Archiv der Kategorie 'Materialismus'

Der Ort der Kommunisten

So unterschiedlich die unzähligen Vorwürfe gegen die Kommunisten auch klingen mögen, schnurren sie doch, bei Licht betrachtet, auf einen Grundvorwurf zusammen: daß sie keine widerspruchslose, perfekte Gesellschaft vorgefunden hatten, als sie begannen, sich ihrem Ziel zu nähern. Weil sie versuchten, den Hunger abzuschaffen, werden ihnen die Hungersnöte vorgehalten. Weil sie von faschistischen Ländern überfallen wurden, wird ihnen die Kriegsführung vorgeworfen. Weil sie mit Klassenwidersprüchen umzugehen hatten, sind sie schuldig an den Klassenkämpfen. Usw. Die Feinde des Kommunismus bilden eine dialektische Einheit. Die einen machen weiter mit all den drecksbrutalen Sauereien, die anderen blamieren alle ernsthaften Versuche, den Kommunismus zu erreichen, am Ziel selbst, während sie untätig und kritisch das Geschehen kommentieren, das sie nur in Worten verhindern wollen. Die einen und die anderen bilden zusammen das vollständige Spektrum von links nach rechts. Die Kommunisten jedoch, gerade weil sie innerhalb der Welt, der Realität stehen, stehen doch außerhalb dieses Spektrums, über diesem Spektrum, denn sie sind dem Spätimperialismus zu nichts verpflichtet, weshalb alle Versuche, sie doch gewaltsam einzuordnen, stets scheitern müssen. Die Linksradikalen und die Rechtsabweichler, seien sie auch Mitglieder der Kommunistischen Partei, stehen unterhalb der Kommunisten, sie sind ganz dem alten, überwundenen Spektrum zugehörig, weshalb sie als Linke bzw. Rechte zu bezeichnen so außerordentlich richtig ist. Wo die Kommunisten stehen, das ist der Kommunismus selbst, der sowohl ihr Weg als auch ihr Ziel ist. Ihr Ziel erreichen sie durch die Annäherung an dieses, der Kommunismus wird Realität, indem bzw. während er errichtet wird. Insofern war der als Realsozialismus geschmähte Zeitabschnitt durchaus bereits der Kommunismus, denn zweifellos gelang die Annäherung, ohne daß damit der Weg bis zu seinem Ende gegangen worden wäre. Es bleiben noch viele weitere Schritte zu tun. Doch haben wir heute dank (nicht nur, aber hauptsächlich) Wladimir Iljitsch Lenin und Josef Stalin eine detaillierte Landkarte zur Hand, die die Bolschewisten erst anfertigen mussten. Auf daß wir bald die letzten weißen Flecken erkunden werden!

1968 – 2011: Eine kurze Geschichte der Zombies

Mit Night of the Living Dead erschienen 1968 die Zombies des späten Imperialismus auf der Leinwand – deutlich unterscheidbar von den Zombies der Kolonialisierten, aber auch den frühen imperialistischen. Sie waren gekommen, um zu bleiben, denn in der Hölle war kein Platz mehr und ist es bis heute nicht. Die Untoten wandeln seither tags wie nachts auf diesem Planeten und machen keine Anstalten, sich wieder zu verziehen. Im Gegenteil, mittlerweile ist der Horrorfilm mit Zombies keine bizarre Randerscheinung mehr für fehlgeleitete Jugendliche, die keinen Fick, aber Akne abgekriegt haben, sondern wird an Universitäten genauso wie auf Schulhöfen besprochen. Sogar eine Fernsehserie, The Walking Dead, startete letztes Jahr in den USA, die Comic-Hefte, auf denen sie basiert, werden weiterhin fortgesetzt. Der spazierende Kadaver gehört also zum Alltag, dieser wäre ohne jenen nicht mehr vorstellbar. Das allerdings ist kein Zufall, keine der vorübergehenden Moden, wie sie in der an Belanglosigkeiten reichen Populärkultur üblich ist.

Als die Zombies ihren unaufhaltsamen Siegeszug antraten, war es dem Fortschritt bereits an den Kragen gegangen. In der Sowjetunion ersetzte Nikita Chruschtschow Josef Stalin und leitete sofort die sogenannte Entstalinisierung ein, was nichts anderes als den Beginn des Endes wirklichen Sozialismus in größerem Maßstab bedeutete. Der Revisionismus griff um sich, so unaufhaltsam wie eine Horde hungriger Leichen. Neue Linke im Westen und Chinas Linksabweichler komplettierten das Bild, bis Gorbatschow den letzten entscheidenden Rückschritt vollzog. Nun war der Kapitalismus so global geworden wie nur irgend möglich – die spärlichen, unwesentlichen Ausnahmen bestätigen die Regel – bei gleichzeitigem Eintreten der Leichenstarre. Hatten die sozialistischen Errungenschaften noch die Staaten des Kapitals manche Härten abzumildern gezwungen, um den Antikommunismus der Untertanen nicht infrage zu stellen, war damit die Zeit der allgemeinen Entsagung angebrochen, bis es zum Skandal werden konnte, wenn sich die Vorsitzende einer linken Partei Gedanken über einen antistalinistischen Kommunismus macht oder ein kriegführender Friedensnobelpreisträger Krankenversicherungen für jedermann durchzusetzen versucht. Auch ein arbeiterfeindlicher Reaktionär wie Bismarck müsste sich heute vor dem vergesellschafteten McCarthyism hüten.

Während also die Manifestation der Vernunft im Schwinden begriffen war und das Kapital seinem Wesen entsprechend alle Grenzen einebnete, wanderte der Zombie aus verruchten Schatten ins grelle Licht der Öffentlichkeit und wandelte sich vom Schockzustand auslösenden Ungeheuer zum liebgewonnenen Begleiter, was nichts anderes heißen kann, als daß die, die ihn anschauen, ihm längst zu gleich geworden sind, um sich von Ihresgleichen noch ins Bockshorn jagen zu lassen. Wenn Zombies in erfolgreichen Serien auftreten, nicht mehr bloß in Filmen für Liebhaber obskurer Unterhaltung, die in eigenen Bereichen der Videotheken versteckt werden, sind sie im Grunde nicht mehr zu unterscheiden von den Figuren in GZSZ oder den eigenen Kollegen, Nachbarn, Verwandten genauso wie den Bossen, Aktionären, Regierenden. Wo keiner mehr lebendig ist, da macht es keinen Sinn von Klassen zu sprechen, da niemand mehr den Klassenwiderspruch zu denken und fühlen fähig ist. Das ist genau der Zustand, wenn der Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit negativ aufgehoben ist in der Milliarden umfassenden Rotte Untoter. Die Zombies: das sind die Leute im objektiven Faschismus.

Wenn der Wirtschaftsprofessor Max Otte im Interview mit der Zeitschrift konkret meint, es habe „in den letzten Jahren zu viele Endzeitfilme gegeben“, dann begreift er nicht, daß es längst gar keine anderen mehr gibt und geben kann, weil jeder Film notwendig die Endzeit widerspiegeln muß, in der und von der er hervorgebracht wird. Die fortschrittlichen Kräfte der bürgerlichen Gesellschaft sind nämlich längst zur vollen Entfaltung gekommen, jetzt wird wieder zusammengefaltet. Oder anders: Die Zombies müssen ihre Ernährung umstellen und sich eben gegenseitig fressen, bis die Linke in ihrer einzigen zukunftsfähigen Gestalt als Bolschewismus ihre vorübergehende Niederlage verkraftet haben wird, um gestärkt neu zu erstehen. Denn wie aus Sein Nichts wurde, wird aus Nichts Sein werden.

zombiezombie

Kopfjägers Esoterik

Warum verkauft einer seine Arbeitskraft? Um Geld zu verdienen. Warum will einer Geld verdienen? Um sich Waren kaufen zu können. Warum will einer sich Waren kaufen? Weil das Mittelalter weitgehend vorüber ist. Was, wenn nicht Mittelalter, ist dann heute? Spätimperialismus, also später Spätkapitalismus. Was kennzeichnet den Spätimperialismus? Der allgemeine Irrsinn, der sich etwa in Gestalt eines Headhunters manifestiert, der materiellen Vorteilen kritisch gegenüber steht und materielle Nachteile als vorteilhaft für’s Karma preist.

„Geld motiviert nicht dauerhaft. Ein Bonus oder eine Erhöhung zaubert schnell ein Lächeln ins Gesicht des Angestellten, aber Anerkennung oder ein vernünftiges Arbeitsklima sind viel wichtigere Faktoren. An eine Erhöhung gewöhnen wir uns schnell, nach drei Monaten ist das nichts Besonderes mehr. Aber wenn ich immer wieder merke: Ich komme weiter, ich entwickle mich, dann ist das viel wertvoller.“ (Marcus Schmidt)

Die alte Leier von wegen „Geld allein macht auch nicht glücklich“, mit der Arme ihre Armut, also alles von beschränkter Teilhabe an bis hin zu völligem Ausschluß von Gebrauchswerten, sich erträglich machten, kehrt wieder in Form von Expertengeschwätz. War derartiger Humbug früher deshalb falsch, weil Reichtum sehr wohl glücklich machte, ist er heute bereits auf verdrehte Art richtig geworden, denn selbst die Reichen sind elende, jämmerliche Gestalten. Ackermann ist nicht Rockefeller, Guttenberg ist nicht Bismarck, Britney Spears ist nicht Greta Garbo. Wer so sein will wie die, der ist bereits einer wie die, ein lebloser Zombie.

ackermann

Stating the obvious: Das Kritikerpack ist dementsprechend nicht Hegel, Marx, Engels.