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1968 – 2011: Eine kurze Geschichte der Zombies

Mit Night of the Living Dead erschienen 1968 die Zombies des späten Imperialismus auf der Leinwand – deutlich unterscheidbar von den Zombies der Kolonialisierten, aber auch den frühen imperialistischen. Sie waren gekommen, um zu bleiben, denn in der Hölle war kein Platz mehr und ist es bis heute nicht. Die Untoten wandeln seither tags wie nachts auf diesem Planeten und machen keine Anstalten, sich wieder zu verziehen. Im Gegenteil, mittlerweile ist der Horrorfilm mit Zombies keine bizarre Randerscheinung mehr für fehlgeleitete Jugendliche, die keinen Fick, aber Akne abgekriegt haben, sondern wird an Universitäten genauso wie auf Schulhöfen besprochen. Sogar eine Fernsehserie, The Walking Dead, startete letztes Jahr in den USA, die Comic-Hefte, auf denen sie basiert, werden weiterhin fortgesetzt. Der spazierende Kadaver gehört also zum Alltag, dieser wäre ohne jenen nicht mehr vorstellbar. Das allerdings ist kein Zufall, keine der vorübergehenden Moden, wie sie in der an Belanglosigkeiten reichen Populärkultur üblich ist.

Als die Zombies ihren unaufhaltsamen Siegeszug antraten, war es dem Fortschritt bereits an den Kragen gegangen. In der Sowjetunion ersetzte Nikita Chruschtschow Josef Stalin und leitete sofort die sogenannte Entstalinisierung ein, was nichts anderes als den Beginn des Endes wirklichen Sozialismus in größerem Maßstab bedeutete. Der Revisionismus griff um sich, so unaufhaltsam wie eine Horde hungriger Leichen. Neue Linke im Westen und Chinas Linksabweichler komplettierten das Bild, bis Gorbatschow den letzten entscheidenden Rückschritt vollzog. Nun war der Kapitalismus so global geworden wie nur irgend möglich – die spärlichen, unwesentlichen Ausnahmen bestätigen die Regel – bei gleichzeitigem Eintreten der Leichenstarre. Hatten die sozialistischen Errungenschaften noch die Staaten des Kapitals manche Härten abzumildern gezwungen, um den Antikommunismus der Untertanen nicht infrage zu stellen, war damit die Zeit der allgemeinen Entsagung angebrochen, bis es zum Skandal werden konnte, wenn sich die Vorsitzende einer linken Partei Gedanken über einen antistalinistischen Kommunismus macht oder ein kriegführender Friedensnobelpreisträger Krankenversicherungen für jedermann durchzusetzen versucht. Auch ein arbeiterfeindlicher Reaktionär wie Bismarck müsste sich heute vor dem vergesellschafteten McCarthyism hüten.

Während also die Manifestation der Vernunft im Schwinden begriffen war und das Kapital seinem Wesen entsprechend alle Grenzen einebnete, wanderte der Zombie aus verruchten Schatten ins grelle Licht der Öffentlichkeit und wandelte sich vom Schockzustand auslösenden Ungeheuer zum liebgewonnenen Begleiter, was nichts anderes heißen kann, als daß die, die ihn anschauen, ihm längst zu gleich geworden sind, um sich von Ihresgleichen noch ins Bockshorn jagen zu lassen. Wenn Zombies in erfolgreichen Serien auftreten, nicht mehr bloß in Filmen für Liebhaber obskurer Unterhaltung, die in eigenen Bereichen der Videotheken versteckt werden, sind sie im Grunde nicht mehr zu unterscheiden von den Figuren in GZSZ oder den eigenen Kollegen, Nachbarn, Verwandten genauso wie den Bossen, Aktionären, Regierenden. Wo keiner mehr lebendig ist, da macht es keinen Sinn von Klassen zu sprechen, da niemand mehr den Klassenwiderspruch zu denken und fühlen fähig ist. Das ist genau der Zustand, wenn der Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit negativ aufgehoben ist in der Milliarden umfassenden Rotte Untoter. Die Zombies: das sind die Leute im objektiven Faschismus.

Wenn der Wirtschaftsprofessor Max Otte im Interview mit der Zeitschrift konkret meint, es habe „in den letzten Jahren zu viele Endzeitfilme gegeben“, dann begreift er nicht, daß es längst gar keine anderen mehr gibt und geben kann, weil jeder Film notwendig die Endzeit widerspiegeln muß, in der und von der er hervorgebracht wird. Die fortschrittlichen Kräfte der bürgerlichen Gesellschaft sind nämlich längst zur vollen Entfaltung gekommen, jetzt wird wieder zusammengefaltet. Oder anders: Die Zombies müssen ihre Ernährung umstellen und sich eben gegenseitig fressen, bis die Linke in ihrer einzigen zukunftsfähigen Gestalt als Bolschewismus ihre vorübergehende Niederlage verkraftet haben wird, um gestärkt neu zu erstehen. Denn wie aus Sein Nichts wurde, wird aus Nichts Sein werden.

zombiezombie

Zur Verfilmung von McCarthys Straße

„Therefore behold, the days come, saith the LORD, that this place shall no more be called Tophet, nor The valley of the son of Hinnom, but The valley of slaughter.“ (Jeremiah 19:6)

Ein Mann und sein nach dem atomaren Holocaust (oder einem Meteoriteneinschlag? – egal!) geborener Sohn gehen gen Süden zur Küste, um überhaupt ein Ziel zu haben, der Vater trägt einen Colt mit zwei Patronen mit sich, um im Notfall ihr Leben beenden zu können, statt etwa qualvoll verhungern zu müssen. Die Mutter ist aller Wahrscheinlichkeit nach bereits seit mehreren Jahren tot, genauso wie die gesamte Pflanzen- und Tierwelt. Lebensmittel sind also rar, besonders deswegen, weil die beiden zu den „Guten“ gehören und das „Feuer bewahren“ wollen, im Gegensatz zu den allermeisten übrigen Überlebenden, die längst zum Kannibalismus übergegangen sind und/oder bewaffnete Räuberbanden gebildet haben. Extremer Mangel und absolut berechtigtes Mißtrauen bestimmen das Handeln der letzten Menschen, beim Vater kommt noch eine gehörige Portion religiöser Irrsinn mit dazugehörigem Moraldreck hinzu, den er an seinen Sohn, den er für das „Wort Gottes“ halten will, weitergibt. Dazwischen wird ab und an eine Rückblende eingestreut, die Kleinfamilie wird komplett gezeigt. Die Mutter wollte sich am liebsten mit dem Kind umbringen, um ihm das Elend postzivilisatorischer Zeiten zu ersparen, sie wollte „nicht nur überleben“. Anders der Vater, der sich im Laufe des Films immer weiter von seiner rudimentären Moral entfernt und nicht nur in bedrohlichen Situationen tötet, sondern einen Wehrlosen dem sicheren Kälte- und Hungertod überlässt, indem er ihn noch seines letzten Besitzes beraubt. Bevor die Entfremdung zwischen dem Sohn, der sich gebärdet wie das Gute in Person, und ihm unüberbrückbar wird, stirbt er gerade noch rechtzeitig. Das Kind trifft augenblicklich auf eine neue, gute Familie (Vater, Mutter, Sohn, Tochter, Hund, was sonst?), man hat vorher noch das erste wildlebende Tier, einen Käfer, also neues Leben gesehen, die Zukunft schaut gar nicht mehr so schrecklich aus. Der Film ist vorbei.

Was The Road zu einem schwer erträglichen Film macht, ist mitnichten die (wie aufgezeigt nur scheinbare) Hoffnungslosigkeit, sondern im Gegenteil der Mangel an Welt- sowie Religionsuntergang. Die Botschaft des Films wird raunend deutlich gemacht im Gespräch mit einem alten Mann, der nicht zufällig den Namen genau jenes Propheten verpaßt bekommen hat, der vor dem Erscheinen des Messias wieder auftreten soll. Sei brav, sei gut, dann wirst du Gott. So wie der Junge eben. Wären da nicht die postapokalyptischen Zuständen angemessenen trostlosen Landschaftsaufnahmen inklusive verfallender Reste der Errungenschaften vergangener menschlicher Kultur mit zwei kleinen verlorenen Männchen mittendrin, man könnte sich den Film ganz sparen und den behämmerten Christenscheiß gleich im Original lesen (also die Bibel, 1. Teil, dort nach der Geschichte mit Elija suchen, Fortsetzung dann im Neuen Testament).

Lobenswert wäre der Film gewesen, würde er konsequent eine zerstörte Welt zeigen, in der die Letzten ohne Sinn weitermachen, nur um eben weiterzumachen, weil sie ansonsten auch bloß noch sterben könnten. Wollte man unbedingt Moralisten zeigen, wäre es nur richtig, auch deren Scheitern schonungslos zu zeigen. Moral hilft eben nicht gegen Hunger, Verletzungen und Krankheiten. Alle wären gleich am Ende, im Grunde sogar nach dem Ende. The Road ist also nichts als katholizistischer Düsterkitsch, der in Krisenzeiten eine gegen Zivilisation, also kollektiv organisiertes Leben, gerichtete Botschaft verbreitet. Moralisch einwandfreies Überleben als Weg zur Erlösung wird gepredigt, somit also mal wieder nichts anderes als Antikommunismus. Emmerichs 2012 war zwar ähnlich bescheuert, aber da hat’s wenigstens leinwandtauglich gerummst und gekracht. Melancholische Träumer mögen sowas natürlich nicht, für die ist The Road denn auch gedreht worden.

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Zu Romeros Kunst

„Die größten Monster sind doch sowieso unsere Nachbarn, der schlimmste Horror befindet sich immer direkt nebenan. Die Zombies lernen, sie imitieren die Menschen, was wiederum die Frage aufwirft, ob sich die Menschen wie Zombies benehmen.“ (George A. Romero)

Trotz des Kultstatus, der George A. Romeros Zombie-Filmen zugesprochen wird, und der breiten Rezeption, die ihnen zuteil wird, werden sie nicht verstanden. Sie werden als „sozialkritisch“ verharmlost, um die treffende, unromantische Darstellung des Elends der den Friedhof des Spätkapitalismus Füllenden erträglich wirken zu lassen. Untote wollen sich nicht selbst erkennen, die Zombies im Film erscheinen ihnen nicht als künstlerische Weise, sie selbst zu zeigen in ihrer ganzen Leblosigkeit, sondern als Gefahr. Die Bedrohung, die sie selber sind, projizieren sie auf die auferstandenen Bestien, statt zu begreifen, daß sie in einen Spiegel blicken. Gerade diese Fehlwahrnehmung ist Bedingung für den Erfolg der Filme Romeros. Indem der fiktionale Horror genossen wird als Fremdes, erscheint der reale Horror als akzeptabel – dementsprechend verkleiden sich lebende Tote anläßlich der „zombie walks“ als lebende Tote. Dabei ist offensichtlich, was Romero, beginnend mit „Night Of The Living Dead“ bis zu „Survival Of The Dead“, vorführt: Seine Zombies entwickeln sich von Film zu Film weiter, sie lernen dazu, werden klüger und feinfühliger, während die Menschen in der Wirklichkeit immer blöder, gefühlloser und asozialer werden – ein Spiegel bildet die Realität schließlich seitenverkehrt ab. Der Verfall der Menschheit im Kapitalismus wird folgerichtig umgekehrt aufgeführt, anfangend mit seinem zwangsläufigen Endpunkt, sollte der Sozialismus nicht wieder die Bedingungen menschlicher Gesellschaft herstellen. Man kann daher Romeros ersten Film als Warnung begreifen vor dem, was bevorsteht, wenn die Restauration antikommunistischer Verhältnisse gänzlich Erfolg haben wird: Wanken, Töten, Fressen, ohne jede Emotion und ohne jede Vernunft – Gesellschaft als dauerhaftes Pogrom. Das wäre allerdings kein Rückfall in vorgesellschaftliche, tierische Zeiten, sondern die Vollendung von Menschen geschaffener Zustände, die ihren Zenit längst schon überschritten haben. Je verfaulter die Gesellschaft, desto verrotteter die Menschen, die sie bilden. Wir wollen diesen Text jedoch nicht negativ beenden, denn es gibt keinen Grund dafür. Denn je verfaulter die alte Gesellschaft, desto besser sind die Aussichten für die neue, den Sozialismus, der die Bedingungen für Kommunismus bereit stellt. Wir leben in einer revolutionären Epoche, vorübergehende Rückschläge sind unvermeidbar. Der Fortschritt geht seinen Weg, auch wenn dieser nicht schnurgerade1 verläuft. Kein Anlaß also, in apokalyptisches Geflenne zu verfallen, das bleibt den Kritischen Theoretikern wie Robert Kurz überlassen.

madness

  1. Lenin schrieb dazu Erhellendes u.a. in „Notizen eines Publizisten“.[zurück]

Unmotiviert Zusammengeschustertes

Der Trotzkist Bold höhnte die Tage mit Unterstützung des hier ebenfalls schon erwähnten Mülltonnenbewohners tee, LW und mich meinend:

„Stalinisten auf die Gewalt des Wortes zurückgeworfen. Fast schon niedlich.“

Im Gegensatz zu den höchstens rudimentär alphabetisierten Antikommunisten verfügen wir tatsächlich über die Gewalt des Wortes, auch wenn die Feder/Tastatur nicht unbedingt mächtiger ist als das Schwert/Dauerfeuer der Stalinorgeln. Und demnächst kommt dieses sowieso zurück, noch schöner, besser, wahrer als beim letzten Mal, keine Sorge. Was es allerdings bedeutet, wenn Kommunisten nicht über die Staatsmacht verfügen, ist keineswegs niedlich, sondern brutal ohne Ende. Man kann das hier und dort nachlesen. Ist natürlich um Längen besser als der massenmörderische Stalinismus, schon klar, der war ja auch voll menschenverachtend und so.

Weiter in der kleinen Presseschau. Die aktuelle Astrowoche titelt: „Was wir jetzt tun müssen!“ Geil, jetzt ist der olle Lenin („Was tun?“) wirklich überflüssig und erledigt!

Mal was Positives zwischendrin: Nächsten Monat erscheint endlich [REC]² im Land der verkehrtes deutsch sprechenden Real-Zombies. Katholizismus und Menschenfresser bilden eines der Traumpaare des gepflegten Horrorkinos, ich bin daher mehr als gespannt auf die Fortsetzung von [REC], der mir bereits jetzt ein Klassiker des Genres zu sein scheint.

Zu schlechter Letzt: Der zuverlässig hirnverbrannte Stern entdeckt eine „Discounter-Revolution“, weil grad einer der Aldi-Brüder verreckt ist, von denen nun nur noch einer bei der tatsächlichen Revolution dran glauben wird müssen. Den könnte man dann eigentlich in einem verkehrt beschrifteten Karton verscharren.

rec

Sinnvoll Zeit nutzen

Die Lektüre der stets erfrischenden Texte Lenins ist eine wahre Wohltat, während man zwischen den Zombies zu sitzen gezwungen ist. So lässt sich revolutionäre Ungeduld hervorragend beseitigen.

ihr halt

Von diesem und jenem Horror

A

1. Längst ist alles Nötige gesagt. Der Rest ist Kür.

2. Satire ist Ernst. Daher ist jedes Wort, das nicht zum Kuscheln aufruft, sondern den Feind attackiert und trifft, notwendig satirisch. Wieland, Heine, Kraus und Poth betätigten sich als Satiriker nicht mit harmlosen Possen oder versöhnender Pöbelbespaßung, sondern standen als Vertreter „stalinophiler“ Vernunft (als gäbe es eine andere!) für Fortschritt, was ihnen bis in absehbare Zeit nicht verziehen werden wird. Die Folge ist die mutwillige Verwechslung von Satire mit Firlefanz.

3. Ernsthaftigkeit und Konsequenz sind weithin verhasst. Wer nicht sofort jede seiner Äußerungen untertänigst einschränkt, relativiert, zurückzieht, also entwertet, wird damit rechnen müssen, sich in Windeseile von den Subjektivisten aller Couleur alle Verachtung, zu der sie fähig sind, zuzuziehen. Das ist gewiss kein Schaden. Das Wahre verträgt sich nunmal schlecht mit dem Beliebigen, Zufälligen, Wirren. So verhält es sich auch mit Materialisten und Idealisten.

B

Es existieren zwei unterschiedliche, geradezu entgegengesetzte Arten des fiktionalen Horrors im Film. Die eine zeigt den Schrecken in Form von Zombies und verwandten untoten Fleischfressern, Werwölfen, sadistischen Hinterwäldlern mit Kettensägen oder anderen Totfolterern. Der Schrecken ist stets körperlich manifest und materiell. Bis zum Letzten, bis zum Äußersten reicht der scharfe Blick, der somit nicht anders denn aufklärerisch genannt werden kann. Die Gesellschaft erscheint als das sinnlose Schlachthaus, das sie ist. Die andere Art des Horrorfilms betreibt das Geschäft der Gegenseite. Unsichtbare Geisterwesen, unerklärliche übersinnliche Phänomene und hochemotionale Blutsauger sind das Personal, das regelmäßig Verwendung findet. Nicht zufällig gipfelte die Entwicklung dieser Filme in teenagerbeglückendem Unsinn wie „Twilight“, der so glattpoliert, umnachtet und hochromantisch ist, als hätte ein postmoderner Novalis Regie geführt.
Die Innenwelt der subjektivistischen Individualisten gleicht nun den Erscheinungen, die man zu Genüge aus den zahllosen in einer verlassenen Geistervilla oder an ähnlichen verhexten Orten spielenden Filmen kennt, ihre objektive Rolle besteht im Verschleiern all dessen, was über das sogenannte Individuelle, das der Fetisch des selbstbegrenzten und zu Erkenntnis ebenso wenig wie zu Erfahrung oder wenigstens ungetrübter Wahrnehmung befähigten (Nicht-, weil bis zur Unkenntlichkeit verstümmelten) Subjektes ist, hinausreicht und erfahrbar ist in klassischen Werken der Aufklärung wie etwa „The Texas Chainsaw Massacre“ oder „Paura nella città dei morti viventi“.

ghostbusters

Junge Linke auf Opium

Nichts gegen eine gründliche Schulung, denn ein nicht geringer Teil der Arbeit der Kommunistischen Partei besteht darin, die „Arbeiter (wie auch die Studenten und Gymnasiasten) so [zu] schulen, daß man mit ihnen über diese Fragen [gemeint sind „die Fragen der „Politik“ und der „Organisation““; S. Hirschfeld] reden kann“, wie Lenin in „Was tun?“, einer Schrift, von der für gewöhnlich nur mehr ihr Titel bekannt ist, treffend bemerkte, doch wenn die bibeltreue Teenagerlinke aus den 10 Geboten zitierend (für die Doofen: siehe rechtes Transparent) Schulen fordert, wird sie solche im Sinn haben, die nichts lehren, sondern „das volksverdummende Opium Religion“ (wieder Lenin) gleich kübelweise an ihre Insassen verteilen. Derartiges ließe sich verhindern, indem Stanislaw Hirschfeld, ergo „der Mensch also nicht mehr bloß denkt, sondern auch lenkt“, denn „dann erst verschwindet die letzte fremde Macht, die sich jetzt noch in der Religion widerspiegelt, und damit verschwindet auch die religiöse Widerspiegelung selbst, aus dem einfachen Grunde, weil es dann nichts mehr widerzuspiegeln gibt“ (Engels). Bis dahin erfreuen sich die religiösen Drogendealer vorerst beachtlicher Beliebtheit, während sie sich einen guten, komfortabel lünettengestützten Platz unter dem Fallbeil sichern.

bibeltreue linke

Nachtrag:

Die Guillotine, „eine Maschine, die den Kopf im Handumdrehen entfernt und das Opfer nichts anderes spüren lässt als ein Gefühl erfrischender Kühle“ (Joseph-Ignace Guillotin), wird oben selbstredend nicht zufällig erwähnt, ist sie doch ein ganz und gar revolutionäres Gerät, das wie kaum ein anderer Gebrauchsgegenstand für égalité steht. Somit ist sie auch in kommenden Zeiten geeignet, das Objekt der Wahl zu sein, sich konterrevolutionärer Elemente zu entledigen.

two or more

Gefangen in der Hölle des Subjektiven

Vechta – eine verhinderte Weltmetropole, die ausser Rolf Dieter Brinkmann nichts von Bedeutung hervorgebracht hat, gibt es auch auf links und nennt sich in dieser Form folgerichtig „Linkes Vechta“ („Nicht die Linkspartei ;)“). Man ist selbstverständlich „emanzipatorisch, antiautoritär, antirassistisch, antifaschistisch, antisexistisch, anti-antisemitisch, nicht-kommerziell“ und, wie könnte es anders sein, obendrein noch antilookistisch:

„Gutes Aussehen“ ist ein Marktwert innerhalb der konkurrierenden, kapitalistischen Gesellschaft, und der positive Bezug auf „Schönheit“ führt gleichzeitig zur Diskriminierung von anderen, die von dieser konstruierten körperlichen Norm abweichen.

Auch wenn die kapitalistische Gesellschaft mit nichts mehr konkurriert, weil es keine von ihr unterschiedliche mehr gibt, verblüfft doch, was den Antis speziell an Schönheit auffällt: Es lässt sich Geld mit ihr machen. So wie mit Bananen, Giftgas, Schulden, Blogs, Musik, Crack und allem anderen, das es gibt. Offensichtlich ist das Problem der Antis also Schönheit selbst. Wie kann man etwas an Schönheit auszusetzen haben, wenn man nicht gerade ein abgrundtief hässlicher Psychopath ist, der von Rachegelüsten getrieben wird (vgl. unzählige Horrorfilme), fragt sich der Freund des Schönen. Da erinnert er sich, bei Hegel (wo sonst?) etwas gelesen zu haben, das das Rätsel lösen kann. Ihm zufolge ist „das Gebiet des Schönen der Relativität endlicher Verhältnisse entrissen und in das absolute Reich der Idee und ihrer Wahrheit emporgetragen“ (Vorlesungen über die Ästhetik). Das muss den Zorn derer erregen, denen „subjektive Betrachtung“ (ebd.) alles ist, die demzufolge nichts Objektives kennen und für möglich halten. Schönheit und Wahrheit halten sie für subjektiv, sofern sie sie nicht grundsätzlich leugnen. Anmaßend finden sie es, wenn jemand „weiß, was die ‚Wahrheit‘“ ist oder sich zumindest für sie interessiert. Das ganze Ziel ihrer Existenz besteht darin, bloß undogmatisch zu meinen; so können sie natürlich weder etwas lernen noch sich ernsthaft bilden (das hielten sie ohnehin für „deutschernst“), denn sie „entstehen immer wieder neu“ und sind daher auf ewig dazu verdammt, immer wieder vergessen zu müssen (vgl. „Memento“). Auch hier denkt man unweigerlich an die klassischen wandelnden Leichen, die nichts mehr wissen und nichts mehr wollen als Gehirne zu fressen. Jedoch sind die, wie sich nach und nach zeigte (zuletzt in „Survival Of The Dead“), erstaunlich lernfähig und daher Anarchos, Antis und all den anderen in ihrer subjektiven Hölle Gefangenen um Längen voraus.


Survival of the Dead Teaser Trailer

George A. Romero’s Survival of the Dead | MySpace Video

Nachtrag zu „Memento“:

Was für ein grundlegend verkehrtes Leben das ist, wenn man ständig „immer wieder neu“ wie aus dem Nichts auftauchen muss, zeigt „Memento“ und stellt dadurch einen wertvollen Beitrag dar im Kampf gegen die postmoderne Beliebigkeit; keinesfalls jedoch ist dieser Film ein „postmoderner Mythos“, wie Andreas Busche in der taz fälschlich behauptete. Schließlich zeigen Shelbys Tätowierungen eben nicht „Fakten und Erinnerungsfragmente“, sondern ungeordnete, weitgehend zufällige, unwahre Schnipsel, die sich von geordnetem Wissen also maßgeblich unterscheiden, die, weil Shelby an sie glaubt und sich nach ihnen richtet, tödliche Irrtümer ermöglichen. Das Fazit ist somit offensichtlich: Wer nichts Objektives mehr erkennen kann, der wird am Ende noch das Schlimmste tun, sogar ohne das selbst zu merken. Wo alles subjektiv ist, regiert objektiv der Wahnsinn.

Das Grauen mit Namen che.blogger.de

Es gehört so sehr zum guten Ton der Linken in Deutschland, von der Linken in Deutschland wenig bis nichts zu halten, wie es in der Punkerszene vom Bahnhofsvorplatz bis zum die Besucher mit Green Day und Foo Fighters beschallenden Club etabliert ist, sich selbst nicht als Punk zu bezeichnen. Beides hat eigentlich gute Gründe und ist dennoch strunzdumm, da es nur der Absicherung dient, sich ohne Bruch mit der eigenen Identität früher oder später aus seinem Milieu entfernen zu können, um sagen zu können, man sei sich selbst doch immer weitgehend treu geblieben (was auch stimmt: kaum ein Linker will die oft eingeforderte Revolution wirklich werden sehen, kaum ein Punk will es sich je ernsthaft mit seinem Kleinbürgernest verscherzen).

Nun gibt es dennoch Linke, die links bleiben. Die bloggen manchmal und zeigen der Welt, warum man kein Linker sein wollen kann. Wenn zum Beispiel ein Flugzeug vollgepackt mit der herrschenden Klasse eines osteuropäischen Landes abstürzt, empfinden sie „[e]infach nur totales Entsetzen, jenseits des weiter Kommentierbaren“, denn so erleidet die Aufarbeitung der „stalinistischen Verbrechen“ einen herben Rückschlag, ein „Ereignis“, „so epochal wie Brandts Kniefall in Warschau“ findet erstmal nicht statt. Was für eine bemerkenswerte Reaktion! Statt den Ausgebeuteten und Beherrschten in Polen zu wünschen, dass die Passagiere des fulminant beendeten Fluges niemals ersetzt werden, bedauert man den ziemlich irrelevanten Tod einiger Arschlöcher, wohl vor allem, weil der Sozialismus nun nicht noch ein bißchen tiefer begraben werden kann unter kapitalistischem Dreck. Aber was soll man schon erwarten von jemandem, der besagten Kniefall spitze fand, der an Idiotie kaum zu überbieten war, denn was hatte Brandt eigentlich am Hut mit den Nationalsozialisten, dass er sich für ihre Untaten hätte entschuldigen können, außer einer Liebe zum Deutschtum freilich und einer grundsätzlichen Gegnerschaft zu real existierenden Versuchen, eine Gesellschaft aufzubauen jenseits von Ausbeutung?

Konsequent küren solche Linken dann auch eine „Bloggerin des Monats“, weil diese einen Stuß daherschreibt, der soviel Wahrheitsgehalt hat wie etwa eine Kirchenpredigt oder eine Führerrede, so dass es Kommunisten ganz anders wird angesichts einer derartigen Menge an Lügen und Dummheiten. Die Chose geht so: Man nehme Marx in Schutz vor Lenin und Stalin, damit bloß niemand je wieder auf die Idee kommt, Marxismus könnte mit etwas anderem zu tun haben als mit ungelesenen Büchern und dämlichen Blogs. Revolution? Egal, solange der gealterte Linke noch „von einigen flotten Studentinnen angebaggert, angebalzt und angeflirtet“ wird, während er sich wohlig daran zurückerinnert, „Fleisch in der veganen Volxküche“ aufgetischt zu haben!

Der Horror geht weiter. So erzählt eine Bande jugendlicher Anarcho-Knalltüten unter dem eiskalt gelogenen Titel „wir denken“:

wir wollen durch bildung, informationen und kulturelle intervention einen analytischen raum für begegnungen schaffen. die analyse ist herbei ein zusammentreffen verschiedener perspektiven im dialog. der diskurs schärft den blick. die diskussion emanzipiert von dogmen.

Es braucht wenig Mühe, um zu verstehen, was das zu bedeuten hat: „Wir sind doof und stolz darauf!“ Undogmatisch sein heißt nichts anderes als nicht wissen zu wollen, verliebt in Diskurse sind die, die sich nichts genau ansehen wollen, Dialog heißt Gelaber, Analyse als Zusammentreffen heißt jede Analyse tunlichst zu vermeiden, kulturelle Intervention heißt häßliche Aufkleber malen und Schönheit hassen und so weiter. So wird Eyjafjallajökull ausgerechnet dafür geschätzt, weil „er_sie“ für die „stillstehende Wirtschaft“ verantwortlich ist. 2010, und die Maschinenstürmer im Bunde mit der Natur gibt es immernoch.

Nun genug mit dem realen Horror, zur Entspannung und Erbauung hin zum fiktionalen Horror. Den hervorragenden Film „Night Of The Living Dead“, in dem es nach Aussage George A. Romeros tatsächlich um Revolution ging, kennt sicher nahezu jeder oder lädt ihn sich mal eben runter. Bei youtube findet sich nun ein Track, der, unterlegt mit Bildschnipseln, aus nichts anderem besteht als aus Originaltönen des Films und die vom Klassiker des Zombiefilms erzeugte Atmosphäre erstaunlich gut transportiert. Eventuell könnte das Cut-Up oder ähnlichem postmodernen Bösen gleichen, Vorsicht ist also geboten!