Lars von Trier mit im Boot?

„Ich wollte wirklich Jude sein und dann fand ich heraus, dass ich ein Nazi bin, den meine Familie war Deutsch, die Hartmanns, das hat mich auch amüsiert. Was soll ich sagen? Ich verstehe Hitler, ich denke, er hat ein paar absolut schlechte Dinge getan, aber ich kann ihn mir in seinem Bunker vorstellen… Ich sage ja nur, dass ich den Mann verstehe. Er ist nicht, was man einen netten Kerl nennen würde, aber ich verstehe viel über ihn und habe ein bisschen Mitleid mit ihm. Aber kommen Sie, ich bin nicht für den zweiten Weltkrieg oder gegen die Juden. / Ich bin sehr für die Juden, nicht zu sehr allerdings, denn Israel ist ein Ärgernis, aber trotzdem… wie komme ich aus diesem Satz nur wieder raus? Ich wollte nur sagen, die Kunst…Ich bin sehr für Albert Speer, er war eines von Gottes besten Kindern und hatte ein Talent, das es ihm möglich machte… Okay, ich bin ein Nazi.“

„Ich bin weder antisemitisch, habe keine rassistischen Vorurteile, noch bin ich ein Nazi.“

Daß Lars von Trier aller Wahrscheinlichkeit nach ziemlich wahnsinnig ist, wusste eigentlich jeder, der zwei, drei seiner Filme gesehen hat, schon länger. Ob seine Äußerungen von Mittwoch für bare Münze zu nehmen sind, ist daher nicht die sonderlich interessante Frage. Erhellend sind vielmehr die Reaktionen auf seine Worte. Den Vogel schoß mal wieder 3sat ab: Kulturbeflissen wurde von Triers Begeisterung für die Architektur Albert Speers erwähnt, seine Abneigung Israel gegenüber allerdings geschmeidig verschwiegen, damit bloß kein pseudogebildeter Fernsehzuschauer, andere hat und will 3sat eh nicht, auf die ja ganz richtige Idee hätte kommen können, Israelkritik und Nationalsozialismus hingen engstens zusammen, seien womöglich weitgehend ununterscheidbar. Lars von Trier hat also das Betriebsgeheimnis der postmodernen Faschisten ausgeplaudert, als er scheinbar verrücktes Zeug redend am Mittwoch frank und frei die Wahrheit aussprach: Der Antizionismus ist die linksfaschistische Gestalt des Antisemitismus, der nur im Wahn als kaum mehr auftretend betrachtet werden kann. Der Mauer, die von Leuten wie Norman Paech und anderen Knalltüten zwischen einerseits dem bösen verbotenen Judenhaß der Nazis und andererseits der guten legitimen Kritik an ausgerechnet dem einzigen jüdischen Staat im Sinne der Hamas mühsam errichtet wurde, hat der durchgedrehte Däne jedenfalls einen Riß zugefügt. Mr. von Trier, tear down this wall!

Von Trier persönlich wird man, bei Interesse, nun danach beurteilen müssen, ob er sich mit den Antisemiten verschiedenster Coleur ins Boot setzen wird und bei der sogenannten Friedensflotte (ab 2:05) anheuern wird.


8 Antworten auf „Lars von Trier mit im Boot?“


  1. 1 Stanislaw Hirschfeld 20. Mai 2011 um 16:32 Uhr

    Der Mann ist super:

    „Das alles begann mit Auslassungen über die deutsche Romantik, deren Wertvorstellungen vom „Dritten Reich“ zum Teil übernommen wurden.“

    Es kann anscheinend gar nicht genug Interviews mit von Trier geben, jedesmal verbindet er, was getrennt wurde, um die widerlichste Scheiße zu retten. Die Romantik war und ist ja nie etwas anderes als ein völkisches Programm, zudem war und ist sie so häßlich wie schlecht. Von Trier sieht das sicher anders, aber wen interessiert das schon? Seine Äußerungen sind dem Stalinismus dienlich.

  2. 2 earendil 20. Mai 2011 um 20:18 Uhr

    Ah, jetzt ist – weil es in v. Triers wirrem Gestammel diese Verbindung gibt – Antizionismus nicht mehr bloß automatisch antisemitisch, sondern auch noch „linksfaschistisch“. Jawoll, alles rotlackierten Faschisten, National-Sozialisten und Kommunazis, endlich sagt’s mal einer!

    Nächste Woche kannste dich dann wieder über Antikommunisten echauffieren.

  3. 3 „Sauron“ 24. Mai 2011 um 23:52 Uhr

    Mach dir keine Sorgen earendil, Hegel und Walter Benjamin haben auch gekifft.

  4. 4 Stanislaw W. Hirschfeld 25. Mai 2011 um 18:15 Uhr

    Genau, earendil, du hast es erfaßt: Nur weil Lars von Trier was sagt, ist das auch so. Nicht etwa deswegen, weil der Antisemitismus in Arbeitsteilung von Rechts und Links gemeinsam betrieben wird, nicht etwa deswegen, weil Rechts und Links gemeinsam die zwei Pole der bürgerlichen Barbarei bilden, nicht etwa deswegen, weil Rechts und Links das gleiche Geschäft betreiben und nichts anderes sind als ein und derselbe Antikommunismus in wechselndem Gewand.

  5. 5 earendil 26. Mai 2011 um 11:02 Uhr

    Ah ja, Extremismustheorie reloaded. Na, passt schon.

  6. 6 Stanislaw W. Hirschfeld 26. Mai 2011 um 13:37 Uhr

    Wer redet hier denn von Extremen, du Vogel?

  7. 7 earendil 26. Mai 2011 um 15:36 Uhr

    Pole sind keine Extreme, nein?

    Na gut, dein Geschwätz hat rein gar nichts mit dem bekannten „lechts=rinks“-Gedöns der wehrhaften Demokraten zu tun und hört sich nur rein zufällig exakt genauso an, nicht wahr, Stanislaw Jesse?

  8. 8 LW 26. Mai 2011 um 21:34 Uhr

    Na und, dann sind es halt „Extreme“. Der Stalinismus hat sich schon immer zwischen diesen beiden Polen (Linksabweichler & Rechtsabweichler) in der vernünftigen Mitte positioniert, gegen sowas können ja auch nur Pluralismusdemokraten wie Du meckern, earendepp. Extreme sind seit je die Vorstufe zum Komplettirrsinn.

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