Archiv der Kategorie 'Apokalyptik'

Vom Untergang niederer Printmedien

Der Kapitalismus hat womöglich fast geschafft, woran Antideutsche und andere Kritiker scheiterten: die Tageszeitung für linke Antisemiten und antiwestliche Paranoiker junge Welt am Erscheinen zu hindern. Nun freuen sich die Torsuns dieser Welt des Schadens, der doch auch ihr eigener ist. Denn jämmerliche Betteleien hat die junge Welt nicht erfunden, die Jungle World kann das längst schon besser. Kommunisten, die bekanntlich weder dieser noch jener JW zugeneigt sind, seufzen nun höchstens müde, wissen sie doch um die Eigentümlichkeit des Kapitalismus, die Bedingung der Möglichkeit verblödeter Papierverschwendung nur hervorzubringen, um sie darauf einzukassieren. Und lesen ohnehin lieber die FAZ.

The Talking Dead IX

Claus Peymann redet Unsinn und geht mir auf die Nerven

„Was vernünftig ist, das ist wirklich; und was wirklich ist, das ist vernünftig.“1 (G.W.F. Hegel2)

„Daß sich die Theoriebildung des wissenschaftlichen Sozialismus oft und an entscheidenden Punkten in groß angelegten Polemiken vollzog, hängt aufs engste damit zusammen, daß Theorie hier eben nicht einfach Erkenntnis um der Erkenntnis willen, sondern Handlungsdirektive ist.“ (H.H. Holz3)

Die öde Juli Zeh sieht sich in „einer leistungsorientierten Welt“, wo es sich doch, wie LW unlängst bemerkte, bei der sogenannten Leistungsgesellschaft um eine dreiste Lüge der Zombiepropaganda handelt. Leistung wird nicht gefördert und bewundert, sondern be- und verhindert, geleugnet, versteckt, beschimpft, beneidet, bekämpft. Deswegen ist es möglich, daß einer wie Hans Heinz Holz beinahe unbemerkt sterben kann, während jemand wie Christa Wolf Anerkennung erhält für ihren Niedergang bis zur Kollaborateurin des westdeutschen Imperialismus, während elende Schwätzer wie Peter Sloterdijk und Jürgen Habermas mit bedeutenden Denkern verwechselt werden, während Rolf Hochhuth als ernstzunehmender Dramatiker gilt und Claus Peymann für Kunstbeschädigung und Schändung des Berliner Ensembles nicht eingesperrt oder verjagt, sondern bezahlt wird. Das ehemalige Zentralorgan der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) heißt jetzt „neues deutschland“ und druckt Peymanns Selbstentblößungen. Im Folgenden werden einige der dämlichsten dokumentiert und in Stichworten kommentiert, zur Aufbewahrung und als Vorarbeit für spätere revolutionäre Verwendungszwecke.

„Zur Geburtsstunde der russischen Revolution – nicht erst unter Stalin, schon unter Lenin – gehörte der Terror, gehörte die Diktatur einer Kaderpartei. Im Westen sahen wir schaudernd die Moskauhörigkeit des Ostens. Und bereits die Französische Revolution lehrte, dass die ersehnten Umstürzler von heute die Diktatoren von morgen sind.“

Antikommunismus von links. Anarchistische Lobpreisung des Imperialismus. Allgemeine Herrschafts-, mithin Gesellschaftsfeindlichkeit.

„Der – hoffentlich nur zeitweilige – Ausfall der sozialistischen Utopie jedenfalls macht allen, die eine bessere Welt wollen, arg zu schaffen.“

Sagt einer, der „[u]m Himmels Willen!“ kein Marxist sein möchte. Typische Feigenblattäußerung zur Verhinderung der Denunziation und Behandlung als stinknormal reaktionär. Selbstverständlich leichter durchschaubar als frisch geputzte Fensterscheiben.

„Früher hieß es, nur die Idioten gehen zum Militär, längst scheinen auch in die Politik einzig nur die Idioten hineinzustapfen. Das kann nicht endlos gutgehen.“

Das kann wirklich nicht gutgehen, wo die Idioten doch auch ins Theater marschiert sind.

„Ein wirtschaftlicher Zusammenbruch, gepaart mit vollständiger Inkompetenz der Verantwortlichen, das vermag ein friedliches Westeuropa sehr schnell in ein Pulverfass zu verwandeln.“

Heuchlerisches Herbeifürchten des ersehnten feuchten Traums aller Anarchofaschisten. Apokalypse als Utopieersatz.

„Jede Revolution muss das Alte vernichten, das Privilegierte, die ungerechte Verteilung. Aber sie zerstört damit stets auch Kultur, Erhabenheit, Ästhetik, das Schöne. Proletarische Grobheit war in der Geschichte des 20. Jahrhunderts nicht zu vermeiden, aber sie beflügelte Intelligenzfeindlichkeit, Rohheit gegenüber der Poesie und einen kulturlosen Pragmatismus. Da liegt eine schreckliche Dialektik vor, die vielleicht nie zu einer Lösung kommen kann.“

Undialektisches, fortschrittsfeindliches Geraune. Unverständnis wichtigster Begriffe wie etwa Aufhebung, Dialektik, Revolution usw.

„Wir sind Gebrochene.“

„Ich geh mit keinem dieser Polit-Kasper an irgendein Büffet. Ich streite mich und bin mit allen verfeindet.“

„Ich bin stolz, Linker zu sein. Links ist da, wo das Herz schlägt – und weh tut.“

Identitäres, selbstgefälliges, armseliges Geflenne eines Intendanten-Kaspers mit Faible für Lafontaines Wort“witz“. Läßt all die an seiner Hirngeringschätzung leiden, die sich mit seinem Weltschmerz befassen.

Kleiner Zusatz: Der Tibet-Kasper Dalai Lama hält sich selber zwar nicht für einen Leninisten, aber im Gegensatz zum gleich blöden Peymann “as far as socio-political beliefs are concerned, I consider myself a Marxist”.

Zusammenfassung: Alles steht mal wieder Kopf. Solange jedenfalls, bis die sozialistischen Kräfte sich ausreichend reorganisiert haben werden, um die notwendigen Richtigstellungen durchzuführen. Hans Heinz Holz hat dafür außerordentlich Nützliches hinterlassen. Vernünftige Menschen eignen sich das an, um’s weiterzuentwickeln und zu verwirklichen.

Kanonade von Valmy

  1. Heinrich Heine berichtete, daß Hegel über diesen Satz zu ihm sagte: „Es könnte auch heißen: Alles, was vernünftig ist, muß sein.“ [zurück]
  2. Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Grundlinien der Philosophie des Rechts [zurück]
  3. Hans Heinz Holz: Die Algebra der Revolution – Von Hegel zu Marx – Aufhebung und Verwirklichung der Philosophie I [zurück]

1968 – 2011: Eine kurze Geschichte der Zombies

Mit Night of the Living Dead erschienen 1968 die Zombies des späten Imperialismus auf der Leinwand – deutlich unterscheidbar von den Zombies der Kolonialisierten, aber auch den frühen imperialistischen. Sie waren gekommen, um zu bleiben, denn in der Hölle war kein Platz mehr und ist es bis heute nicht. Die Untoten wandeln seither tags wie nachts auf diesem Planeten und machen keine Anstalten, sich wieder zu verziehen. Im Gegenteil, mittlerweile ist der Horrorfilm mit Zombies keine bizarre Randerscheinung mehr für fehlgeleitete Jugendliche, die keinen Fick, aber Akne abgekriegt haben, sondern wird an Universitäten genauso wie auf Schulhöfen besprochen. Sogar eine Fernsehserie, The Walking Dead, startete letztes Jahr in den USA, die Comic-Hefte, auf denen sie basiert, werden weiterhin fortgesetzt. Der spazierende Kadaver gehört also zum Alltag, dieser wäre ohne jenen nicht mehr vorstellbar. Das allerdings ist kein Zufall, keine der vorübergehenden Moden, wie sie in der an Belanglosigkeiten reichen Populärkultur üblich ist.

Als die Zombies ihren unaufhaltsamen Siegeszug antraten, war es dem Fortschritt bereits an den Kragen gegangen. In der Sowjetunion ersetzte Nikita Chruschtschow Josef Stalin und leitete sofort die sogenannte Entstalinisierung ein, was nichts anderes als den Beginn des Endes wirklichen Sozialismus in größerem Maßstab bedeutete. Der Revisionismus griff um sich, so unaufhaltsam wie eine Horde hungriger Leichen. Neue Linke im Westen und Chinas Linksabweichler komplettierten das Bild, bis Gorbatschow den letzten entscheidenden Rückschritt vollzog. Nun war der Kapitalismus so global geworden wie nur irgend möglich – die spärlichen, unwesentlichen Ausnahmen bestätigen die Regel – bei gleichzeitigem Eintreten der Leichenstarre. Hatten die sozialistischen Errungenschaften noch die Staaten des Kapitals manche Härten abzumildern gezwungen, um den Antikommunismus der Untertanen nicht infrage zu stellen, war damit die Zeit der allgemeinen Entsagung angebrochen, bis es zum Skandal werden konnte, wenn sich die Vorsitzende einer linken Partei Gedanken über einen antistalinistischen Kommunismus macht oder ein kriegführender Friedensnobelpreisträger Krankenversicherungen für jedermann durchzusetzen versucht. Auch ein arbeiterfeindlicher Reaktionär wie Bismarck müsste sich heute vor dem vergesellschafteten McCarthyism hüten.

Während also die Manifestation der Vernunft im Schwinden begriffen war und das Kapital seinem Wesen entsprechend alle Grenzen einebnete, wanderte der Zombie aus verruchten Schatten ins grelle Licht der Öffentlichkeit und wandelte sich vom Schockzustand auslösenden Ungeheuer zum liebgewonnenen Begleiter, was nichts anderes heißen kann, als daß die, die ihn anschauen, ihm längst zu gleich geworden sind, um sich von Ihresgleichen noch ins Bockshorn jagen zu lassen. Wenn Zombies in erfolgreichen Serien auftreten, nicht mehr bloß in Filmen für Liebhaber obskurer Unterhaltung, die in eigenen Bereichen der Videotheken versteckt werden, sind sie im Grunde nicht mehr zu unterscheiden von den Figuren in GZSZ oder den eigenen Kollegen, Nachbarn, Verwandten genauso wie den Bossen, Aktionären, Regierenden. Wo keiner mehr lebendig ist, da macht es keinen Sinn von Klassen zu sprechen, da niemand mehr den Klassenwiderspruch zu denken und fühlen fähig ist. Das ist genau der Zustand, wenn der Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit negativ aufgehoben ist in der Milliarden umfassenden Rotte Untoter. Die Zombies: das sind die Leute im objektiven Faschismus.

Wenn der Wirtschaftsprofessor Max Otte im Interview mit der Zeitschrift konkret meint, es habe „in den letzten Jahren zu viele Endzeitfilme gegeben“, dann begreift er nicht, daß es längst gar keine anderen mehr gibt und geben kann, weil jeder Film notwendig die Endzeit widerspiegeln muß, in der und von der er hervorgebracht wird. Die fortschrittlichen Kräfte der bürgerlichen Gesellschaft sind nämlich längst zur vollen Entfaltung gekommen, jetzt wird wieder zusammengefaltet. Oder anders: Die Zombies müssen ihre Ernährung umstellen und sich eben gegenseitig fressen, bis die Linke in ihrer einzigen zukunftsfähigen Gestalt als Bolschewismus ihre vorübergehende Niederlage verkraftet haben wird, um gestärkt neu zu erstehen. Denn wie aus Sein Nichts wurde, wird aus Nichts Sein werden.

zombiezombie

Der kommende Aufschwung

„[Der japanische Premierminister Naoto] Kan erwartet, dass Japan nun einen wirtschaftlichen Aufschwung erleben werde wie die Vereinigten Staaten unter dem «New Deal» von Präsident Franklin Delano Roosevelt in den dreißiger Jahren. Das Erdbeben werde schon bald durch den Wiederaufbau in den betroffenen Regionen große Nachfrage schaffen. Wie die Nachrichtenagentur Kyodo berichtete, forderte der Premier die Bevölkerung auf, die Wirtschaftslage weniger pessimistisch zu sehen.“ (dpa am 13.03.2011)

Die nur scheinbar völlig irrationale Lust am Untergang speist sich aus dem Wissen, daß die Katastrophe immer auch Chancen hervorbringt. Der Deutsche mag sich erinnern: Wenn es für heldenhafte Trümmerfrauen, für goldene Wirtschaftswunderzeiten eben Trümmer braucht, dann darf das Unglück fiebrig herbeigesehnt werden. Die drohende Apokalypse wird zur sehnlich erwarteten Bedingung der Besserung, Gebrauchswerte stören viel eher als Mangel an ihnen. Die letzten Tage der Menschheit sind eigentlich die Vorwehen der Herrschaft des Prinzips totaler Verzombieierung.

Endzeit

Wenn der Kapitalismus sich seinem Zusammenbruch nähert, kehren überwunden geglaubte Arten der Überlebenssicherung in neuer Form zurück. Die ärmsten Opfer der Herrschaft der Bourgeoisie durchstöbern Mülltonnen auf der Suche nach Nahrung, die produziert wurde, aber nicht mehr nützlich ist für die Vermehrung des Geldes und so durch seine Existenz hinderlich ist für das Geschäft. Die Arbeiterklasse wird zur Horde der Sammler. Postmoderne ist dann, wenn der Kapitalismus sich seinem Zusammenbruch nähert und das Durchwühlen von Mülltonnen auf der Suche nach Nahrung, die produziert wurde, aber nicht mehr nützlich ist für die Vermehrung des Geldes und so durch seine Existenz hinderlich ist für das Geschäft, zum Lifestyle und Containern genannt wird.

Zur Verfilmung von McCarthys Straße

„Therefore behold, the days come, saith the LORD, that this place shall no more be called Tophet, nor The valley of the son of Hinnom, but The valley of slaughter.“ (Jeremiah 19:6)

Ein Mann und sein nach dem atomaren Holocaust (oder einem Meteoriteneinschlag? – egal!) geborener Sohn gehen gen Süden zur Küste, um überhaupt ein Ziel zu haben, der Vater trägt einen Colt mit zwei Patronen mit sich, um im Notfall ihr Leben beenden zu können, statt etwa qualvoll verhungern zu müssen. Die Mutter ist aller Wahrscheinlichkeit nach bereits seit mehreren Jahren tot, genauso wie die gesamte Pflanzen- und Tierwelt. Lebensmittel sind also rar, besonders deswegen, weil die beiden zu den „Guten“ gehören und das „Feuer bewahren“ wollen, im Gegensatz zu den allermeisten übrigen Überlebenden, die längst zum Kannibalismus übergegangen sind und/oder bewaffnete Räuberbanden gebildet haben. Extremer Mangel und absolut berechtigtes Mißtrauen bestimmen das Handeln der letzten Menschen, beim Vater kommt noch eine gehörige Portion religiöser Irrsinn mit dazugehörigem Moraldreck hinzu, den er an seinen Sohn, den er für das „Wort Gottes“ halten will, weitergibt. Dazwischen wird ab und an eine Rückblende eingestreut, die Kleinfamilie wird komplett gezeigt. Die Mutter wollte sich am liebsten mit dem Kind umbringen, um ihm das Elend postzivilisatorischer Zeiten zu ersparen, sie wollte „nicht nur überleben“. Anders der Vater, der sich im Laufe des Films immer weiter von seiner rudimentären Moral entfernt und nicht nur in bedrohlichen Situationen tötet, sondern einen Wehrlosen dem sicheren Kälte- und Hungertod überlässt, indem er ihn noch seines letzten Besitzes beraubt. Bevor die Entfremdung zwischen dem Sohn, der sich gebärdet wie das Gute in Person, und ihm unüberbrückbar wird, stirbt er gerade noch rechtzeitig. Das Kind trifft augenblicklich auf eine neue, gute Familie (Vater, Mutter, Sohn, Tochter, Hund, was sonst?), man hat vorher noch das erste wildlebende Tier, einen Käfer, also neues Leben gesehen, die Zukunft schaut gar nicht mehr so schrecklich aus. Der Film ist vorbei.

Was The Road zu einem schwer erträglichen Film macht, ist mitnichten die (wie aufgezeigt nur scheinbare) Hoffnungslosigkeit, sondern im Gegenteil der Mangel an Welt- sowie Religionsuntergang. Die Botschaft des Films wird raunend deutlich gemacht im Gespräch mit einem alten Mann, der nicht zufällig den Namen genau jenes Propheten verpaßt bekommen hat, der vor dem Erscheinen des Messias wieder auftreten soll. Sei brav, sei gut, dann wirst du Gott. So wie der Junge eben. Wären da nicht die postapokalyptischen Zuständen angemessenen trostlosen Landschaftsaufnahmen inklusive verfallender Reste der Errungenschaften vergangener menschlicher Kultur mit zwei kleinen verlorenen Männchen mittendrin, man könnte sich den Film ganz sparen und den behämmerten Christenscheiß gleich im Original lesen (also die Bibel, 1. Teil, dort nach der Geschichte mit Elija suchen, Fortsetzung dann im Neuen Testament).

Lobenswert wäre der Film gewesen, würde er konsequent eine zerstörte Welt zeigen, in der die Letzten ohne Sinn weitermachen, nur um eben weiterzumachen, weil sie ansonsten auch bloß noch sterben könnten. Wollte man unbedingt Moralisten zeigen, wäre es nur richtig, auch deren Scheitern schonungslos zu zeigen. Moral hilft eben nicht gegen Hunger, Verletzungen und Krankheiten. Alle wären gleich am Ende, im Grunde sogar nach dem Ende. The Road ist also nichts als katholizistischer Düsterkitsch, der in Krisenzeiten eine gegen Zivilisation, also kollektiv organisiertes Leben, gerichtete Botschaft verbreitet. Moralisch einwandfreies Überleben als Weg zur Erlösung wird gepredigt, somit also mal wieder nichts anderes als Antikommunismus. Emmerichs 2012 war zwar ähnlich bescheuert, aber da hat’s wenigstens leinwandtauglich gerummst und gekracht. Melancholische Träumer mögen sowas natürlich nicht, für die ist The Road denn auch gedreht worden.

road

Sowas kommt von sowas

Die gewählten Formulierungen können so einfach und frei von allen mots d‘emprunt oder Termini sein, wie es überhaupt nur möglich ist, Verständnis darf nicht erwartet werden. Hat man zehn Leser beisammen, die nicht nur lesen, sondern auch begreifen können, so ist bereits überraschend viel erreicht. Für diese zehn darf man sich dann auch Mühe geben. Für den Rest, die deutschen Massen, die immer mitreden wollen, erst recht, wenn sie nicht wissen, worum es geht, ist der Autor nicht verantwortlich, ihr sowohl geistiges als auch materielles Elend ist von ihnen selbst gewollt. Gibt man denen von ihnen, die Die Linke wählen, eine Ausgabe von Mein Kampf zu lesen und sagt ihnen, das sei das neue Programm ihrer Partei, so werden sie allerhöchstens Einzelheiten debattieren wollen. Wissen sie aber, wer das Buch geschrieben hat, so werden sie furchtbar empört sein, weil sie von Nationalsozialismus offiziell so wenig wie von „Fremdarbeitern“ (Lafontaine) halten. Jubelt man den Wählern der NPD wiederum das Programm der Linkspartei als verlorene Schrift Adolf Hitlers unter, so werden sie hoch erfreut reagieren. Gemeinsam halten sie Lenin und Stalin für Verbrecher.
Wenn nun die Regierung dieser Leute ankündigt, die Hartz IV-Sätze nur um popelige fünf Euro zu erhöhen, nachdem davor ausschließlich höhere Beträge im Gespräch waren, demonstrieren sie mit um Mitleid heischenden Parolen wie etwa „Wir kämpfen um unsre Zukunft“, die auf Papierrollen stehen, die – wie putzig! – von Grundschülern getragen werden, und fragen sich, was falsch gelaufen ist. Nichts ist falsch gelaufen, so gar nichts. Wer unbedingt Ausbeutung will, soll seine Fresse halten, wenn er sie auch kriegt. Wer sich ohnehin nicht von der Diktatur des Kapitals befreien will, der soll nicht dumm jammern, wenn er sie auch zu spüren kriegt. Sollen sie doch obdachlos werden und im Park erfrieren, sollen sie sich doch bis dahin mit drei Jobs und schweren Gesundheitsschäden plagen, sollen sie doch am Ende im nächsten Weltkrieg an der Front im Kugelhagel fallen. Das ist dann genau das, was sie sich ausgesucht haben. Es wurde ihnen oft genug gesagt: Sozialismus oder Barbarei. Sie entschieden sich für die Barbarei, sie bekamen die Barbarei. Jetzt gibt es keine Ausreden der Art mehr, man habe von nichts gewußt, man habe das ja nicht absehen können. Diese Ausflüchte waren immer schon gelogen. Ratten verlassen sinkende Schiffe, Deutsche bleiben treu auch im Untergang. Wenn sie wenigstens das Maul halten könnten während sie absaufen, wäre denen, die nicht auf der Seite des barbarischen Kapitalismus stehen, immerhin ein wenig geholfen.

bismarck

Zu Romeros Kunst

„Die größten Monster sind doch sowieso unsere Nachbarn, der schlimmste Horror befindet sich immer direkt nebenan. Die Zombies lernen, sie imitieren die Menschen, was wiederum die Frage aufwirft, ob sich die Menschen wie Zombies benehmen.“ (George A. Romero)

Trotz des Kultstatus, der George A. Romeros Zombie-Filmen zugesprochen wird, und der breiten Rezeption, die ihnen zuteil wird, werden sie nicht verstanden. Sie werden als „sozialkritisch“ verharmlost, um die treffende, unromantische Darstellung des Elends der den Friedhof des Spätkapitalismus Füllenden erträglich wirken zu lassen. Untote wollen sich nicht selbst erkennen, die Zombies im Film erscheinen ihnen nicht als künstlerische Weise, sie selbst zu zeigen in ihrer ganzen Leblosigkeit, sondern als Gefahr. Die Bedrohung, die sie selber sind, projizieren sie auf die auferstandenen Bestien, statt zu begreifen, daß sie in einen Spiegel blicken. Gerade diese Fehlwahrnehmung ist Bedingung für den Erfolg der Filme Romeros. Indem der fiktionale Horror genossen wird als Fremdes, erscheint der reale Horror als akzeptabel – dementsprechend verkleiden sich lebende Tote anläßlich der „zombie walks“ als lebende Tote. Dabei ist offensichtlich, was Romero, beginnend mit „Night Of The Living Dead“ bis zu „Survival Of The Dead“, vorführt: Seine Zombies entwickeln sich von Film zu Film weiter, sie lernen dazu, werden klüger und feinfühliger, während die Menschen in der Wirklichkeit immer blöder, gefühlloser und asozialer werden – ein Spiegel bildet die Realität schließlich seitenverkehrt ab. Der Verfall der Menschheit im Kapitalismus wird folgerichtig umgekehrt aufgeführt, anfangend mit seinem zwangsläufigen Endpunkt, sollte der Sozialismus nicht wieder die Bedingungen menschlicher Gesellschaft herstellen. Man kann daher Romeros ersten Film als Warnung begreifen vor dem, was bevorsteht, wenn die Restauration antikommunistischer Verhältnisse gänzlich Erfolg haben wird: Wanken, Töten, Fressen, ohne jede Emotion und ohne jede Vernunft – Gesellschaft als dauerhaftes Pogrom. Das wäre allerdings kein Rückfall in vorgesellschaftliche, tierische Zeiten, sondern die Vollendung von Menschen geschaffener Zustände, die ihren Zenit längst schon überschritten haben. Je verfaulter die Gesellschaft, desto verrotteter die Menschen, die sie bilden. Wir wollen diesen Text jedoch nicht negativ beenden, denn es gibt keinen Grund dafür. Denn je verfaulter die alte Gesellschaft, desto besser sind die Aussichten für die neue, den Sozialismus, der die Bedingungen für Kommunismus bereit stellt. Wir leben in einer revolutionären Epoche, vorübergehende Rückschläge sind unvermeidbar. Der Fortschritt geht seinen Weg, auch wenn dieser nicht schnurgerade1 verläuft. Kein Anlaß also, in apokalyptisches Geflenne zu verfallen, das bleibt den Kritischen Theoretikern wie Robert Kurz überlassen.

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  1. Lenin schrieb dazu Erhellendes u.a. in „Notizen eines Publizisten“.[zurück]

Unmotiviert Zusammengeschustertes

Der Trotzkist Bold höhnte die Tage mit Unterstützung des hier ebenfalls schon erwähnten Mülltonnenbewohners tee, LW und mich meinend:

„Stalinisten auf die Gewalt des Wortes zurückgeworfen. Fast schon niedlich.“

Im Gegensatz zu den höchstens rudimentär alphabetisierten Antikommunisten verfügen wir tatsächlich über die Gewalt des Wortes, auch wenn die Feder/Tastatur nicht unbedingt mächtiger ist als das Schwert/Dauerfeuer der Stalinorgeln. Und demnächst kommt dieses sowieso zurück, noch schöner, besser, wahrer als beim letzten Mal, keine Sorge. Was es allerdings bedeutet, wenn Kommunisten nicht über die Staatsmacht verfügen, ist keineswegs niedlich, sondern brutal ohne Ende. Man kann das hier und dort nachlesen. Ist natürlich um Längen besser als der massenmörderische Stalinismus, schon klar, der war ja auch voll menschenverachtend und so.

Weiter in der kleinen Presseschau. Die aktuelle Astrowoche titelt: „Was wir jetzt tun müssen!“ Geil, jetzt ist der olle Lenin („Was tun?“) wirklich überflüssig und erledigt!

Mal was Positives zwischendrin: Nächsten Monat erscheint endlich [REC]² im Land der verkehrtes deutsch sprechenden Real-Zombies. Katholizismus und Menschenfresser bilden eines der Traumpaare des gepflegten Horrorkinos, ich bin daher mehr als gespannt auf die Fortsetzung von [REC], der mir bereits jetzt ein Klassiker des Genres zu sein scheint.

Zu schlechter Letzt: Der zuverlässig hirnverbrannte Stern entdeckt eine „Discounter-Revolution“, weil grad einer der Aldi-Brüder verreckt ist, von denen nun nur noch einer bei der tatsächlichen Revolution dran glauben wird müssen. Den könnte man dann eigentlich in einem verkehrt beschrifteten Karton verscharren.

rec