Archiv der Kategorie 'Klassik'

Zum achtundsechziger Elend sowie seinen mitunter noch elendigeren zweitausendundzwölfer Fortsetzungen I

„Pilades Bar war in jenen Jahren der Freihafen, die galaktische Taverne, in der die Aliens von Ophiuchus, die den Planeten Erde belagerten, sich zwanglos mit den Männern des Imperiums trafen, die auf den Van-Allen-Gürteln patrouillierten. Es war eine Bar am Rande der Mailänder Altstadt, mit Zinktresen und Billard, wohin morgens die Straßenbahner und Handwerker aus der Gegend kamen, um sich einen kleinen Weißen zu gönnen. Achtundsechzig und in den folgenden Jahren war Pilade dann so etwas wie Rick’s Bar geworden, wo man den Aktivisten der Studentenbewegung beim Kartenspiel sehen konnte, am selben Tisch mit dem Journalisten der bourgeoisen Zeitung, der sich nach Redaktionsschluß einen genehmigte, während die ersten Lastwagen schon unterwegs, um die Lügen des Systems zu verbreiten. Doch bei Pilade fühlte sich auch der Journalist als ein ausgebeuteter Proletarier, ein Produzent von Mehrwert, in Ketten gelegt, um Ideologie zu fabrizieren, und die Studenten erteilten ihm Absolution.“ (Umberto Eco: Das Foucaultsche Pendel, S. 66)

6. Februar 1968
Seit sechs Tagen ist die Vietcong-Offensive. Um mich herum in der Bundesrepublik verändert sich alles. Alle fünf Minuten gibt es irgendwo eine Schüler- oder Studentendemonstration. Schauspieler verteilen Flugblätter vor der Vorstellung. Rechte Fernsehfritzen sind auf einmal links. Clubs schießen aus dem Boden. Auch in Köln. Es ist kein Arbeiter darunter.
Abends bei Hacks unterhalten wir uns über diese neue und unerwartete politische Bewegung in der BRD. Hacks: „Es gibt dafür drei Ursachen: 1. der Verfall des moralischen Ansehens der USA durch den Krieg in Vietnam. 2. Die erste, wenn auch harmlose Wirtschaftskrise in der BRD. 3. Der politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Aufstieg der DDR. Die Frage ist: Ob es bei einer Studenten- und Schülerrevolution bleibt, oder ob wirklich Proletariermassen in Bewegung kommen?“ Ich bezweifele letzteres. Hacks: „Dann wird alles auf eine Theaterrevolution herauslaufen, möglicherweise ein wenig interessant und sicherlich recht drollig. Aber mehr ist dann nicht drin. Aber wir können dann bald wildgewordene Kleinbürger in Aktion sehen. Ich schwöre dir, wir werden das bald über haben.“
(André Müller sen.: Gespräche mit Hacks 1963 – 2003, S. 28)

Gegen den Wahnsinn Esra Ayse Onus‘

„Wir können froh sein, dass es sowas wie den Deutschen Idealismus und vor allem die Weimarer Klassik, die die Deutsche Romantik kennzeichnet, gab.“ (Esra Ayse Onus)

Wie kann jemand nur so verwirrt sein und seine Konfusion derart frei von Selbstbewußtsein, doch voller Selbstvertrauen in den eigenen, nicht vorhandenen Geist entblößen?

schillerddr

Krämers Lieder

Sebastian Krämer verdient Lobpreis, denn er ist ein formidabler Pianist und Kabarettist, der beweist, daß Kleinkunst groß sein kann, wenn’s denn der Künstler ist. Selbst seine gesprochenen Texte sind ganz melodisch, die Worte sind stets fein gesetzt, da ist nichts zufällig, alles geschieht hervorragend geplant und heiter. Als Einstieg in Krämers Schaffen empfehlen wir Krämers Lied „Meine Lieder“. Es klingt nicht nur wohl, das tun die andren auch, es macht sich voll klugem Witz lustig über die Richtigen (z.B. Mey, Hoffnungslosigkeit, Nazis, den bürgerlich-behumsten Antinazismus der demokratischen Rassisten, Hamster, lieblose Warentauschkontakte), das tun die andren auch, es offenbart, eher scheinbar als wirklich, Krämers Beziehung zu seinen eigenen Liedern, das tun die andren nicht so direkt. Sie werden sehen, wenn Sie hinhören: In ihre Ohren sollte alles hineinschallen dürfen, was von dem anspruchsvollen Ruhestörer auffindbar ist.

Sebastian Krämer – Meine Lieder (MP3)

Placebo: Speak In Tongues

Kitty came back home from on the island
But kitty came on home without a name
She and me’s history of violence
But I long and burn to touch her just the same

So we both can speak in tongues
So we both can speak in tongues

Every single sense in me is heightened
There is nothing left inside to rearrange
And like a slave to history and science
I long, I burn to touch you just the same

So we both can speak in tongues
So we both can speak in tongues

Until the universe is done
And the course of time has run
So we both can speak in tongues

Don‘t let them have their way
Don‘t let them have their way
You‘re beautiful and so blasé
So please don‘t let them have their way
Don‘t fall back into the decay
There is no law we must obey
So please don‘t let them have their way
Don‘t give in to yesterday

We can build a new tomorrow – today
We can build a new tomorrow – today
We can build a new tomorrow – today
We can build a new tomorrow – today, today, today

Eine Verneigung.

Leere um Hacks

„Schuld ist niemand an irgendetwas; jeder ist sich selbst das Nichts. Lebt und schreibt man in einer Gesellschaft, die sich so sieht, gibt es eigentlich kaum etwas zu sagen.“ (Dietmar Dath)

“ Oh we‘re so pretty / Oh so pretty / We‘re vacant“ (Sex Pistols)

„Aber wie das Erhabene von Dämmerung und Nacht, wo sich die Gestalten vereinigen, gar leicht erzeugt wird, so wird es dagegen vom Tage verscheucht, der alles sondert und trennt, und so muss es auch durch jede wachsende Bildung vernichtet werden, wenn es nicht glücklich genug ist, sich zu dem Schönen zu flüchten und sich innig mit ihm zu vereinigen, wodurch denn beide gleich unsterblich und unverwüstlich sind.“ (Goethe)

Persönlichkeit ist zu erlangen. Dazu braucht es Wille und Anstrengung. Mit der Bildung der eigenen Persönlichkeit betätigt sich der wirkliche Mensch als vernünftiger freier. Sein Ziel ist Vollkommenheit. Dazu braucht es den Sozialismus und den Kommunismus. Hacks etwa, unbestreitbar ein Genie, war nicht vollkommen, sondern auf höherem Niveau unvollkommen als es ihm ohne DDR möglich gewesen wäre. Die recht häufig behandelte Frage, was er ohne sie gewesen wäre, ist die uninteressantere, weil nach hinten blickende. Die spannende geht so: Was wäre der große Hacks im Kommunismus geworden? Sie ist derzeit nicht beantwortbar.

Es stehen dafür andere, langweilige Fragen an, die mit Leichtigkeit geklärt werden können. Wer beispielsweise Persönlichkeit verneint, wird an Hacks keine Freude haben können, das darf als sicher gelten. Da Hacks tot ist und er am Gewinn, den der Verkauf seiner Werke liefert, nicht profitieren kann, ist das ziemlich egal. Nicht egal ist es jedoch, wenn die Unansprechbaren, die „Persönlichkeitspflege“ ablehnen, weil sie über nichts verfügen, das gepflegt werden könnte, sich daran machen, der Welt, also den anderen Bekloppten, Hacks zu erklären. Ihre Mittel sind beschränkt und heißen Kritik. Da sie nichts merken, wenn sie sich die Finger verbrennen, plappern sie unbeirrt und ungesittet weiter. Ein guter und geduldiger Dompteur – wir denken an dieser Stelle an Ulbricht und Stalin –, wäre hilfreich, ist im Moment aber leider nicht verfügbar. Notgedrungen beschränken wir uns auf Zwischenrufe.

„In seinen polemischen Verslein, die ein hohes Maß an Reimschmiedekunst bezeugen, geriert sich Hacks ein bisschen als ein Stefan George von links, freilich unter Verzicht auf eine devote Jüngerschar, die zur Anbetung des Meisters bereit wäre, denn einen ehrfürchtigen Dichterkreis wird Hacks für seinen ästhetischen wie politischen Extremismus nicht mehr finden können. Was er in seinen leichthändigen Heinrich-Heine-Liedern und Volksliedstrophen an politischen Überzeugungen ausbreitet, wird man nur als Resultat einer selbst gewählten Verblendung wahrnehmen können. Und dennoch ist sein provozierender sozialistischer Eskapismus nicht ohne Reiz.“

Der leichthändige Kunstschmied provoziert also polemisch mit linken Stefan-George-Liedern für reizvolle Eskapisten, die, zwar devot und extremistisch, aber nicht existent, sozialistische Verslein dichten. So sieht es aus, wenn geistige Fliegengewichte sich einen Bruch heben. Klassik, besonders die sozialistische, ist nunmal schwere Kost, auch wenn sie beflügelnd wirken kann, wo sie auf ein ihr angemessenes Publikum trifft. Michael Braun [„Nomen atque omen“; Plautus], der den zitierten Blödsinn bereits vor zehn Jahren vom Freitag drucken ließ, also davon ausgehen musste, den Klassiker zum Lesen seiner Idiotien zu nötigen, gehört nicht dazu; Wiglaf Droste, der bis heute über bzw. gegen Hacks‘ Bedeutung schwätzt, übrigens auch nicht.

DSS

Gedenkstätte der Sozialisten

Mit Ulbrichts Abschuß war wieder einmal
Ein freies Deutschland verloren.
Er endete nicht im Landwehrkanal.
Der lag in den Westsektoren.

Der Mörder war wieder die SPD.
Der Brandt war Ulbrichts Noske.
Breshnew will Frieden an der Spree,
Meldeten die Kioske.

Zieh mollig an dein kleines Kind,
Es bläst ein Sturm, ein kalter.
Der rote Winterspaziergang beginnt
Zu Karl und Rosa und Walter.

(Peter Hacks)

Nächtlicher Nachtrag:

Man kann sich aussuchen, wessen Tätigkeit man mit zugeneigter Aufmerksamkeit betrachtet. Dessen wohlwollendes Interesse an den eigenen Aktivitäten läßt sich nicht erzwingen. Das Prinzip des Tausches ist hier außer Kraft gesetzt. André Thieles Verlag im Allgemeinen sowie das Fachjournal ARGOS erfreuen mich in schöner Regelmäßigkeit. Ich nehme sogar in Kauf, für Ingo Ways Texte Geld zu zahlen. An meiner Gewogenheit kann also kein Zweifel bestehen. Daher ist es nicht gerade schmerzhaft, aber doch lästig, aufgrund eines Satzes in einem Sack gesehen zu werden, in dem ich mich nicht befinde. Es geht hier, ich geb’s offen zu, gewissermaßen um die romantische Ehre. Der Anstoß erregende Satz war anscheinend dieser, der sich in seinem ganzen Zusammenhang oben befindet:

„Die recht häufig behandelte Frage, was er ohne sie gewesen wäre, ist die uninteressantere, weil nach hinten blickende.“

Weiter hieß es:

„Die spannende geht so: Was wäre der große Hacks im Kommunismus geworden?“

Was nun dazu führte, mich als einen selbstgefälligen linken postpostmodernistischen Quatscher der an Peter Hacks interessierten Öffentlichkeit vorzustellen, kann ich nicht sagen, denn mir wurde es nicht mitgeteilt. An dem Mißgunst erregenden Satz halte ich fest, zu seiner Unterstützung schicke ich ihm nun ein paar andere zur Hilfe.

Nach hinten zu blicken sei niemandem untersagt, nicht zuletzt ich selbst würde unter solch einem Verbot leiden. Die Betrachtung der Vergangenheit ermöglicht das Lernen, insofern bin ich ihr recht herzlich dankbar; das Zukünftige bietet nichts außer der Sicherheit, daß es anders sein kann, wenn das Gegenwärtige schlecht ist, oder daß es so sein kann wie das Gegenwärtige ist, wenn dieses mal gut sein sollte. Und dennoch ist die Frage, was Peter Hacks ohne die DDR gewesen wäre, die weniger spannende, wenn man sie vergleicht mit der Frage, was ein Genie im Kommunismus wohl erreichen wird können. Mit Hacks setzt man sich auseinander, weil er im Sozialismus großartige Werke produziert hat. Ihn gedanklich nach hinten zu versetzen, also in eine rückschrittliche, kapitalistische BRD, nicht ihn meinetwegen im Mittelalter anzusiedeln, ist ein Gedankenspiel, das zu keinem erquicklichen Ergebnis führt: Hacks wäre ohne die in der DDR gewonnenen Erfahrungen jedenfalls nicht der Hacks geworden, den man heute schätzt – was auch immer man als die conditio sine qua non seines Heranwachsens zum Klassiker annimmt. Da scheint mir doch mehr Suspense zu versprechen, sich zu überlegen, was ein genialer Künstler zu schaffen imstande sein wird, wenn die von Menschen geschaffenen Verhältnisse bestmögliche Bedingungen für die Selbstentfaltung eines mit außerordentlichen Talenten gesegneten Menschen bieten. Der Blick nach vorne läßt Vorfreude entstehen. Mir sagt das zu. Aber bitte, das ist nur meine private, unerhebliche Ansicht. Ich dränge sie nun niemandem mehr auf, versprochen.

Nachtrag bei Tageslicht:

Nina Ruge hat recht. Alles wird gut.

Solcher und solcher Wahnsinn

„Die ideale Subjektivität trägt als lebendiges Subjekt die Bestimmung in sich, zu handeln, sich überhaupt zu bewegen und zu betätigen, insofern sie, was in ihr ist, auszuführen und zu vollbringen hat. Dazu bedarf sie einer umgebenden Welt als allgemeinen Bodens für ihre Realisationen.“ (G.W.F. Hegel)

Warum gelten die Vernünftigen und Empfindenden gemeinhin als wahnsinnig? Weil die, die sich ihrer Verstandes- und Gefühlsfähigkeiten dauerhaft entledigt haben, die Vernunft und die wirklich Emotion nicht begreifen können. So fährt man in unvernünftigen Zeiten (das sind die, in denen es vornehmlich um G-W-G‘ geht) anscheinend ganz gut, jedenfalls ist dieser so selbstgewählte wie -verschuldete Irrsinn zu häufig anzutreffen, um rein zufallsbedingt zu sein. Sobald eine Zeitenwende eintritt, die dem Irrsinn schmeichelnden Bedingungen also gewandelt werden in menschenfreundlichere, haben die Kommunisten das Pack erstmal weiterhin am Hals. Dann wird man denen, die man nicht ohnehin abknallt, ein paar Fleischbrocken hinwerfen müssen, um ihr geistloses Verhalten in dem Sozialismus zuträgliche Bahnen zu lenken und vor allem dort zu halten. Sie sind einfach derart in der Überzahl, daß man sich ihrer nicht sofort wird entledigen können. Daher wird man sie sich zu Nutze machen. Mit dem Verschwinden der genannten Bedingungen, die das massenhafte Auftreten der Zombies überhaupt erst ermöglichten, wird ihre Zahl abnehmen, stattdessen wird die Erde zur Abwechslung mal wieder von Menschen bevölkert werden. Wir sprechen hier von keiner Sache, die sich kurzerhand umsetzen ließe. Rom wurde nicht an einem Tag er-, und der Sozialismus nicht einmal innerhalb einer Woche aufgebaut. Der Begriff Zombie ist übrigens keiner, der sich auf jeden anwenden ließe, dem man auf der Straße begegnen kann, ohne dabei einen Kommunisten zu treffen, der einer ist, nicht bloß in seinem Selbstunverständnis. Lebendige Menschen gibt es viele, wenn auch zu wenige, um von lebendiger Gesellschaft reden zu können. Sie erfreuen sich an planvoller Gartenkultur, erkennen Arbeit nicht nur als von Not oder volksgemeinschaftlicher Raserei geschaffenem Zwang, sondern als schöpferische Tätigkeit, mit der sich manches zum Besseren ändern läßt. Sie kochen gerne und gut und pflegen Beziehungen zu anderen Lebendigen, die eben nicht auf Tausch oder Raub basieren. Für den Sozialismus sind sie leicht zu gewinnen, weil sie denken und fühlen, daher nicht alles als kritikabel einebnen, sondern Vorteilhaftes von Nachteiligem unterscheiden können. Auch des Leidens sind sie fähig, das zeichnet sie nicht zuletzt aus als Wesen und unterscheidet sie maßgeblich von realitätsfeindlichen Kreaturen. Die Kreaturen wiederum treten in die SPD ein und dann wieder aus, um etwa Theorie mit Praxis zu verwechseln und mit ihrer inneren Ödnis und Trostlosigkeit zu belästigen. Krank können solche nicht werden, da ist ja nichts, das erkranken kann. Denen gegenüber, die das können, wollen sie neidisch die Rolle eines Arztes einnehmen, nichts macht sie wütender als den Anblick gelebten Lebens ertragen zu müssen. Was wird der Sozialismus sie ärgern!

Venus von Milo

Venus und Stalin

Sie, ihre Füße badend, trägt kein Kleid,
Das zu durchnässen sie vermeiden müßte.
Sie zeigt dem All in Sommerheiterkeit
Den Hintern und die weltberühmten Brüste.

Er, nebst noch einer Schreibkraft, prüft, erwägt,
Am Saum des Quellbachs hingestreckt, Berichte.
Damit sie Zephir nicht von dannen trägt,
Benutzt er Kieselsteine als Gewichte.

Gelegentlich läßt er das Auge ruhn,
Das väterliche, auf den prallen Lenden
Der Göttin, die versunken in ihr Tun,
Ein Bein gewinkelt hebt mit beiden Händen.

Ein milder Glanz geht, eine stille Pracht
Unwiderstehlich aus von diesem Paar.
Die Liebe und die Sowjetmacht
Sind nur mitsammen darstellbar.

(Peter Hacks)

Stalin

Schernikau! Schlager! Rosenberg!

Ronald M. Schernikau, der derzeit vermutlich deswegen so beliebt ist, weil er längst begraben wurde, hat einiges gemeinsam mit Peter Hacks. Beide waren herausragende Schriftsteller, beide gingen vernünftigerweise in die DDR, beide schrieben Schlagertexte, Hacks für Lale Andersen, Schernikau für Marianne Rosenberg. Für Freunde des miserablen Schauspielers und Ex-Alzheimerpatienten Ronald „Star Wars“ Reagan ist der Song „Amerika“ nicht geeignet, für antideutsche Imperialismusbegeisterte leider auch nicht. Die an Schernikaus Œuvre Interessierten dürften hiermit eine ihnen womöglich bisher unbekannte Seite des Genies entdecken. Wie auch immer, Bühne frei, believe the hype!

Marianne Rosenberg – Amerika (MP3)
Marianne Rosenberg – Amerika (Text)

spiegelbilder cover

Den Sozialismus erwarten mit den Klassikern

„Die deutsche Sozialdemokratie ist [spätestens; S. Hirschfeld] nach dem 4. August 1914 ein stinkender Leichnam“ – mit diesem Ausspruch Rosa Luxemburgs wird ihr Name in die Geschichte der Arbeiterbewegung der ganzen Welt eingehen.“ (W.I. Lenin)

Seit den Lebtagen Luxemburgs und Lenins hat sich einiges geändert. Längst reicht es nicht mehr, allein die kleinbürgerlichen Deppenvereine wie SPD, CDU oder DVU als die Leichname zu begreifen, die sie sind. Die gesamte deutsche Gesellschaft besteht aus modrigen Körpern, die in einem irrsinnigen Totentanz Leben nur simulieren. Friedhöfe sind nicht begrenzt, das ganze Land stellt ein überdimensionales Massengrab dar, in dem die Leichen danach trachten, noch die letzten Lebendigen unter die Erde zu bringen oder wenigstens sich gegenseitig zu zerfleischen, falls keine lebenden Menschen mehr auffindbar sind. Die Berichterstattung, auch die subkulturelle, über das, was Politik, Wirtschaft, Kultur genannt wird, liefert stets das passende Requiem und vermittelt wider jede Realität den Schein, es gäbe Bewegung, Veränderung, Fortschritt, wo doch in Wahrheit der ganze Gesellschaftskörper sich in Totenstarre befindet und bestialischen Gestank verbreitet. Angesichts dieser Lage gibt es nichts aufzuklären, Kritik, Debatte, Erklärung stoßen nicht bloß auf taube, sondern tote Ohren und gliedern sich perfekt ein in den wahnwitzigen Totenkult. Es geht stattdessen darum, am Leben, das heißt bei Verstand und Genußfähigkeit, zu bleiben und entspannt auszuharren, bis der Sozialismus mit aller nötiger Gewalt, mit Gewehren, Bomben, Panzern und Schutzwällen zurückkehrt, um die Zombies daran zu hindern, weiterhin ihr Unwesen zu treiben. Dazu ist Geduld nötig, mehr nicht. Warum? Die Antwort gab bereits Peter Hacks:

„Sie wundert mein Optimismus? Ich schlage mich, ganz wie jeder andere Mensch [Hacks sprach offensichtlich nicht von den living dead; S. Hirschfeld] auch, auf die Siegerseite. Der Kapitalismus hat doch nicht die geringste Überlebenshoffnung.“

rotearmee