Deutsches Kabarett: Georg Schrammstein

Vor vier Jahren fand Hans Mentz in der Titanic lobende Worte für Georg Schramm, denn „hier meinte es jemand ernst“. Mentz charakterisierte ihn dann 2009 „weniger als Komiker denn als kabarettistischen Volkstribun“, was ebenfalls positiv gemeint war. Doch hatten sich erste Zweifel eingeschlichen angesichts des „aus Krawattenträgern und Jack-Wolfskin-Fünfzigern“ bestehenden Publikums. Genau diese Art Leute war es auch, die sich eines vergleichsweise völlig irrelevanten Bahnhofumbaus wegen empört zum Demonstrieren begab und, nachdem sie ein wenig Staatsgewalt abgekriegt hatte, ohne daß daran irgendetwas Außergewöhnliches zu finden war, denn genau das passiert eben immer genau dann, wenn Bürger, ungeachtet ihrer sonstigen mitläuferischen Qualitäten, nicht so wollen wie die vom Kapital angeleitete Politik nebst ihren ausführenden Kräften den Skandal des Jahres 2010 kreierte. Selten wurde ein so langweiliges Thema so lange allerorten breitgetreten wie dieser schwäbische Kuhfladen. Angeblich reden selbst die Arbeiter an den Todesreaktoren in Fukushima während ihrer Mittagspause von nichts anderem – nicht Fukushima, Stuttgart ist überall. Georg Schramm ging es jedenfalls genauso wie dem Rest der Welt, Stuttgart 21 ließ ihn nicht mehr los, zweimal bereits musste er, denn er konnte nicht anders, aufgebracht, wie er immer war und weiterhin ist, zu einer der öden Montagsdemos, um als Lothar Dombrowski seine unendliche Wut zum Ausdruck zu bringen. Und das tat er. Doch damit nicht genug! Anstatt bloß die ohnehin überzeugten Stuttgarter Kleinbürger zu bepredigen, nahm Schramm „sich die CDU vor“. Im Freizeitpark in Rust zeterte er, diesmal gegen Lottogesellschaft und irgendwelche aktuellen sowie Ex-Minister. Er machte also das, was er immer tut, das, was jeder kennt, der ihn wenigstens einmal im ZDF gesehen hat, wo er zuletzt das dortige Kabarettprogramm moderierte, zusammen mit Urban Priol, den Bahnhofsmodernisierungen und stinknormale Kapitalbewegungen genauso aufregen wie seinen ehemaligen Kollegen, vor allem sobald sie in Stuttgart stattfinden und ihnen dank Unmengen erboster grün wählender Mittelständler genügend Applaus garantiert ist beim herrlich nonkonformen Schimpfen. Nach seinem Auftritt, der also nur für diejenigen ein „Eklat“ darstellen konnte, die auf Veranstaltungen gehen, von denen sie nichts wissen, und solchen Preise verleihen, die sie nicht kennen, war der anwesende Teil der herrschenden Klasse gehörig verstimmt und witterte in Gestalt von Roland Mack, unter anderem Bundesverdienstkreuzträger, nichts geringeres als „Klassenkampf“, worauf Schramm sich ein wenig hin und her wand, Fehler einräumte, einschränkte, aber dann doch nichts zurücknahm, womit er sich für eine späte Politikerkarriere qualifiziert haben dürfte. Mit Klassenkampf hat das alles natürlich nichts zu tun, was nicht zuletzt auch die Äußerungen seiner Fans beweisen:

„WEITER SO, GEORG SCHRAMM, die Nation braucht Dich!“

„Ich weiss warum ich IHN als Bundespräsident wollte.“

„Solche Mäuler braucht unser Land! Weiter so. Endlich wieder ein Kabarettist mit Format, Charakter und Rückgrat und keine lobbygeschleiften Gummipuppen!“

Usw. usf.

schramm 21


5 Antworten auf „Deutsches Kabarett: Georg Schrammstein“


  1. 1 powled 10. Mai 2011 um 14:40 Uhr

    compare this

  2. 2 Stanislaw Hirschfeld 10. Mai 2011 um 20:36 Uhr

    Deinen Link habe ich in den Text eingefügt.

  3. 3 powled 10. Mai 2011 um 21:52 Uhr

    pingback kam erst später an…

  4. 4 Stanislaw Hirschfeld 11. Mai 2011 um 21:06 Uhr

    Ja, ich habe den Link schließlich erst aufgrund deines Kommentars gesetzt. :]

  1. 1 Zu den Bundespräsidentenkandidaten und ihren Gegnern « Das generelle Fachjournal Pingback am 21. Februar 2012 um 15:07 Uhr
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