Archiv für April 2012

Hilfreich sei der Mensch, edel und gut

Ey, „LAG Kommunistische Plattform der Partei DIE LINKE. MV“!

Du lädst Deine „Genoss_Innen“ zum Plausch mit „Genn.“ „Dr.“ Kreupner von der DKP ein, was eigentlich keine Bemerkung wert ist. Aber einen freundlichen Hinweis erlaube ich mir doch. Wieso trefft Ihr Euch denn bloß „gegenüber dem Friedhof“? Ihr kauft Eure Brötchen doch wohl auch nicht gegenüber dem Bäcker!

Mit herzlichen, solidarischen Grüßen

Dein Gennoss_In Prof. GR. Stanislaw Jeb. Hirschfeld

Zum achtundsechziger Elend sowie seinen mitunter noch elendigeren zweitausendundzwölfer Fortsetzungen I

„Pilades Bar war in jenen Jahren der Freihafen, die galaktische Taverne, in der die Aliens von Ophiuchus, die den Planeten Erde belagerten, sich zwanglos mit den Männern des Imperiums trafen, die auf den Van-Allen-Gürteln patrouillierten. Es war eine Bar am Rande der Mailänder Altstadt, mit Zinktresen und Billard, wohin morgens die Straßenbahner und Handwerker aus der Gegend kamen, um sich einen kleinen Weißen zu gönnen. Achtundsechzig und in den folgenden Jahren war Pilade dann so etwas wie Rick’s Bar geworden, wo man den Aktivisten der Studentenbewegung beim Kartenspiel sehen konnte, am selben Tisch mit dem Journalisten der bourgeoisen Zeitung, der sich nach Redaktionsschluß einen genehmigte, während die ersten Lastwagen schon unterwegs, um die Lügen des Systems zu verbreiten. Doch bei Pilade fühlte sich auch der Journalist als ein ausgebeuteter Proletarier, ein Produzent von Mehrwert, in Ketten gelegt, um Ideologie zu fabrizieren, und die Studenten erteilten ihm Absolution.“ (Umberto Eco: Das Foucaultsche Pendel, S. 66)

6. Februar 1968
Seit sechs Tagen ist die Vietcong-Offensive. Um mich herum in der Bundesrepublik verändert sich alles. Alle fünf Minuten gibt es irgendwo eine Schüler- oder Studentendemonstration. Schauspieler verteilen Flugblätter vor der Vorstellung. Rechte Fernsehfritzen sind auf einmal links. Clubs schießen aus dem Boden. Auch in Köln. Es ist kein Arbeiter darunter.
Abends bei Hacks unterhalten wir uns über diese neue und unerwartete politische Bewegung in der BRD. Hacks: „Es gibt dafür drei Ursachen: 1. der Verfall des moralischen Ansehens der USA durch den Krieg in Vietnam. 2. Die erste, wenn auch harmlose Wirtschaftskrise in der BRD. 3. Der politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Aufstieg der DDR. Die Frage ist: Ob es bei einer Studenten- und Schülerrevolution bleibt, oder ob wirklich Proletariermassen in Bewegung kommen?“ Ich bezweifele letzteres. Hacks: „Dann wird alles auf eine Theaterrevolution herauslaufen, möglicherweise ein wenig interessant und sicherlich recht drollig. Aber mehr ist dann nicht drin. Aber wir können dann bald wildgewordene Kleinbürger in Aktion sehen. Ich schwöre dir, wir werden das bald über haben.“
(André Müller sen.: Gespräche mit Hacks 1963 – 2003, S. 28)

Fast richtige Schlagzeilen (911)

Der Schöpfer des 9/11 ist tot. Osama bin Laden verstarb bereits im Mai letzten Jahres.

Margot Honecker: nicht dement genug für die BRD

„Gut hat sie sich gehalten. Bald 85 Jahre alt ist Margot Honecker heute, die Witwe des Staatsratsvorsitzenden Erich, ehemals Bildungsministerin der DDR, und das Klima in Chile scheint ihrer Gesundheit zuträglich. Kein Anflug von Gebrechlichkeit, keine Altersdemenz erkennbar. Was aber auch bedeutet: keine Entschuldigung für ihre verstockte, reuelose Sicht auf die DDR und ihre persönliche Verstrickung in die Verbrechen dieses Staates.“ (Stefan Kuzmany)

Ich sehe das ähnlich: Um die Deutsche Demokratische Republik als unmoralische Schandtat verteufeln zu können, muß man schon an einem beträchtlichen Mangel an geistiger Gesundheit leiden. Wer vom psychologischen Dienst des Online-Spiegel Lob zu erhaschen wünscht, sollte also ziemlich gestört oder, besser noch, ein richtig schwerer klinischer Fall sein.