Archiv für Februar 2011

Antiarchitektonischer Anarchismus

Antikommunistische Linke fordern vom Kommunismus einstürzende Neubauten.

rafgsp

Kopfjägers Esoterik

Warum verkauft einer seine Arbeitskraft? Um Geld zu verdienen. Warum will einer Geld verdienen? Um sich Waren kaufen zu können. Warum will einer sich Waren kaufen? Weil das Mittelalter weitgehend vorüber ist. Was, wenn nicht Mittelalter, ist dann heute? Spätimperialismus, also später Spätkapitalismus. Was kennzeichnet den Spätimperialismus? Der allgemeine Irrsinn, der sich etwa in Gestalt eines Headhunters manifestiert, der materiellen Vorteilen kritisch gegenüber steht und materielle Nachteile als vorteilhaft für’s Karma preist.

„Geld motiviert nicht dauerhaft. Ein Bonus oder eine Erhöhung zaubert schnell ein Lächeln ins Gesicht des Angestellten, aber Anerkennung oder ein vernünftiges Arbeitsklima sind viel wichtigere Faktoren. An eine Erhöhung gewöhnen wir uns schnell, nach drei Monaten ist das nichts Besonderes mehr. Aber wenn ich immer wieder merke: Ich komme weiter, ich entwickle mich, dann ist das viel wertvoller.“ (Marcus Schmidt)

Die alte Leier von wegen „Geld allein macht auch nicht glücklich“, mit der Arme ihre Armut, also alles von beschränkter Teilhabe an bis hin zu völligem Ausschluß von Gebrauchswerten, sich erträglich machten, kehrt wieder in Form von Expertengeschwätz. War derartiger Humbug früher deshalb falsch, weil Reichtum sehr wohl glücklich machte, ist er heute bereits auf verdrehte Art richtig geworden, denn selbst die Reichen sind elende, jämmerliche Gestalten. Ackermann ist nicht Rockefeller, Guttenberg ist nicht Bismarck, Britney Spears ist nicht Greta Garbo. Wer so sein will wie die, der ist bereits einer wie die, ein lebloser Zombie.

ackermann

Stating the obvious: Das Kritikerpack ist dementsprechend nicht Hegel, Marx, Engels.

Gegen den Wahnsinn Esra Ayse Onus‘

„Wir können froh sein, dass es sowas wie den Deutschen Idealismus und vor allem die Weimarer Klassik, die die Deutsche Romantik kennzeichnet, gab.“ (Esra Ayse Onus)

Wie kann jemand nur so verwirrt sein und seine Konfusion derart frei von Selbstbewußtsein, doch voller Selbstvertrauen in den eigenen, nicht vorhandenen Geist entblößen?

schillerddr

Lob der Reform

Das Warten hat ein Ende: Deutschlands Arbeitslose können pro Monat einen Kasten Oettinger zusätzlich kaufen!

bier

Karl-Theodor Frhr. zu Hegemann

Der Verteidigungsminister steht unter Druck: Karl-Theodor zu Guttenberg hat in seiner Doktorarbeit ausführliche Zitate und ganze Textbausteine (“Wie ich eben erfahre also angeblich mit dem Argument »Scheiß Kapitalismus!« geweigert zu bezahlen, neben die Bar gekotzt und paar Tische umgeschmissen.”) verwendet, ohne die Urheber (Airen, Bakunin, Hitler) zu nennen. Plagiatsjäger wittern Schummelei. Was ist dran an den Vorwürfen?

The Sampsons

Guttenberg bezeichnet sein Vorgehen abstrus als „remixen“, für die Rechtswissenschaft ist die Sache jedoch nicht so einfach erledigt. In Zeiten von digitalisierten Büchern fürchten abstruse Juristen und Universitäten um ihre Einnahmen. Die Entwicklung der E-Books habe die Urheberrechtsfrage abstrus verschärft, sagt Heinrich Bleicher-Nagelsmann vom Verband deutscher Schriftsteller. „Wir stellen immer wieder fest, dass die Urheberrechte der Autoren abstrus gefährdet sind.“ Guttenbergs Partei reagierte umgehend auf die abstrusen Plagiats-Vorwürfe und kündigte an, der nächsten Auflage des Worstsellers ein umfassendes Literaturverzeichnis beizulegen. Die abstrusen Wogen sind damit vorerst geglättet. Zumindest bis zum nächsten Fall von abstrusem Wörterklau in der Regierung.

Dass in der Wissenschaft bei Seminararbeiten und Dissertationen freimütig abgekupfert wird – doch was jetzt nach den Plagiatsvorwürfen gegen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) geschieht, dürfte einmalig in der deutschen Wissenschaftsgeschichte sein, um die 475 Seiten umfassende Dissertation von Guttenberg weiter auf verdächtige Stellen zu durchforsten und listet diese im Internet fein säuberlich auf – ein deutsches Wikipedia, wenn man so will. Sex mit Frauen, Männern, Transvestiten, Drogen, exzessive Partys in sogenannten „Darkrooms“. Am Donnerstag war er zu einem Überraschungsbesuche bei den deutschen Soldaten in Afghanistan. Alles, worüber er schrieb, will er selbst erlebt haben. Eine regelrechte „Schwarmintelligenz“ hat sich formiert: Immer mehr Stellen tauchen auf, die Guttenberg bei anderen Autoren abgeschrieben haben soll – recherchiert gemeinsam von zahlreichen Internetnutzern: „Eine kritische Auseinandersetzung mit Karl-Theodor Freiherr zu Guttenbergs Dissertation“. Titel des Blogs, der nach eigenen Angaben eine „kollaborative Dokumentation der Plagiate“ betreibt, ist im Zeitalter des Internets längst eine Binse. Ich denke, es war naiv von ihm. Aber was er gemacht hat, ist nicht verwerflich. Es ist Teil unserer Literatur-Welt.

Classless Kulla meint dazu begeistert und geistlos wie gewohnt: „Da beschließe ich, mir noch die jetzige Auflage besorgen, weil ein Buch zu lesen, bei dem ich nie weiß, woher die Gedanken und die Formulierungen stammen – das ist ja wie bei Hegel! Yay!“

Der Freiherr höchstselbst zieht ein Fazit in eigenen Worten: „Die Aneignung ist offensichtlich nicht nur in der Kunst schon seit Jahren eine Art postmoderner Technik, sowohl in der bildenden Kunst als auch in der Literatur und überhaupt, aber da ist es anders. Meins ist ein Präzedenzfall. Zu einem bestimmten Zeitpunkt dachte ich, dass es wirklich notwendig sei, gewisse Dinge aufzudecken, weil soviel Heuchelei existierte. Aber das ist zusammengebrochen, besonders nach Afghanistan und Gorch Fuck. Heute weiß jeder, was passiert. Es ist ihm bloß scheißegal. Wir suhlen uns in unserem eigenen beschissenen Nihilismus, und so wirkt auch Merkel auf mich, sie suhlt sich in ihrem Nihilismus. Wir irren in der Gegend herum und wissen nicht, was wir tun sollen in dieser Art von Hölle mit Aids und Crack und Hitler-Tagebücher und Bundeswehrreform und dem ganzen Mist.“

The Simpsoms