Archiv der Kategorie 'commünismus'

Logik des Terrors

Die Logik linker Antisemiten ist terroristisch. Indem die Hamas kürzlich Abbas‘ UN-Plan unterstützte, erkannte sie in den Augen des angeblich marxistischen Volksfrontlers Nassar Ibrahim den Staat Israel an. Die vom Gazastreifen aus abgefeuerten Raketen stellen demzufolge die islamistische Variante einer Respektsbekundung dar, die hierzulande einstmals durch Lüpfen des Hutes oder eine Verbeugung Ausdruck fand. So geraten die Nazis der Gegenwart den rechtsradikalen Linken zu den eigentlich Zivilisierten. Auf dem Kopf stehend mit Marx sich schmücken und Juden anspeien – sozialistische Gesellschaft hätte dafür selbst im Zirkus keinen Platz. Jedoch gelingt der jungen Welt versehentlich ein weiterer Beweis für die Notwendigkeit umfangreicher Gulags. Es wäre auch ohne gegangen.

Zum achtundsechziger Elend sowie seinen mitunter noch elendigeren zweitausendundzwölfer Fortsetzungen I

„Pilades Bar war in jenen Jahren der Freihafen, die galaktische Taverne, in der die Aliens von Ophiuchus, die den Planeten Erde belagerten, sich zwanglos mit den Männern des Imperiums trafen, die auf den Van-Allen-Gürteln patrouillierten. Es war eine Bar am Rande der Mailänder Altstadt, mit Zinktresen und Billard, wohin morgens die Straßenbahner und Handwerker aus der Gegend kamen, um sich einen kleinen Weißen zu gönnen. Achtundsechzig und in den folgenden Jahren war Pilade dann so etwas wie Rick’s Bar geworden, wo man den Aktivisten der Studentenbewegung beim Kartenspiel sehen konnte, am selben Tisch mit dem Journalisten der bourgeoisen Zeitung, der sich nach Redaktionsschluß einen genehmigte, während die ersten Lastwagen schon unterwegs, um die Lügen des Systems zu verbreiten. Doch bei Pilade fühlte sich auch der Journalist als ein ausgebeuteter Proletarier, ein Produzent von Mehrwert, in Ketten gelegt, um Ideologie zu fabrizieren, und die Studenten erteilten ihm Absolution.“ (Umberto Eco: Das Foucaultsche Pendel, S. 66)

6. Februar 1968
Seit sechs Tagen ist die Vietcong-Offensive. Um mich herum in der Bundesrepublik verändert sich alles. Alle fünf Minuten gibt es irgendwo eine Schüler- oder Studentendemonstration. Schauspieler verteilen Flugblätter vor der Vorstellung. Rechte Fernsehfritzen sind auf einmal links. Clubs schießen aus dem Boden. Auch in Köln. Es ist kein Arbeiter darunter.
Abends bei Hacks unterhalten wir uns über diese neue und unerwartete politische Bewegung in der BRD. Hacks: „Es gibt dafür drei Ursachen: 1. der Verfall des moralischen Ansehens der USA durch den Krieg in Vietnam. 2. Die erste, wenn auch harmlose Wirtschaftskrise in der BRD. 3. Der politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Aufstieg der DDR. Die Frage ist: Ob es bei einer Studenten- und Schülerrevolution bleibt, oder ob wirklich Proletariermassen in Bewegung kommen?“ Ich bezweifele letzteres. Hacks: „Dann wird alles auf eine Theaterrevolution herauslaufen, möglicherweise ein wenig interessant und sicherlich recht drollig. Aber mehr ist dann nicht drin. Aber wir können dann bald wildgewordene Kleinbürger in Aktion sehen. Ich schwöre dir, wir werden das bald über haben.“
(André Müller sen.: Gespräche mit Hacks 1963 – 2003, S. 28)

paeris

Eine weitere Folge der beliebten Serie „Deutsche Linke vorgeführt“

Heute: [pærɪs], ein Grüppchen Berliner mit trauriger Vergangenheit, ohne Zukunft

Man lasse die Comünist_Innen reden, sie zeigen sich dann ganz von selbst als die altbekannten Revisionistenarschlöcher, die sie bestenfalls sind. So fällt ihnen, wenn sie meinen, was zum Sozialismus sagen zu müssen, und das meinen sie andauernd, nur sowas ein:

„Das ist ganz sicher keine wünschenswerte Gesellschaft. Schon allein deshalb, weil eine Verstaatlichung der Produktion, so dass dann alle unter dem Kommando des Staates statt dem der verschiedenen Privateigentümer arbeiten, kein Schritt in Richtung einer emanzipatorischen Gesellschaft ist, sondern nur eine andere Form gesellschaftlicher Herrschaft. Insofern waren die realsozialistischen Länder auch nicht “auf halbem Wege” zu Kommunismus und haben auch keinen Schritt in die richtige Richtung unternommen.“

Die werfen der Diktatur des Proletariats allen Ernstes vor, die Diktatur des Proletariats zu sein. Na und? fragt der Kommunist achselzuckend und versteht ein weiteres Mal das anarchistische Idealistengekröse kein bißchen, was nun wirklich nicht sein Fehler ist. Da gibt es halt nichts zu verstehen, Pech für die Argumentanarchos, die ausgerechnet sich selbst berufen sehen, um aufzuklären, einige hundert Jahre zu spät und gedankenlos leider. Da bleibt nur noch, als „Kommunist“ doch sich etwas abzuheben von all den anderen, die man anstatt seiner selbst aufgeklärt wissen will, als bräuchte es keine Lichtquelle zur Erhellung, als würde die postgesellschaftliche Finsternis heller, wenn man nur oft genug „Argument einleuchten“ als fränkischen Zauberspruch ausspricht, als sollten Tote noch einmal lebendig gemacht statt erledigt zu werden, als würde agitatorisches Gelaber etwas nützen, wenn die Menschen abhanden gekommen sind, wenn von immerhin potentiellen Individuen nichts blieb als leblose Gefäße lebendiger Arbeitskraft. Dann werden zu Kronzeugen der Emanzipation solche antisemitischen Irre wie Solschenizyn, der einen der am längsten andauernden Anlässe für die Trauer um’s letzte Gulag darstellte, oder Isaac Deutscher, der Trotzkist, der sich ständig wiederholend nichts gegen Stalin vorzubringen wusste als dessen angebliche ständige Wiederholungen, oder halt die Kapitalistenarschbekriecher von der Jungen Linken. Balzac wusste:

„In Paris hat man eine gewisse Art, einen Menschen zu erledigen, indem man ihm sagt: Er hat ein gutes Herz. Dieser Satz bedeutet ebensoviel wie: Der arme Junge ist dumm wie ein Rhinozeros.“

Die Paeriser haben ein äußerst gutes Herz.

Nebenbei IX

„Kommunistische Kritik muss also zwangsläufig in Verhältnisse wie die DDR und die Sowjet-Union führen. Wieder was gelernt.“ (Wayne)

Das ist völlig falsch. Das, was als „kommunistische Kritik“ viel zu viele Gehirne verstopft, führt zu nichts, das sich qualitativ vom Ist-Zustand der Gesellschaft unterscheiden ließe. Der Marxismus, gesäubert von allem, das zum letzten Ziel, dem Kommunismus hinführt, also von allem Positivem, ist, seiner Dialektik beraubt, nicht mehr als eine pseudorebellische Geste, die nur noch ein machtloses „Nein“ artikuliert, und somit kein Marxismus mehr. Dieses „Nein“, das sich ebenso gegen jeden ernstzunehmenden Versuch, der Barbarei ein Ende zu setzen und Vernunft in die Gesellschaftsordnung zu bringen, richtet, wird in seiner Ablehnung des Sozialismus vollends und offen zur Bestätigung des Monopolkapitalismus. Die ungeschickteren Vertreter dieser rein negativen Kritikscheiße geben das zu – kommunistisch nur in ihrem Selbstbild, antikommunistisch in allem anderen.

„Ernsthaft, Honnecker, Stalin und Konsorten ist sogar das Bestehende noch vorzuziehen. Aber für solche Idioten konnte Marx ja nix.“ (Wayne)

Auch das ist völliger Unsinn. Honecker war kein Stalinist, Stalin jedoch Marxist, und wenn jemand für jemand anderen nichts konnte, dann Marx und Stalin für Honecker, sehr wohl aber für Ulbricht. Doch was interessiert einen aufrechten Kritiker schon die Realität?

Maskerade

„Das » … ums Ganze«-Bündnis bezeichnet sich sogar als »kommunistisches Bündnis«. Soll das eine bewusste Abgrenzung gegenüber Anarchisten und undogmatischen Linken sein?

Die Debatte ist in den letzten 20 Jahren ja deutlich entspannter geworden, die Abgrenzungsbedürfnisse sind weniger stark als früher. Es ist aber auch klar geworden, dass wir nicht sagen können, der Realsozialismus ist die Geschichte der bösen ML-Parteien und wir haben damit nichts zu tun, wir haben uns nicht die Hände schmutzig gemacht und wir beziehen uns nur auf die positiven Elemente wie den Rätekommunismus der Spanien-Kämpfer. Nein, die Russische Revolution ist in Terror umgeschlagen, aber wir können die nicht einfach aus unserer Geschichte streichen, wir wollen uns aus dieser Geschichte nicht heimlich davonstehlen. Insofern ist das auch eine Form von Aufarbeitung und von Geschichtsbewusstsein, den Begriff Kommunismus wieder offensiv aufzunehmen. Aber wir nehmen ihn als vorbelasteten Begriff auf, das ist klar.“ (Frage von Ivo Bozic, Antwort von Marlies Sommer)

Um weniger tippen, reden und drucken zu müssen, hätte Inhaltsgleiches völlig genügt:

- Seid ihr Kommunisten?
- Um Gottes willen, nein!
- Warum nennt ihr euch dann so?
- Weil es in antikommunistischer Absicht aus taktischen Gründen vorteilhaft ist zu lügen, sonst hält eventuell jemand Kommunismus für vernünftig, und das kann wirklich kein Zombie wollen. Mit unserem Kongreß wollen wir, indem wir Richtiges verkehrt darstellen und Falsches als Wahrheit ausgeben, hirnzellenlähmende Langeweile und Handlungsunfähigkeit erzeugen, damit wir als Kritiker in Ewigkeit unsere elende Funktion ausüben können.