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Gut Ding hat Dauer: Die Simpsons machen weiter

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Nachdem Fox den Lohn der Simpsons-Sprecher um 45% kürzen wollte, um die Serie fortzusetzen, einigte man sich nun auf eine Senkung auf 70% des bisherigen Gehalts. Die Staffeln 24 und 25 können also freudig erwartet werden. Daß aber überhaupt eine Kürzung dieser Größenordnung erduldet werden musste, ist Folge einer Unverfrorenheit, die nur auf Fox‘ grundsätzliche Abneigung Wahrheit gegenüber rückführbar ist, handelt es sich bei „The Simpsons“ doch um das Projekt zur genauesten Erfassung der gegenwärtigen Gesellschaft mit all ihren Widersprüchen in feindlicher, fortschrittlicher Absicht, aus jener objektiven Perspektive unternommen, die nie aus Distanz, immer nur teilnehmend möglich ist, das sich nie in bloßer Negation und damit bloßer, auf rebellisch zurechtgemachter Affirmation erschöpfte wie die ach so ähnlichen, angeblich witzigeren, bissigeren, den Zeitgeist verkörpernden (und damit in Wirklichkeit halt nur: witzlosen, klamaukigen, reaktionären, bewußtlosen) Serien „Family Dad“ oder „American Guy“. Trennen mag man sich bei Fox vom gelben1 Goldesel natürlich nicht, das wäre nicht im Interesse des Geschäfts. Den mit der Herstellung großartiger Unterhaltung Beschäftigten, Unterhaltung verstanden nicht als das Bewußtsein einschläfernd, sondern im Gegenteil erfrischend, das Leben ein wenig schwerer zu machen, zeigen, wie wenig Wert ihre Arbeit hat, wie gering die Anerkennung ihrer einzigartigen Leistung, sie von ihrer Tätigkeit ablenken mit beschämenden Manövern, das kann Fox dennoch und tut es. So lassen sich ein paar Dollar sparen, ein paar Angestellte erniedrigen, ohne das Feigenblatt der ordinären Sozialkritik zu verlieren, als das die Simpsons wenigstens hierzulande in der Regel fehlinterpretiert werden. Dementsprechend freut man sich im SPIEGEL ONLINE Forum nicht über zwei weitere Staffeln, man zeigt sich nicht empört über die Maßnahmen von Fox, nein, man prügelt stattdessen auf das Beste, vielleicht sogar einzig dauerhaft Gute ein, das je fürs Fernsehen gemacht wurde. Weitgehend einig ist sich der Kommentatorenpöbel in der Feststellung, die Simpsons hätten ihre besten Tage lange hinter sich, denn sie seien mittlerweile zu freundlich, zu idiotisch, zu öde, zu kommerziell, Mainstream, würden zu häufig gesendet, es fehlten Biss, Subtilität und Authentizität, wohingegen die sogenannten Werke eines Seth MacFarlane reichlich Lob verdienten und Groening wohl als Maßstab zu gelten hätten. Die Begeisterung über geistlose Plagiate führt schließlich zur Forderung, die geldgierigen Stimmgeber der Charaktere zu ersetzen durch günstige Imitatoren, die im Falle steigender Ansprüche vermutlich ebenfalls im Sinne der als typisch amerikanisch geltenden Parole „hire and fire“ entsorgt werden könnten. Mißachtung außergewöhnlicher Leistung paart sich mit neoliberaler Asozialität und gebiert ein monströses Kind: den Fan des Zeitgeists, der, talentlos, wie er eben ist, lieber das Kapital in Form einer Corporation Geld sparen sieht als vom Kapital bezahlte Besondere überdurchschnittlich entlohnt. Er sehnt sich zurück nach dem Charme der unbeholfenen, detailarmen Zeichnungen, wie sie die Serie anfangs noch prägten, und gibt sich damit zu erkennen als Verächter von jeglicher Professionalität und Qualität, zunehmender vor allem, allgemein: von menschlichem Können. Damit: von Individuen. Wer was kann, soll sich bloß nix drauf einbilden. Jeder gilt als ersetzbar, was selbstverständlich als Drohung zu verstehen ist. Jeder hat gleich zu sein, nämlich gleich schlecht, gleich zwecklos, gleich verwendbar für den einzig gültigen Zweck, dern der Kapitalakkumulation. Sein Vorwurf, nach soundsovielen Staffeln sei alles erzählt, gezeigt, ausgedacht, weitere seien damit überflüssig, ist dementsprechend eigentlich ein sich gemein machen mit dem Status Quo, der sich nicht ändern darf, daher einerseits immer wieder aufs Neue wiederholt werden, andererseits im immer neuen Gewand erscheinen muß. Dauerhaftes2 ist ihm unerträglich, zerstört es doch die Illusion der Bewegung, die hervorgerufen wird durch ständiges Ersetzen von Gleichem durch Gleiches; wirkliche, nicht scheinbare Veränderung, Entwicklung darf nicht geschehen, muß aber simuliert werden, wie das Leben selbst. Gäbe es die Simpsons nicht, sie würden dringend benötigt, um den Zeitgeist und diese seine Anhänger zu schlagen. Es gibt sie, der Mob fühlt sich zu recht getroffen und heult. Die Leistung der Simpsons geht allerdings weit darüber hinaus, die Tölpelhaftigkeit der Masse der Zeitgenossen aufzuzeigen. Die Dumm- und Gemeinheiten, die den Spätkapitalismus im Großen wie im Kleinen kennzeichnen, machen nicht verdrießlich, wenn sie im Rahmen der Simpsons vorgeführt werden, ohne zu versöhnen stimmen sie heiter. So ergibt sich aus dem fortschreitenden Studium der Simpsons zweierlei: Die Zunahme der Kenntnis der Realität genauso wie der Bereitschaft, im Dienste der Vernunft innerhalb der Realität und auf diese zu wirken – vorausgesetzt, beides war schon vorher vorhanden, kommt von nichts bekanntlich nichts. Die Simpsons beugen damit ebenso der innerhalb des Irrsinns stets drohenden Verblödung und Erstarrung aufs Trefflichste vor. Das ist der wertvolle Beitrag dieser Fernsehserie, den sie seit 1987 zur kommunistischen Revolution leistet. Und glücklicherweise für mindestens zwei weitere, gewohnt ausgezeichnete Staffeln.

  1. Bitte nehmen Sie das Wortspiel auf dem Niveau des Spiegels freundlich zur Kenntnis.[zurück]
  2. Dauerhaftes verändert sich fortwährend, paßt sich an, reagiert, ist lebendig. Was unveränderlich ist, ist tot. [zurück]

1968 – 2011: Eine kurze Geschichte der Zombies

Mit Night of the Living Dead erschienen 1968 die Zombies des späten Imperialismus auf der Leinwand – deutlich unterscheidbar von den Zombies der Kolonialisierten, aber auch den frühen imperialistischen. Sie waren gekommen, um zu bleiben, denn in der Hölle war kein Platz mehr und ist es bis heute nicht. Die Untoten wandeln seither tags wie nachts auf diesem Planeten und machen keine Anstalten, sich wieder zu verziehen. Im Gegenteil, mittlerweile ist der Horrorfilm mit Zombies keine bizarre Randerscheinung mehr für fehlgeleitete Jugendliche, die keinen Fick, aber Akne abgekriegt haben, sondern wird an Universitäten genauso wie auf Schulhöfen besprochen. Sogar eine Fernsehserie, The Walking Dead, startete letztes Jahr in den USA, die Comic-Hefte, auf denen sie basiert, werden weiterhin fortgesetzt. Der spazierende Kadaver gehört also zum Alltag, dieser wäre ohne jenen nicht mehr vorstellbar. Das allerdings ist kein Zufall, keine der vorübergehenden Moden, wie sie in der an Belanglosigkeiten reichen Populärkultur üblich ist.

Als die Zombies ihren unaufhaltsamen Siegeszug antraten, war es dem Fortschritt bereits an den Kragen gegangen. In der Sowjetunion ersetzte Nikita Chruschtschow Josef Stalin und leitete sofort die sogenannte Entstalinisierung ein, was nichts anderes als den Beginn des Endes wirklichen Sozialismus in größerem Maßstab bedeutete. Der Revisionismus griff um sich, so unaufhaltsam wie eine Horde hungriger Leichen. Neue Linke im Westen und Chinas Linksabweichler komplettierten das Bild, bis Gorbatschow den letzten entscheidenden Rückschritt vollzog. Nun war der Kapitalismus so global geworden wie nur irgend möglich – die spärlichen, unwesentlichen Ausnahmen bestätigen die Regel – bei gleichzeitigem Eintreten der Leichenstarre. Hatten die sozialistischen Errungenschaften noch die Staaten des Kapitals manche Härten abzumildern gezwungen, um den Antikommunismus der Untertanen nicht infrage zu stellen, war damit die Zeit der allgemeinen Entsagung angebrochen, bis es zum Skandal werden konnte, wenn sich die Vorsitzende einer linken Partei Gedanken über einen antistalinistischen Kommunismus macht oder ein kriegführender Friedensnobelpreisträger Krankenversicherungen für jedermann durchzusetzen versucht. Auch ein arbeiterfeindlicher Reaktionär wie Bismarck müsste sich heute vor dem vergesellschafteten McCarthyism hüten.

Während also die Manifestation der Vernunft im Schwinden begriffen war und das Kapital seinem Wesen entsprechend alle Grenzen einebnete, wanderte der Zombie aus verruchten Schatten ins grelle Licht der Öffentlichkeit und wandelte sich vom Schockzustand auslösenden Ungeheuer zum liebgewonnenen Begleiter, was nichts anderes heißen kann, als daß die, die ihn anschauen, ihm längst zu gleich geworden sind, um sich von Ihresgleichen noch ins Bockshorn jagen zu lassen. Wenn Zombies in erfolgreichen Serien auftreten, nicht mehr bloß in Filmen für Liebhaber obskurer Unterhaltung, die in eigenen Bereichen der Videotheken versteckt werden, sind sie im Grunde nicht mehr zu unterscheiden von den Figuren in GZSZ oder den eigenen Kollegen, Nachbarn, Verwandten genauso wie den Bossen, Aktionären, Regierenden. Wo keiner mehr lebendig ist, da macht es keinen Sinn von Klassen zu sprechen, da niemand mehr den Klassenwiderspruch zu denken und fühlen fähig ist. Das ist genau der Zustand, wenn der Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit negativ aufgehoben ist in der Milliarden umfassenden Rotte Untoter. Die Zombies: das sind die Leute im objektiven Faschismus.

Wenn der Wirtschaftsprofessor Max Otte im Interview mit der Zeitschrift konkret meint, es habe „in den letzten Jahren zu viele Endzeitfilme gegeben“, dann begreift er nicht, daß es längst gar keine anderen mehr gibt und geben kann, weil jeder Film notwendig die Endzeit widerspiegeln muß, in der und von der er hervorgebracht wird. Die fortschrittlichen Kräfte der bürgerlichen Gesellschaft sind nämlich längst zur vollen Entfaltung gekommen, jetzt wird wieder zusammengefaltet. Oder anders: Die Zombies müssen ihre Ernährung umstellen und sich eben gegenseitig fressen, bis die Linke in ihrer einzigen zukunftsfähigen Gestalt als Bolschewismus ihre vorübergehende Niederlage verkraftet haben wird, um gestärkt neu zu erstehen. Denn wie aus Sein Nichts wurde, wird aus Nichts Sein werden.

zombiezombie

Die ganze Wahrheit über Stanislaw Hirschfeld

Eine weitere Folge der beliebten Serie „Deutsche Linke vorgeführt“

Heute: Wer ist überhaupt dieser Hirschfeld und was will er?

„Ich wollte mal fragen, ob irgendwer von euche ntweder die Typen kennt oder irgendwie mir sagen kann, was die wollen und soo. Ich kann die m ega schwer einschätzen…Könnten die Ultraiironiker, gebildete Linke, Extremkonservative oder reine, übermäßig (scheinbar nutzlos) gebidlete Kritikersein.. Hat jemand eine Antwort darauf?^^“ (User autonomerjediritter, interessierter Ahnungsloser, hat schon 19 Nachrichten versendet, findet Krieg und Rechtschreibung blöd)

„Ich könnte bei diesem Admin so einige Parralellen zur Querfront sehen, aber ein Nazi ist er dann doch nicht. Er sollte lieber bei Alles Schall und Rauch schreiben.“ (User Mac Gyver, Judenhasser, Verschwörungsvolldepp, Demokrat, hat ’nen Schrottcomputer)

„der typ ist mir unsympathisch“ (User Johnny Sniper, Bauchmensch, findet Nietzsche und Anarchie dufte, hat sogar schon 60 Nachrichten versendet, Antisemit im Stadium der Selbstverleugnung)

„Der blog ist… komisch Oo xD
Ernst nehmen kann mensch ihn jedoch nicht xD“
(User Back_to_black, trotzkistischer Assipunk, verkiffter Basisdemokrat, lollige Frohnatur xD)

Da verspielte Antifa-Sprösslinge mit einer ausgeprägten Abneigung gegen Israel, die, ach iwoh, mit Antisemitismus rein gar nichts zu tun hat, die etwa 60 hier lesbaren Einträge nicht einordnen können, aber gerne wollen, helfe ich mit einfachen Mitteln nach, die ihrem Bildungsstand hoffentlich angemessener sind als Worte, Sätze oder womöglich auch noch Texte, denn wer so schön fragt und rätselt, sollte eine angemessene Antwort erhalten. Hier ist sie, schön bunt und unmißverständlich und lesen muß keiner!

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Falls das Bild nun auch schon wieder zu schwierig sein sollte: Stanislaw Hirschfeld steht ein für Liebe & Sowjetmacht. Alles klar?

Rätsel

„Die Deutschen sind nicht nur dem Rest der Welt ein Rätsel, sondern auch sich selbst.“ (Greg Nees)

Ein Rätsel kann man lösen oder an ihm verzweifeln. Vergessen läßt sich dieses nicht, dafür sind die Deutschen zu penetrant. Verzweifeln ist keine schöne Alternative, es bleibt nur die Suche nach der Lösung. Bevor man sich auf jene macht, sollte man wissen, was man zu enträtseln gedenkt. Als Rätsel gelten die Deutschen meist, weil sie ohne jede Not das Schlimmste, den Nationalsozialismus wählten. Als man ihnen den wegnahm und stattdessen hier bürgerliche Demokratie, dort Sozialismus schenkte, wollten sie das Präsent am liebsten ablehnen, was aus Anstandsgründen nicht gestattet wurde. Als das Verbot teilweise nicht mehr aufrechterhalten wurde, gaben sie den Sozialismus eilig wieder zurück. Mit der Demokratie imperialistischer Machart arrangieren sie sich einstweilen, Pogrome verhindert sie ja nicht immer und der ein oder andere Angriffskrieg ist auch drin. Die Rätselfrage lautet also: Wieso wählen die Deutschen bei freier Wahl immer das Verkehrte? Um der Antwort näher zu kommen, muß man sich, wie Schernikau, dafür interessieren, wie die Scheiße in die Köpfe kommt. Mit Leichtigkeit, könnte man mit einiger Berechtigung einwerfen, doch wir wollen nicht flapsig sein, denn der Gegenstand erfordert Ernst. Zuerst muß geklärt werden, wer diese Deutschen sind, nämlich ein Volk. Das sind sie, weil sie sich als solches begreifen und dementsprechend auftreten. Sie sind es nicht etwa, weil der bürgerliche Staat dazu zwingt, das kann er gar nicht. Sie sind es aus freien Stücken. Als es vorübergehend zwei deutsche Staaten gab, reagierten sie verwirrt. Sind wir jetzt zwei deutsche Völker oder zwei halbe oder doch ein ganzes?, fragten sie sich. Als der eine, irritierende Staat, der das mit dem Volk so undeutsch sah, wegfiel, beschlossen sie zufrieden: Wir sind nicht nur eins, sondern das, und zündeten zur Feier der neuen Einheit ihnen unpassend erscheinende Gebäude sowie deren Bewohner an. Würstchenstände gab es auch, habe ich gehört, Pogrom und Volksfest ähneln sich ohnehin weitgehend. Jetzt sind sie also ein Volk, das unterscheidet sie von den anderen Völkern nicht. Es hat seine eigene Geschichte, die anderen aber jeweils auch. Stolz ist es mittlerweile genauso wie die übrigen, die dauerhaft empfundene Kränkung ließ sich durch Fußball aufheben. Wo ist nun das Besondere, welche spezielle Qualität hat das Deutschtum? Das Spezifische scheint wirklich darin zu bestehen, stets die falsche Entscheidung zu treffen. Können sie aussuchen zwischen Sozialismus oder einheitlicher Barbarei, zwischen Frieden ohne Autobahn und Vernichtungskrieg inklusive freier Fahrt für freie Bürger, zwischen Kurt Weill und „Wind Of Change“, zwischen dem Schönen, Wahren und Guten und dem Häßlichen, Falschen und Schlechten, weiß man schon vorher, was sie wählen werden. Dürfen sie mal wieder die regierenden Parteien bestimmen, dann nehmen sie immer diejenigen, die die Sache noch ein Stückchen schlechter anstellen. Das Seltsame ist nun: Der Erfolg gibt ihnen recht. Das bemerken sie selbstverständlich nicht, denn es liegt, wie gesagt, in ihrer Natur, immer das Falsche, also auch immer die falsche Sicht der Dinge zu nehmen. Wo sie antreiben, fühlen sie sich genötigt, wo sie herrschen, unterdrückt und wo sie rauben, da wähnen sie sich beklaut. Helmut Kohl las Tucholsky lieber als Martin Walser. Tucholsky sagte: „Die Grausamkeit der meisten Menschen ist Phantasielosigkeit und ihre Brutalität Ignoranz.“ Darauf sagte Helmut Kohl: „Entscheidend ist, was hinten rauskommt.“ Deutschlands Paris Hilton heißt Nina Kristin, die deutsche Britney Spears Jeanette Biedermann. Wird in der Schule Goethe gelesen, was noch sein muß, dann „Die Leiden des jungen Werther“. So sind die Deutschen also. Aber wieso sind sie so?

Wichtig ist zu wissen, wie sich Scheiße zu Köpfen verhält, und wen Ohnmacht dumm macht. Die Dummen haben viel Scheiße in ihren Köpfen und sind nicht ohnmächtig. Sie tun höchstens so. Diejenigen, die ihre Köpfe möglichst sauber und rein gehalten haben, haben keine Macht. Daher tendieren sie zur Verblödung. Je machtloser der Deutsche sich fühlt, desto bekloppter will er sein. Sobald er genug Scheiße sich in den Kopf geschaufelt hat, steigt die Wahrscheinlichkeit, einer der Mächtigen zu werden. Wird er trotz aller Bemühungen keiner, so steht er wenigstens auf der Seite der Macht, das ist fast genauso gut und sehr gesellig bzw. gemeinschaftlich bzw. volksverbunden bzw. völkisch, deutsch halt. Die Scheiße kommt also in die Köpfe, damit das unangenehme Gefühl, das Machtlosigkeit verursacht, aus dem Bauch verschwindet. Es ist ein freiwilliger Tausch, der seine Bedingung in den ökonomischen Verhältnissen hat. Diese verändern sich ohne Sozialismus nicht wesentlich, die jetzige Macht hält also etwas Überlebtes in der Welt und durch die Konservierung ändert sich nichts, schlimmer wird’s mit Fortdauer trotzdem. Wenn man keine Scheiße in seinen Kopf lassen möchte, sondern Diamanten bevorzugt, wird man fröhlich abwarten, bis sich ein günstiger Moment bietet, der den Kommunisten die Übernahme der Macht gestattet. Erst dann wird es wieder so sein, daß man klug sein muß, um Politik betreiben zu können und erst dann stehen den Klugen die nötigen Mittel zu Verfügung, den Deutschen ihr Deutschtum kleinzuhalten und am besten absterben zu lassen. Das erste, wichtigste Mittel, das für den Zwang zum Richtigen, für den „völligen Bruch mit der barbarischen Politik der bürgerlichen Zivilisation“ (Lenin) und ihren Begleiterscheinungen unbedingt notwendig ist, ist die sozialistische Staatsmacht.

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Schernikau! Schlager! Rosenberg!

Ronald M. Schernikau, der derzeit vermutlich deswegen so beliebt ist, weil er längst begraben wurde, hat einiges gemeinsam mit Peter Hacks. Beide waren herausragende Schriftsteller, beide gingen vernünftigerweise in die DDR, beide schrieben Schlagertexte, Hacks für Lale Andersen, Schernikau für Marianne Rosenberg. Für Freunde des miserablen Schauspielers und Ex-Alzheimerpatienten Ronald „Star Wars“ Reagan ist der Song „Amerika“ nicht geeignet, für antideutsche Imperialismusbegeisterte leider auch nicht. Die an Schernikaus Œuvre Interessierten dürften hiermit eine ihnen womöglich bisher unbekannte Seite des Genies entdecken. Wie auch immer, Bühne frei, believe the hype!

Marianne Rosenberg – Amerika (MP3)
Marianne Rosenberg – Amerika (Text)

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