Archiv für Januar 2012

The Talking Dead VI

„Wir sind die neuen Juden.“ (Heinz-Christian Strache, Rapper)

Wenn ausgerechnet österreichische Rechtsradikale sich als Juden fühlen, mag das verrückt erscheinen. Doch der Kreis schließt sich wieder, wenn Linke am und anläßlich des internationalen Holocaustgedenktag „eine rechtsextreme Regierung“ entdecken – in Israel. Oben ist derzeit eben unten und richtig falsch.

The Talking Dead V

„Das ist eine politische Entscheidung, ob man ein Lager zurückbaut, was sehr viel Aufwand verlangt, oder ob man ein Signal setzt, indem man es den Afghanen übergibt. Dann muss es aber auch betrieben werden können und nachhaltig sein.“ (General Markus Kneip, Regionalkommandeur der Isaf in Nordafghanistan)

Selbstverständlich ist dieses Zitat aus dem Kontext gerissen und bestimmt völlig anders gemeint, als man meinen könnte. Aber trotzdem…

The Talking Dead IV

„Die Kritiker, die meinen, man müsse eine Kongruenz zwischen allen Politikbereichen haben, die gehen ja in Wahrheit von dem Regelungsmonopol des Nationalstaates aus. Das war die alte Rechtsordnung, die dem Völkerrecht noch zugrunde liegt mit dem Begriff der Souveränität, die in Europa längst ad absurdum geführt worden ist, spätestens in den zwei Weltkriegen der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. Und wir in Deutschland sind seit dem 8. Mai 1945 zu keinem Zeitpunkt mehr voll souverän gewesen.“ (Wolfgang Schäuble, Infokrieger)

Ob der Bundesminister sich insgeheim als Hochverräter empfindet?

The Talking Dead III

„Der Kommunist ist, wie wir wissen, ein Dogmatiker, autoritätshörig und buchstabengläubig. Aber ihn entschuldigt ein wenig, dass er gewöhnt ist, dass es seinen Gegner in solchem Maße an Gründen gegen die Marxisten fehlt, dass es höchst selten vorkommt, dass sie etwas anfechten, das die Marxisten tatsächlich gedacht oder gesagt haben. Viel lieber widerlegen sie am Marxismus, was kein Marxist je vertrat.“ (Peter Hacks)

Etwa hier. Oder auch in dieser Vorführung geistiger Verwahrlosung und Niedertracht. Das einzig Gute daran sind die Marx-Zitate. Die kann man, sie sind schließlich wahr, immer wieder lesen. Kommunist sollte man aber schon sein, das Wahre will ja doch begriffen sein.

Claus Peymann redet Unsinn und geht mir auf die Nerven

„Was vernünftig ist, das ist wirklich; und was wirklich ist, das ist vernünftig.“1 (G.W.F. Hegel2)

„Daß sich die Theoriebildung des wissenschaftlichen Sozialismus oft und an entscheidenden Punkten in groß angelegten Polemiken vollzog, hängt aufs engste damit zusammen, daß Theorie hier eben nicht einfach Erkenntnis um der Erkenntnis willen, sondern Handlungsdirektive ist.“ (H.H. Holz3)

Die öde Juli Zeh sieht sich in „einer leistungsorientierten Welt“, wo es sich doch, wie LW unlängst bemerkte, bei der sogenannten Leistungsgesellschaft um eine dreiste Lüge der Zombiepropaganda handelt. Leistung wird nicht gefördert und bewundert, sondern be- und verhindert, geleugnet, versteckt, beschimpft, beneidet, bekämpft. Deswegen ist es möglich, daß einer wie Hans Heinz Holz beinahe unbemerkt sterben kann, während jemand wie Christa Wolf Anerkennung erhält für ihren Niedergang bis zur Kollaborateurin des westdeutschen Imperialismus, während elende Schwätzer wie Peter Sloterdijk und Jürgen Habermas mit bedeutenden Denkern verwechselt werden, während Rolf Hochhuth als ernstzunehmender Dramatiker gilt und Claus Peymann für Kunstbeschädigung und Schändung des Berliner Ensembles nicht eingesperrt oder verjagt, sondern bezahlt wird. Das ehemalige Zentralorgan der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) heißt jetzt „neues deutschland“ und druckt Peymanns Selbstentblößungen. Im Folgenden werden einige der dämlichsten dokumentiert und in Stichworten kommentiert, zur Aufbewahrung und als Vorarbeit für spätere revolutionäre Verwendungszwecke.

„Zur Geburtsstunde der russischen Revolution – nicht erst unter Stalin, schon unter Lenin – gehörte der Terror, gehörte die Diktatur einer Kaderpartei. Im Westen sahen wir schaudernd die Moskauhörigkeit des Ostens. Und bereits die Französische Revolution lehrte, dass die ersehnten Umstürzler von heute die Diktatoren von morgen sind.“

Antikommunismus von links. Anarchistische Lobpreisung des Imperialismus. Allgemeine Herrschafts-, mithin Gesellschaftsfeindlichkeit.

„Der – hoffentlich nur zeitweilige – Ausfall der sozialistischen Utopie jedenfalls macht allen, die eine bessere Welt wollen, arg zu schaffen.“

Sagt einer, der „[u]m Himmels Willen!“ kein Marxist sein möchte. Typische Feigenblattäußerung zur Verhinderung der Denunziation und Behandlung als stinknormal reaktionär. Selbstverständlich leichter durchschaubar als frisch geputzte Fensterscheiben.

„Früher hieß es, nur die Idioten gehen zum Militär, längst scheinen auch in die Politik einzig nur die Idioten hineinzustapfen. Das kann nicht endlos gutgehen.“

Das kann wirklich nicht gutgehen, wo die Idioten doch auch ins Theater marschiert sind.

„Ein wirtschaftlicher Zusammenbruch, gepaart mit vollständiger Inkompetenz der Verantwortlichen, das vermag ein friedliches Westeuropa sehr schnell in ein Pulverfass zu verwandeln.“

Heuchlerisches Herbeifürchten des ersehnten feuchten Traums aller Anarchofaschisten. Apokalypse als Utopieersatz.

„Jede Revolution muss das Alte vernichten, das Privilegierte, die ungerechte Verteilung. Aber sie zerstört damit stets auch Kultur, Erhabenheit, Ästhetik, das Schöne. Proletarische Grobheit war in der Geschichte des 20. Jahrhunderts nicht zu vermeiden, aber sie beflügelte Intelligenzfeindlichkeit, Rohheit gegenüber der Poesie und einen kulturlosen Pragmatismus. Da liegt eine schreckliche Dialektik vor, die vielleicht nie zu einer Lösung kommen kann.“

Undialektisches, fortschrittsfeindliches Geraune. Unverständnis wichtigster Begriffe wie etwa Aufhebung, Dialektik, Revolution usw.

„Wir sind Gebrochene.“

„Ich geh mit keinem dieser Polit-Kasper an irgendein Büffet. Ich streite mich und bin mit allen verfeindet.“

„Ich bin stolz, Linker zu sein. Links ist da, wo das Herz schlägt – und weh tut.“

Identitäres, selbstgefälliges, armseliges Geflenne eines Intendanten-Kaspers mit Faible für Lafontaines Wort“witz“. Läßt all die an seiner Hirngeringschätzung leiden, die sich mit seinem Weltschmerz befassen.

Kleiner Zusatz: Der Tibet-Kasper Dalai Lama hält sich selber zwar nicht für einen Leninisten, aber im Gegensatz zum gleich blöden Peymann “as far as socio-political beliefs are concerned, I consider myself a Marxist”.

Zusammenfassung: Alles steht mal wieder Kopf. Solange jedenfalls, bis die sozialistischen Kräfte sich ausreichend reorganisiert haben werden, um die notwendigen Richtigstellungen durchzuführen. Hans Heinz Holz hat dafür außerordentlich Nützliches hinterlassen. Vernünftige Menschen eignen sich das an, um’s weiterzuentwickeln und zu verwirklichen.

Kanonade von Valmy

  1. Heinrich Heine berichtete, daß Hegel über diesen Satz zu ihm sagte: „Es könnte auch heißen: Alles, was vernünftig ist, muß sein.“ [zurück]
  2. Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Grundlinien der Philosophie des Rechts [zurück]
  3. Hans Heinz Holz: Die Algebra der Revolution – Von Hegel zu Marx – Aufhebung und Verwirklichung der Philosophie I [zurück]