarck nicht zu schade bzw. tatsächlich blöd genug, Ursache (vgl. Dimitroff) und Bedingung des Faschismus (bürgerliche Gesellschaft) in eins zu setzen, um triumphierend den Adel als Austreiber der Geister hochleben zu lassen, die die „sogenannten Bürgerlichen“ gerufen hatten!

Wäre Donnersmarck nicht so kultiviert (Werte! Maßstäbe! Seit Generationen!), klänge er wohl so: „Scheiß Fortschritt, hast den Adel entmachtet und damit den Faschismus ermöglicht! Und wer musste Deinen Fehler wieder ausbügeln, na? Genau, die Adligen wieder! Wie bitte, was plärrt der sogenannte bürgerliche Pöbel jetzt von wegen Deutsche Adelsgesellschaft? Das war eine lupenreine Widerstandsorganisation, was denn sonst?“

Lassen wir den 1. Vorsitzenden der DAG zu Wort kommen, der die monarchistische Opposition zum völkisch orientierten Adel anführte und trotzdem solche Sachen sagte wie diese:

„Rasse und Adel sind ja verwandte Begriffe oder sollten es zumindest sein.“ (Friedrich Wilhelm Bernhard von Berg)

Zitieren wir nun einen Großherzog, der sicherlich lobende Worte über Donnersmarcks ersten Film, die antikommunistische Schmonzette Das Leben der Anderen, gefunden hätte:

„Hitler hat das unwiderlegliche Verdienst, breite Schichten der Bevölkerung die sonst dem marxistischen oder kommunistischen Lager verfallen wären, in ein nationales Denken getrieben zu haben.“ (Friedrich Franz Großherzog von Mecklenburg-Schwerin)

Und wie sieht es mit Donnersmarcks Familie aus? Unterstützte sie „bestimmte Dinge“ denn wirklich nicht?

„Die Feinde des Nationalsozialismus sind auch unsere Feinde!“ (Georg Enoch Freiherr von und zu Guttenberg, Urgroßvater des aktuellen Verteidigungsministers, der wiederum Cousin des Superregisseurs Donnersmarck ist)

Es lassen sich noch Unmengen weiterer Zitate finden, die Donnersmarcks Geschichtsfälschung widerlegen, es ließe sich viel sagen gegen Donnersmarcks Widerständler, doch wir wollen stattdessen abschließend feststellen, worum es sich beim Adel überhaupt handelt: Um eine ehemals herrschende Klasse, die durch die Umwälzung der Produktionsverhältnisse überflüssig gemacht wurde – die damit aufhörte, als wirkliche Klasse zu existieren. Doch so, wie die Produktionsverhältnisse ab und an der Entwicklung der Produktivkräfte hinterhinken, so verhält es sich auch mit dem Überbau zu den Produktionsverhältnissen. Daher müssen vorerst Leute wie Donnersmarck und die ihnen eigene Idiotie, ihr Standesdünkel, ertragen werden, bis Produktivkräfte, Produktionsverhältnisse und Überbau im Großen und Ganzen, im Wesentlichen, trotz unvermeidbarer vorübergehender Widersprüche, wieder übereinstimmen werden (vgl. Stalin1). Ja, hier ist die Rede vom Sozialismus.

Was will Spartakus?

  1. „Die besondere Rolle der Sowjetmacht erklärt sich durch zwei Umstände: erstens dadurch, dass die Sowjetmacht nicht, wie das in früheren Revolutionen der Fall war, eine Form der Ausbeutung durch eine andere zu ersetzen, sondern jegliche Ausbeutung abzuschaffen hatte; zweitens dadurch, dass sie, da es im Lande keinerlei fertige Keime der sozialistischen Wirtschaft gab, die neuen, die sozialistischen Wirtschaftsformen sozusagen „aus dem Nichts heraus“ schaffen musste. Das ist zweifellos eine schwierige und komplizierte Aufgabe, für die es keine Präzedenzfälle gibt. Nichtsdestoweniger hat die Sowjetmacht diese Aufgabe in Ehren erfüllt. Aber sie hat sie erfüllt, nicht etwa deshalb, weil sie die bestehenden ökonomischen Gesetze umgestoßen und neue „aufgestellt“ hätte, sondern allein deshalb, weil sie sich auf das ökonomische Gesetz der unbedingten Übereinstimmung der Produktionsverhältnisse mit dem Charakter der Produktivkräfte stützte. Die Produktivkräfte unseres Landes, besonders in der Industrie, hatten gesellschaftlichen Charakter, die Eigentumsform hingegen war privat, kapitalistisch. Gestützt auf das ökonomische Gesetz der unbedingten Übereinstimmung der Produktionsverhältnisse mit dem Charakter der Produktivkräfte, vergesellschaftete die Sowjetmacht die Produktionsmittel, machte sie zum Eigentum des gesamten Volkes, beseitigte damit das Ausbeutungssystem und schuf die sozialistischen Wirtschaftsformen. Gäbe es dieses Gesetz nicht und hätte sich die Sowjetmacht nicht darauf gestützt, dann wäre sie nicht imstande gewesen, ihre Aufgabe zu erfüllen. Das ökonomische Gesetz der unbedingten Übereinstimmung der Produktionsverhältnisse mit dem Charakter der Produktivkräfte drängt in den kapitalistischen Ländern seit langem zum Durchbruch. Wenn es noch nicht zum Durchbruch gekommen ist und noch keine freie Bahn hat, so deshalb, weil es auf den stärksten Widerstand der überlebten Kräfte der Gesellschaft stößt. Hier haben wir es mit einer anderen Besonderheit der ökonomischen Gesetze zu tun. Zum Unterschied von den Gesetzen der Naturwissenschaft, in der die Entdeckung und Anwendung eines neuen Gesetzes mehr oder weniger reibungslos vor sich geht, stößt auf ökonomischem Gebiet die Entdeckung und Anwendung eines neuen Gesetzes, das die Interessen der überlebten Kräfte der Gesellschaft beeinträchtigt, auf den stärksten Widerstand dieser Kräfte. Folglich ist eine Kraft, eine gesellschaftliche Kraft notwendig, die fähig ist, diesen Widerstand zu überwinden. Eine solche Kraft fand sich in unserem Lande im Bündnis der Arbeiterklasse mit der Bauernschaft, die die überwältigende Mehrheit der Gesellschaft darstellen. Eine solche Kraft hat sich noch nicht in anderen, kapitalistischen Ländern gefunden. Darin liegt das Geheimnis dessen, dass es der Sowjetmacht gelang, die alten Kräfte der Gesellschaft zu zerschlagen, und dass das ökonomische Gesetz der unbedingten Übereinstimmung der Produktionsverhältnisse mit dem Charakter der Produktivkräfte bei uns völlig freie Bahn erhielt.“

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[Eintrag stark überarbeitet am 20.12.]

Das Märchen vom Siamesischen Kampffisch Nikita Chruschtschow

Es war einmal ein Siamesischer Kampffisch, der des unerbittlichen Kampfes gegen seinen Rivalen müde geworden war. Doch wie es eben so ist, er konnte nicht aus seiner Haut und blieb, genauso wie sein Rivale, ein Siamesischer Kampffisch, dessen Natur es ist, jeden anderen Siamesischen Kampffisch bis zum Tod zu bekämpfen oder vom anderen Siamesischen Kampffisch bis zum Tod bekämpft zu werden. Unser kleiner Siamesischer Kampffisch überlegte und überlegte, was nun zu tun sei, um dem unerbittlichen Kampf ein Ende zu machen und hatte schließlich eine tolle Idee: Der unerbittliche Kampf sollte von da an Friedliche Koexistenz genannt werden, dann würde endlich Ruhe einkehren, denn wenn man etwas anders nennt, dann wird etwas anderes daraus. Und so geschah es. Und da unser Siamesischer Kampffisch bekanntlich gestorben ist, lebt nur der andere noch heute.

betta splendens

Nebenbei VII

„Lediglich 1/3 aller Juden weltweit lebt in Israel, die meisten anderen führen ein ganz normales Leben in anderen Staaten dieser Welt, ohne in irgendeiner Weise bedrohter zu sein, als die in Israel lebenden Juden.“ (Jane, Israelkritikerin, was auch sonst?)

Mal vorausgesetzt, die angeführten Behauptungen seien richtig: Wie bekloppt muß man sein, keinen Zusammenhang zwischen der Existenz eines gut bewaffneten jüdischen Staates und einem „ganz normalen Leben“ der nicht in Israel lebenden Juden erkennen zu können? Sehr? Extrem? Außerordentlich?

„Wer hingegen die Menschen in Israel schützen will, der sollte sie vor allem vor sich selbst schützen und für eine 2-Staaten-Lösung kämpfen, die es längst hätte geben können. Erst, wenn die völkerrechtswidrige und menschenverachtende Besatzungspolitik endet und ein lebensfähiger freier Palästinenserstaat entstanden ist, werden die Menschen in Israel sicher sein.“

Bis zu ihrer Entmündigung sollen sie sich eben umbringen lassen, diese frechen Juden, die dreist darauf beharren, in Israel zu bleiben, da kennt eine echte deutsche Linke keine Gnade. Zudem ist sie echt top marxistisch geschult und erkennt daher sofort die einzige „2-Klassen-Gesellschaft“ der Welt, wenn sie sie sieht. Man erinnert sich: Die Klassengesellschaft, das war doch auch so ’ne jüdisch-bolschewistische Erfindung im Dienste der kapitalistisch-kommunistischen Weltverschwörung dieser eigenartigen, unverschämten Mischrasse…

PS: Trotz linker Antisemiten ist Israelsolidarität leider auch bescheuert. Pech gehabt, werte Anti- und bald dann doch Prodeutsch-Deppen.

EILMELDUNG

Die WikiLeaks-Enthüllungen werden immer abgefahrener, überraschender, atemberaubender:

„Im Vatikan haben betagte Italiener das Sagen, die nichts von der Welt verstehen. Die Sprache der Geistlichen ist Außenstehenden ein Rätsel – selbst mit größter Mühe lässt sich der klerikale Kauderwelsch kaum entschlüsseln.“ (Ulrich Schwarz, Investigativjournalist)

Weitere unglaubliche Neuigkeiten, die uns das Establishment vorenthalten wollte:

- Hot Dogs bestehen nicht aus Hunden
- Die Erde ist keine Scheibe
- Die SPD ist eine Dreckspartei

REALLY????!!!!!!!

WE DESERVE THE TRUTH!!!

Die Bouviers I

Im Fachbeirat Wissenschaft der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur sitzt Beatrix Bouvier, die zuletzt (angeblich) wissenschaftlich die Herren Peter Arens und Guido Knopp beriet, damit den Deutschen vermittels der 7. Folge der Reihe Die Deutschen II die Bildung des richtigen Bildes von Karl Marx und Friedrich Engels, dem Klassenkampf und artverwandten Themen (Lenin, Stalin, Mao, Beelzebub, DDR, Nordkorea, usw.) gelingen möge. Die Bild hilft dabei, was Auskunft genug über die Qualität des Doku-Filmchens gibt, sollte etwa die Nennung des Namens Knopp noch nicht ausgereicht haben. Wenden wir uns Erquicklicherem zu, nämlich der Geschichts- und Namensforschung. Wer eigentlich, außer der bereits erwähnten Beatrix, heißt bzw. hieß überhaupt Bouvier? Wer waren die Bouviers, wer sind sie heute?

1. Auguste Bouvier
Theologe, beschäftigt mit der Absicherung des Glaubens

2. Bertrand Bouvier
Griechenland- und Christus-Begeisterter, Professor

3. Jacqueline „Jackie O“ Lee Bouvier Kennedy Onassis
(u.a. Präsidenten-)Gattin

4. Janet Lee Bouvier
(u.a. Präsidenten-)Gattinmutter

5. John „Black Jack“ Vernou Bouvier III
(u.a. Präsidenten-)Gattinvater, Börsianer

6. Friedrich Bouvier
steiermärkischer Landeskonservator, Trachtenträger

7. Clotar Bouvier
Banker, Weinbauer

8. Patricia „Patty“ Bouvier
Angestellte der Springfielder Führerschein-Zulassungsstelle

9. Selma Bouvier Terwilliger-Hutz-McClure-Stu-Simpson
Angestellte der Springfielder Führerschein-Zulassungsstelle, Gattin, Affäre von Artie Ziff

10. Pam Bouvier
Gespielin von James Bond, CIA-Zuträgerin, Tarnrolle: Miss Kennedy

Gemeinsam scheint den Bouviers neben ihrem Namen das Bedürfnis nach gewisser Nähe zur Macht zu sein, sei diese nun religiöser (Auguste, Bertrand), ökonomischer (Jackie, Clotar, Selma) oder staatlicher (wieder Jackie, Patricia, wieder Selma) Natur. Ein Bouvier ist jemand, der sich im Umkreis des Ortes aufhalten muß, an dem die wichtigen Entscheidungen getroffen werden, an dem Geschichte gemacht wird, idealerweise ohne dadurch selbst im allzu grellen Rampenlicht stehen zu müssen, besser gesagt also im Dunstkreis der Herrschenden. Beatrix Bouvier ist somit eine würdige Trägerin dieses (nicht sonderlich) großen Namens ohne jeden (bekannten) Fehl und Tadel, deren Bedeutung nicht unterschätzt werden darf, denn merke: Ohne die kleinen Rädchen bliebe die ganze Uhr stehen, was nur denen in den Kram passte, die die Uhr nicht schätzen.

beatrix selma patty

Leider kein Bouvier:

Volker Bouffier
billiges Imitat, Hessenhitler-Nachfolger, Gesicht des Grauens