Ach, Flora, wärst Du doch ein Kino geblieben!

Gäbe es den Anarchismus nicht, die herrschende Klasse wäre gut beraten, ihn sich auszudenken. Das Hamburger Gesindel, welches für den Laien vom faschistischen Mob kaum unterscheidbar ist, macht jede zaghafte Hoffnung auf baldiges Entstehen einer revolutionären Situation zuverlässiger zunichte als die Bundeszentrale für politische Bildung, Springer und Junge Freiheit zusammen vermögen. Wenn die Revolution manifestiert wird von diesen Verbrechern, dann, so schlußfolgert nicht allein der hanseatische Durchschnittsbürger verständlicherweise, ist es eines jeden Pflicht, die Bestie Revolution wenigstens nicht zu nähren. Daraus erwächst jedoch eine andere Problematik: Wenn den Deutschen der Hang zum Pogrom bislang nicht ausgetrieben werden konnte, bleibt verwunderlich, weshalb die Begeisterung fürs jüngste sich in linken Grenzen hält. Womöglich ist mangelnde Körperpflege verantwortlich. Rechtsradikale gelten verwunderlicherweise als besonders reinlich, wobei Volkes Meinung ein weiteres Mal von Erfahrung sich unbeeindruckt zeigt. Als Privatperson Herr Hirschfeld würde ich mir jedenfalls Besuche Angehöriger rot- oder braunschwarzer Blöcke gleichermaßen verbitten. Als von Abschiebung Bedrohter wäre mir lieb, nicht Linksradikale, die mich für den Erhalt ihres widerwärtigen Zentrums und als Anlaß für Gewaltparties mißbrauchen wollen, nähmen sich meiner an, sondern Menschen, die sich an menschlichem Leid stören. Wer weiß, vielleicht gibt es solche noch in Hamburg, und, wer weiß, vielleicht haben sie sich durch die gestrige Zurschaustellung linken Irrsinns nicht endgültig abschrecken lassen, zu helfen. (Nebenbei: Hilfreich zu sein, beinhaltete in einem tatsächlich radikalen Sinn, sich materialistisch zu bilden, der Kommunistischen Partei beizutreten, Klassenkampf zu führen. Das allerdings wäre für den Moment zu viel erwartet.)


2 Antworten auf „Ach, Flora, wärst Du doch ein Kino geblieben!“


  1. 1 Peter Schrader 10. Februar 2014 um 10:02 Uhr

    Das haben Sie schön geschrieben, Herr Hirschfeld, und ich befürchte, Sie brauchten noch nicht einmal das Bahamitische Plädoyer für die Auflösung der Refugee-Zeltlager dafür zu lesen. Wie es mit dem Klassenkampf gehen soll, wo die Arbeiterklasse 1933 ihren Sozialpakt mit dem Kapital geschlossen hat und bis heute nicht bereit ist, ihn aufzukünden, weiß ich nicht, aber bitte Sie recht höflich darum, mir zu schreiben, wenn es noch einmal eine Kommunistische Partei geben sollte, der ich mich nützlich machen könnte. Bis dahin will ich ihren Bildungsaufruf jedenfalls so ernst nehmen, als es mir möglich ist.

  1. 1 Deutsches Gedenken « Lyzis’ Welt Pingback am 29. Januar 2014 um 16:27 Uhr
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